Wer seine Projekte via Crowdfunding finanziert, genießt eine Menge Freiheiten. Ein großer Anreiz insbesondere für kreative Spielemacher, die sich nicht von den Vorgaben engstirniger Publisher einschränken lassen wollen. Das dachten sich auch die Mannen von den Slightly Mad Studios und kratzten mal eben satte 3,8 Millionen Euro zusammen, um ihre Vision eines perfekten Rennspieles umzusetzen.

Darum geht's:

Project Cars versteht sich als eine reinrassige Simulation des Motorsports und fährt damit durch die gleiche Gasse wie ein Gran Turismo oder auch Forza. Mit insgesamt 80 Vehikeln aus 8 verschiedenen Klassen donnert ihr an 31 Locations über insgesamt 110 Streckenvarianten, die von detailgetreuen Nachbauten wie dem obligatorischen Nürburgring bis hin zu verträumten Fantasiekursen an der Küste von Kalifornien reichen. Das Besondere ist dabei, dass ihr jede Rennsportklasse, Strecke und sämtliche Autos von Anfang an frei anwählen könnt, ohne dafür im Vorfeld irgendeine spielerische Leistung erbracht zu haben. Das lässt den bei Zockern besonders ausgeprägten Bereich des Gehirns, welcher für das Belohnungsprinzip verantwortlich ist, zwar etwas unstimuliert zurück, ist aber ein erfrischend anderer Ansatz und ein klares Alleinstellungsmerkmal gegenüber den anderen genannten Titeln.

Das ist gut:

Die Umsetzung eines glaubwürdigen Fahrgefühles ist den britischen Entwicklern mit Bravour gelungen. Besonders deutlich werden die Unterschiede in der Fahrphysik, wenn ihr eure Rennfahrerkarriere in den kleinen wendigen Karts beginnt und dann in einen Supersportwagen einsteigt. Jedes Fahrzeug hat individuelle Eigenschaften auf die Karosse geschneidert bekommen, die wir in der Realität zwar nicht anhand der Originale testen konnten, doch wir haben da so eine Ahnung, dass Project Cars äußerst nah am wirklichen Fahrgefühl dran ist.
Wem das indes zu krass ist, der kann in den Optionen aus den Vollen schöpfen, die äußerst gelungene KI auf ein Minimum herunterschrauben, oder sämtliche gängigen Fahrhilfen aktivieren. Auch dann verkommt Project Cars nicht zum Arcade-Racer, doch es wird für Laien deutlich zugänglicher. Profis dagegen erfreuen sich an umfangreichen Tuningoptionen, um auch noch das letzte Quäntchen Speed aus den Motoren zu kitzeln. Um in den Rennen die Chancen auf einen Sieg zu erhöhen, könnt ihr sogar die Boxenstopps im Vorfeld planen und eine auf das Rennen abgestimmte Strategie festlegen. Eine Runde oder gleich fünfzig? Eure Wahl. Dynamisches Wetter, Tageszeitenwechsel und Schadensmodell? Kein Problem, wenn ihr mögt.
Und nun kommt's: Das Ganze sieht dabei echt geil aus. Autos, Strecken, Partikel- und Wettereffekte sind erste Sahne, und besonders in der dynamischen Ego-Helmperspektive, am besten noch mit Force-Feedback-Lenkrad, spürt ihr den Asphalt unter eurem Hintern so richtig brennen!

Das ist schlecht:

Leider werden die versprochenen 60 Bilder pro Sekunde nicht immer erreicht und auch das Bild zerreißt in hektischen Situationen gerne mal. Besonders wenn sich 20 Fahrzeuge gleichzeitig durch eine Kurve zu drängeln versuchen, hat der Grafikmotor schon mal spürbar Sand im Getriebe. All das mag man dem Spiel angesichts seiner vielen Stärken gerne verzeihen, doch bei allem Simulationsanspruch, hätte man zumindest die Karriere dann doch gerne etwas aufregender gestalten können. Sich durch trockene Menüs zu klicken ist nun einmal wenig befriedigend.

Wer sich Project Cars ins Haus holt, bekommt eine äußerst akkurate und dabei nicht minder schicke Umsetzung des Motorsports, die mit vollem Tempo in die Boxengasse der bisherigen Genregrößen einfährt. Abseits der Rennen darf man zwar kein großes Brimborium erwarten, aber das stört schließlich niemanden, der eins mit seinem Auto ist! Fest steht: Nie war eine Simulation näher dran am echten Rennsport!