Kaum ein Entwickler versteht es so gut, eine spannende Story mit tiefgründigen Charakteren sowie fulminanter Action zu verschmelzen, wie die Macher von Max Payne und Alan Wake. Da einem Videospiel aber nun einmal zwangsläufig dramaturgische Grenzen gesetzt sind, ging man im Hause Remedy für das neueste Xbox-One-exklusive Werk Quantum Break erzählerisch noch einen Schritt weiter.

Darum geht's:
Bei Quantum Break handelt es sich zum einen um einen Third-Person-Shooter mit Zeitmanipulationsfähigkeiten und zum anderen um eine waschechte Serie im TV-Format. In der Praxis bedeutet dies, dass man nach jedem der fünf zu spielenden Kapitel das Pad für gut 22 Minuten beiseitelegt, um dabei zuzuschauen, wie die aktuelle Episode den Story-Faden weiterspinnt. Das mag zunächst etwas anstrengend klingen, kommt aber der ambitionierten Geschichte rund um das Thema Zeitreisen sehr zugute.
Haltet ihr das Pad dann wieder in der Hand, spielt ihr Jack Joyce. Einen Mann, der in seinen Heimatort Riverport zurückkehrt, um einen langjährigen Freund bei einem Experiment zu unterstützen. Wie es bei Zeitmaschinen so üblich ist, geht jedoch alles schief und ihr findet euch mit zeitmanipulativen Fähigkeiten ausgestattet in einer Welt wieder, deren Raumzeit verrückt spielt. Als wäre das nicht schon schräg genug, macht euer Kumpel als Kopf eines militanten Unternehmens namens Monarch Solutions außerdem plötzlich Jagd auf euch. Mehr zur wendungsreichen Story sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten.

Das ist gut:
Zur Serie: Dank hochkarätiger Charakterköpfe wie Shawn Ashmore (X-Men), Dominic Monaghan (Lost) oder Aidan Gillen (Game of Thrones) müssen sich die eigens für das Spiel produzierten Episoden wahrlich nicht verstecken. Wer auch nur ansatzweise etwas mit Serien anfangen kann, wird sich auch in Quantum Break verlieren. Interessant ist dabei der Kniff, im Gegensatz zu den Spielsequenzen hier die Geschichte aus der Sicht der Antagonisten zu beleuchten. Die Bösewichte sind somit deutlich mehr als stumpfe Endgegner mit zwielichtigen Motiven. Des Weiteren beeinflusst ihr mit euren Entscheidungen am Ende eines jeden Spielkapitels den weiteren Verlauf der Geschichte. Doch wir nehmen hier einfach schon mal vorweg: Die Auswirkungen sind marginal! Letztlich fährt die Story wie auf Schienen immer in den gleichen Bahnhof ein.

Zum Spiel: Zwar darf man natürlich nicht erwarten, dass die Spielszenen optisch mit den Realfilm-Sequenzen mithalten können, aber die Grafik ist trotzdem äußerst ansehnlich. Zudem hat es Remedy einfach drauf, spektakuläre Schießereien zu inszenieren. Zückt ihr die Waffe, könnt ihr euch auf ein Effektgewitter einstellen, das sich gewaschen hat. Neben den genreüblichen Schießeisen stehen euch nämlich noch sechs Fähigkeiten zur Verfügung, mit denen ihr die Zeit zu euren Gunsten beeinflussen könnt. Mit Hilfe des Zeitblicks markiert ihr zum Beispiel Munitionskisten und Gegner, während ihr letztere dank des Zeitstoppers einfrieren und ganz bequem durchsieben könnt. Im Zusammenspiel ergeben sich so mit zunehmender Spieldauer immer dynamischere Shootouts, welche von ruhigen Geschicklichkeits- und kleinen Rätselpassagen durchsetzt sind.

Das ist schlecht:
Während die Story für einige Überraschungen gut ist, wirken sie Spielszenen durch ihre stete Gleichförmigkeit im direkten Gegensatz fast schon generisch. Immer wieder folgt ihr den gleichen Abläufen, bis es am Ende dann zwangsläufig zu einer Entscheidung kommt, die sich kaum auf den weiteren Verlauf der Geschichte auswirkt. Dazu ist das automatische Deckungssystem äußerst gewöhnungsbedürftig. Erst recht, wenn ihr zuvor Games gezockt habt, in denen man (wie es sich gehört) via Knopfdruck Schutz sucht und auch blind feuern darf. Macht aber eigentlich nichts, da euch die Schießereien eh kaum fordern. Jack ist schlicht und einfach zu mächtig und die KI zu defensiv. Zwar zieht die Schwierigkeit zum Ende hin etwas an, versierte Ballermänner steigen jedoch besser gleich hoch ein. Nach gut acht bis zehn Stunden ist der Spaß außerdem viel zu schnell vorbei. Vor allem wenn man bedenkt, dass man einen großen Teil dieser Zeit damit verbracht hat, passiv zuzuschauen und langatmige Dokumente zu wälzen, die man zuhauf in den Levels findet. Na ja, und über das eine oder andere inhaltliche Logikloch werdet ihr einfach mal  hinwegsehen müssen. Es geht schließlich um Zeitreisen!

Krachiger Shooter trifft auf gut gemachte Serie. Das neueste Werk der Max- Payne-Macher überzeugt erzählerisch durch eine tiefgründige Story mit vielschichtigen Charakteren und unterhält auch spielerisch mit wuchtigen Schießereien und spaßigen Zeitmanipulationen. Wer allerdings keinen Bock darauf hat, das Pad immer wieder aus der Hand legen zu müssen, der ist bei Quantum Break eindeutig falsch!