Rein spielerisch kommt den Dialogen und unseren Antworten am meisten Bedeutung bei. Zuweilen müssen wir uns aber auch in recht simplen Minispielen beweisen, indem wir beispielsweise einen Sender korrekt einstellen, einen Schlüssel mit einem Magneten aus einen elektrifizierten Kasten fischen oder die Wagen von Kunden an einer Tankstelle möglichst genau mit der bestellten Menge Sprit befüllen. Diese Sequenzen sind nie besonders anspruchsvoll, lockern das Spielgeschehen aber immer in genau dem richtigen Moment auf, so dass nie Langeweile aufkommt.

Reichlich unlogisch, dafür aber äußerst vorteilhaft ist, dass wir spezielle Fähigkeiten, die wir in einem Durchgang erwerben können, dauerhaft behalten. So erhielten wir von unserem Gaunerduo beispielsweise einen Dietrich und von dem kleinen Genie die Fähigkeit, zu hacken, was die zum Überleben wichtige Geldversorgung in weiteren Durchläufen enorm vereinfachte.

Und so gelang es uns schließlich, immer mehr Teenager auf immer andere Arten zu retten. Und stets wenn wir dachten, das Spiel müsse sich nun zu wiederholen beginnen, taten sich neue Möglichkeiten auf. Erst im New Game+ erlebten wir die Geschichten abermals, von denen wir bis zum Abspann allerdings noch nicht alle gesehen hatten.

Im Zuge dieses Testberichtes mag das alles etwas sachlich und trocken klingen, doch „Road 96“ lebt von der Freude, Menschen kennenzulernen, von dem Interesse an den Gefühlen und Geschichten anderer und auch dem Wunsch, zu helfen und etwas zu bewegen. Es ist eine emotionale Verkettung intimer Momente, denen durch die durchweg interessanten Charaktere eine tiefe Bedeutung zuteilwird und denen wir zuweilen weniger als Protagonist, sondern mehr als Zuschauer beiwohnen durften.

Der äußerst stimmige und atmosphärische Soundtrack, der munter von Toxic Avengers-Synth zu melancholisch-verträumtem Coming-of-Age Country wechselt, trägt nicht unerheblich dazu bei, sich auf den Roadtrip einlassen zu können. Schade allerdings, dass es nicht für eine deutsche Synchro gereicht hat, und wir hierzulande mit – teils falsch übersetzten – Untertiteln leben müssen.

Hinsichtlich der Optik gefällt zwar der grundsätzliche Comic-Look, allerdings muss man über die arg hölzernen Animationen hinwegsehen. Zudem sind die immer mal wieder eingestreuten Zwischensequenzen deutlich niedriger aufgelöst, als das Spiel. Wir waren uns uneins, ob es sich dabei womöglich um ein bewusstes Stilmittel handelt – immerhin spielt „Road 96“ in den 90ern – oder hier einfach schlecht portiert wurde.

Auch die Steuerung mittels eines Cursors ist auf Konsole eher suboptimal. Erst recht wenn wir in wackeligen Szenen, wie etwa einer Fahrt auf einem Motorrad, immer wieder versehentlich die falsche Antwort anklicken. Seltsam auch, dass unsere Figur zuweilen ein paar Schritte weitergeht, obwohl wir den Stick gar nicht mehr drückten.

Fazit:

„Road 96“ ist ein immens intensiver Roadtrip, dessen Ausgang ihr zwar beeinflussen könnt, von dem ihr aber nie wisst, wohin er euch führen wird. Als Teenager, der Freiheit leben möchte, wo er sie nicht leben darf, erlebt man hier warmherzige, lustige, aber auch beängstigende und dramatische Situationen vor dem Hintergrund eines tyrannischen Regimes und dem Wunsch nach Veränderung.

„Road 96“ ist damit nicht nur ein Adventure-Spiel, sondern auch eine politische Botschaft, die nie den Anspruch erhebt, belehren zu wollen, sondern nur aufzuzeigen versucht, wohin uns unsere Entscheidungen führen können.

„Road 96“ ist für Nintendo Switch, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series und Microsoft Windows erhältlich.