Wer hätte das gedacht? Fast 20 Jahre nach ihrem Debüt auf der damals noch jungen Playstation kraxelt und ballert sich die Grand Dame des Videospiels Microsoft-exklusiv durch ihr neuestes Abenteuer. Umsetzungen sollen zwar folgen, doch während PC-User und Sony-Jünger sich noch bis zum nächsten Jahr gedulden müssen, packen Xbox One-Besitzer schon mal ihren digitalen Rucksack.

Darum geht's:

So richtig hat Lara die Geschehnisse des Vorgängers noch nicht vercroftet (haha), und doch hat sie im wahrsten Sinne des Wortes Blut geleckt. Nun gut, ob sie jetzt unbedingt mit dem Widerstand der machtbesessenen Anhänger des Trinity-Ordens gerechnet hat, als sie sich auf die Suche nach der verlorenen Stadt Kietsch und der Legende des ewigen Lebens macht, sei mal dahingestellt. Aber es scheint, als würde es die reifende Archäologin nicht sonderlich stören, etwas Gesellschaft dabei zu haben. Oder sagen wir besser: Kanonenfutter.
Und so baut auch Rise of the Tombraider auf der bewährten Mischung des erfolgreichen Vorgängers aus Klettereinlagen, Schießereien und Fluchtsequenzen auf. Angereichert wird das Ganze mit der Option, sich seiner Gegner auch schleichend zu entledigen und einer Umgebung, die nun mehr zum Entdecken einlädt, als je zuvor.

Das ist gut:

Klingt gut und sieht auch noch besser aus. Technisch macht Rise of the Tomb Raider eine fantastische Figur ohne größere Schwächen, die zu erwähnen in etwa so wäre, als beschwere man sich über einen Leberfleck an einem ansonsten makellosen Körper. Eine flotte Bildrate, knackige Texturen, tolle Animationen, wunderschöne Lichtstimmungen … Zockerherz, was willst du mehr? Und obwohl der Titel die meiste Zeit im eisigen Sibirien spielt, kommt auch die Abwechslung nicht zu kurz.
In diesem Sinne müsst ihr nicht stumpf der Hauptstory folgen, sondern nehmt Nebenaufträge diverser NPCs an oder macht euch auf die Suche nach den gut versteckten und äußerst spaßigen Grabkammern. Jener gibt es neune und doch sind es noch lange nicht genug, präsentieren sich diese mit Rätseln versehenen Kletteraufgaben doch als heimlicher Star des Spieles. Dagegen stinken die gerade zum Ende hin extrem häufigen Baller-und-Duck-Sequenzen klar ab. Doch auch hier kann man natürlich viel Spaß haben. Wertet dazu durch ein erweitertes Crafting-System an Lagerfeuern – die wieder als Schnellreisepunkte dienen – anhand der gefundenen Materialen eure Waffen auf, bastelt diverse Munitionstypen oder auch provisorische Granaten. Und wie gesagt: Wer will, springt seinen Feind einfach unvermittelt aus einem Busch an, oder zieht diesen gleich in einen Abgrund. Die Frye-Zwillinge lassen grüßen.
Ach ja, aufleveln dürft ihr euch über die drei Skilltrees „Kämpfer“, „Jäger“ und „Überlebender“ natürlich ebenfalls, was Kennern des Vorgängers mehr als bekannt vorkommen dürfte. Überdies verdient ihr im Spiel Credits, die ihr später in verschiedenen Herausforderungen investieren könnt, um bestimmte Levelabschnitte unter erschwerten Bedingungen erneut anzugehen.

Das ist schlecht:

Bei all dem Lob darf man nicht unter den Teppich kehren, dass die Story an sich nicht wirklich viel hermacht. Die Charaktere, und dazu gehört auch Lara, sind inhaltlich nicht sonderlich tiefgründig gezeichnet, sodass es schwerfällt, sich emotional auf das Geschehen einzulassen. Das hat der Vorgänger trotz der Diskrepanz, eine zerbrechliche Massenmörderin zu spielen, besser gemacht. Gerade zum Ende hin häufen sich platte Dialoge, welche durch die mitunter miese Synchro noch weiter runtergezogen werden. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass zumindest Maria Koschny (u.A. Jennifer Lawrence) als Sprecherin von Lara einen guten Job macht.

Viel Licht, wenig Schatten: Das neue Tomb Raider präsentiert sich als nahezu makelloses Action-Adventure, welches gekonnt auf den Stärken des Vorgängers aufbaut. Klettern, erforschen, Ballern: alles drin, was eine Croft so braucht. PC-Spieler und Playstation-Jünger schauen zwar vorerst in die Röhre, doch das Warten lohnt sich. Rise of the Tomb Raider ist nämlich ganz großes Kino!