Das ist gut:

Um „Rage 2“ auf seine volle Drehzahl hochzujagen, bedarf es im Vorfeld etwas Fleißarbeit. Ballert ihr euch in der Einstiegsmission noch mit einer schlichten Pistole durch die angreifende Mutantenhorde, schaltet ihr mit dem kurz darauf erhaltenen Sturmgewehr schon einen Gang höher. Im weiteren Verlauf ist es an euch, weitere Archen aufzuspüren, die nur ihr als Ranger öffnen könnt. Darin warten nicht nur neue Waffen, wie eine wuchtige Schrotflinte oder ein smarter Raketenwerfer, sondern auch neue Fähigkeiten. Und jede einzelne davon fügt dem vernichtenden Wirbelsturm, der ihr seid eine weitere Warnstufe hinzu.

Verfügt ihr erst mal über Doppelsprung, Dash oder die mächtige Stampfattacke, verdampfen sämtliche Defensivinstinkte, die man sich in all den Jahren der Deckungs-Shooter-Schule mühsam angeeignet hat, im Feuer eines knallbunten Kampfrausches, wie wir ihn zuletzt bei „Doom“ erlebt haben. Sämtliche Waffengattungen und Fähigkeiten gehen dank der präzisen Steuerung so herrlich Hand in Hand, dass man in einen regelrechten Flow gerät, der die Gefechte mit dem Wumms eines V8-Motors vorantreibt, bis man sich plötzlich schwer atmend in einem Meer aus Leichen wiederfindet und sich fragt, was zu Hölle da gerade eigentlich passiert ist.

Ihr seid passiert und habt dabei vermutlich so lange intuitiv zwischen den Waffen und ihren coolen Zweitfunktionen hin und hergewechselt, nahe Feinde mit einer Druckwelle platzen lassen, weiter entfernte mit dem Wingstick geköpft oder meterweit durch die Luft geschleudert, bis der Overdrive geladen war, die Lachgaseinspritzung in unserem automobilen Sinnbild. Aktiviert ihr den Boost, werden die Farben greller, die Töne treibender, eure Waffen mächtiger und eure Gegner rapide weniger.

Aber natürlich lässt sich nicht jede Feindesgruppe einfach so niedermähen, weshalb ihr euer Arsenal, eure Fähigkeiten und sogar eure Standardkarre mit gefundenen Ressourcen umfangreich upgraden dürft. Habt ihr dergestalt ein höheres Level erreicht, nehmt ihr auch die am besten bewachten Banditenposten im Sturm ein oder fällt selbst die größten Abwehrtürme und Riesenmutanten. Dabei steigt ihr in der Gunst dreier Haupt-Auftraggeber, was euch wiederum den Aufstieg in einem drei Kategorien umfassenden Skilltree ermöglicht und somit … ihr ahnt es schon … zu einem noch übleren Badass macht, als ihr es ohnehin schon seid.

Stilistisch ist das Spiel dabei irgendwo zwischen „Mad Max“ und „Borderlands“ angesiedelt, was bedeutet, dass ihr auf allerlei schräge Gestalten treffen werdet. Da wundert man sich schon gar nicht mehr, wenn eine gealterte Domina bei der Mörder-Spielshow „Mutant Bash TV“ Regie führt. Wer den Vorgänger kennt, darf sich zudem auf ein Wiedersehen mit so manch alten Bekannten und sich vor allem über deutlich mehr Abwechslung im Ödland freuen. Das besteht dank der Vorarbeit im Erstling nämlich nicht mehr bloß aus Sand und Steinen, sondern bietet mit einer aufstrebenden Flora deutlich mehr fürs Auge.