Als das erste „Rage“ angekündigt wurde, bekamen Shooter-Fans ob der optisch aufwändigen Endzeitkulisse im Mad-Max-Stil und der zu erwarteten dynamisch-derben Schießereien sofort feuchte Augen. Immerhin saßen die Baller-Profis von id-Software am Steuer und … konnten die Erwartungen letztlich nicht erfüllen. Eine uninspirierte Story mit banalen Charakteren, enge Levelgrenzen anstelle der erhofften offenen Welt und vor allem das unbefriedigend abrupte Ende überschatteten das ansonsten gelungene Gameplay. Mit „Rage 2“ soll nun aber alles besser werden.

Wir sind für euch nach Berlin gedüst, um uns ein Bild vom aktuellen Stand der Dinge zu machen.Dort durften wir nämlich Hand an eine gut zweistündige Demo legen und – nach einer kurzen Einführung vom Combat Designer höchstpersönlich – im Ödland die Sau rauslassen. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn „Rage 2“ wird ein schrilles Open-World-Action-Fest mit rotziger Punkt-Attitüde, rabiat-offensiven Ballereien und schmutzigem Humor. Immerhin haben hier die Verwüstungsprofis der Avalance Studios (Just Cause-Reihe) nicht nur ihre Finger, sondern gleich die ganze Hand im Spiel.

Aber von vorne:

„Rage 2“ spielt rund 30 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers in einer postapokalyptischen Welt, die 150 Jahre zuvor von Asteroiden-Einschlägen dem Chaos anheimfiel. Wir schlüpfen in die wahlweise männliche oder weibliche Haut des neuen Protagonisten Walker, seines (oder eben ihres) Zeichens letzter Ranger des Ödlandes und sogenannter Arkist. Als solcher seid ihr in der Lage die Macht der Nanoriten zu nutzen, was euch zu einer Art Superheld macht, jedoch auch Begehrlichkeiten der militanten Authority weckt, einem Terror-Regime, das kurzerhand eure Heimat ins Visier nimmt. Und das schreit natürlich nach Rache!

Die besagten Nanoroboter verliehen Walker übermenschliche Fähigkeiten, die im Kampf natürlich von großen Nutzen sind. Anstatt also wie in vielen Shootern vorsichtig aus der Deckung zu agieren, ermutigt euch „Rage 2“ über eben jene Skills zu einer rasant-offensiven Spielweise. Ihr verfügt nicht nur über einen Dash zum Ausweichen, sondern könnt auch Doppelsprünge vollführen, euch mit der Faust voran und viel Schmackes auf den Boden stürzen und die Gegner mit Druckwellen durcheinanderwirbeln, sie in ein Schwarzes Loch saugen, in die Luft schleudern, ein schützendes Schild erzeugen und das alles am besten zu stylischen Combos kombinieren.

In Verbindung mit den krachigen Ballermännern, die alle über eine nützliche Zweitfunktion verfügen, vollführten wir nach kurzer Einspielzeit regelrechte Choreographien, irgendwo zwischen Taktik und Berserker, und verfielen in einen blutigen Flow, über den wir dann auch die ersten Nebenaufgaben in der großen offenen Welt quasi im Vorbeiballern erledigten. Diese bietet mit insgesamt sechs Biomen nun deutlich mehr Abwechslung als der staubige Vorgänger und darf mit allerlei Endzeitgefährten, vom waffenstarrenden Stachelbuggy bis hin zu einem drohnenartigen Helikopter, bereist werden. 

Walker, Ödland Ranger

Zwar könnt ihr euch jede Karre unter den Nagel reißen, dürft euch aber im fertigen Spiel euer ganz persönliches Gefährt individualisieren. Überdies sammelt ihr vier Ressourcen ein, wobei das Crafting lediglich dem Herstellen von Munition dienen und keinen allzu großen Platz einnehmen soll. Und bevor wir es vergessen: Auch der ikonische Wingstick, eine rasiermesserscharfe Wurfklinge, die wie ein Bumerang zu euch zurückkehrt, ist wieder mit dabei.

Promi-Bonus

Bei allem was ihr so tut, sammelt ihr Ansehen bei einer von drei Parteien, die stellvertretend für die drei verschiedenen Zweige des Skillbaums stehen. Steigt ihr eine Stufe auf, dürft ihr einen sogenannten Projektpunkt investieren, um beispielsweise fortan Granaten an den Absender zurückschicken zu können, oder auch bessere Preise bei Händlern zu erzielen.

Jenen begegneten wir, als wir uns nach einer anarchischen ersten Stunde in den Weiten des Ödlandes endlich der Hauptquest im Städtchen Wellsprings zuwendeten. Dort treffen wir eine alte Bekannte wieder: Loosum Hagar, einstmals Wingstick-Trainerin, nun Oberbürgermeisterin und Ziel eines Anschlages, den wir dank unseres jüngst erlernten Könnens natürlich vereiteln. Loosum bittet uns, der Sache auf den Grund zu gehen, und setzt uns dazu auf den örtlichen Krösus Klegg Clayton an. Der residiert jedoch in einer Art VIP-Lounge, zu der wir nur Einlass erhalten, wenn wir selber in den Status eines Prominenten aufsteigen.

Dies gelingt uns über die Teilnahme an einem Rennen, bei dem sich leider auch unsere Befürchtung bewahrheitet, dass die Steuerung der trägen Fahrzeuge nicht so gut von der Hand geht wie die herrlich flotten Schießereien. Mehr Spaß hatten wir entsprechend bei der makabren Reality-Show 'Mutant Bash TV', bei der wir uns angefeuert von fetziger Jazz-Mucke durch fallenbewahrte Arenen voller Mutanten kämpfen.

Und spätestens hier wurde dann auch deutlich, dass sich die Macher die Kritik am Vorgänger sehr zu Herzen genommen haben, und diesmal deutlich denkwürdigere Charaktere auffahren. Wenn ihr die alternde Lack-und-Leder-Diva Desdemonya kennenlernt, werdet ihr verstehen, was wir meinen.

Ab dem 14. Mai habt ihr Gelegenheit dazu. Dann nämlich soll „Rage 2“ für Playstation 4, Xbox One und PC in den Handel kommen. Wir freuen uns drauf!

Schrille Figuren, schnelles Gameplay, schwarzer Humor. „Rage 2“ macht in der Anspielsession mit einer weitläufig-offenen Welt voller Aufgaben, rabiat-wuchtigen Schießereien und coolen Fähigkeiten bereits eine gute Figur. Auch die schrägen Charaktere und das stylische Endzeit-Design wissen zu gefallen. Wenn das fertige Spiel hält, was die Demo verspricht, könnte hier was Großes auf uns zukommen.