Im Reigen der großen Rennspiele geht Project Cars 2 in diesem Jahr vor seinen Konkurrenten Forza Motorsport 7 und Gran Turismo Sport an den Start. Wir haben uns auf die Strecke gewagt und verraten euch, ob die noch junge Rennserie ihren Vorsprung zu nutzen weiß.

Darum geht’s:

Im Gegensatz zu den oben genannten Rivalen ist Project Cars fast noch ein Kind. Im Jahr 2015 debütierte der erste Teil, der dank einer Crowdfunding-Kampagne zur Welt gebracht worden war. Das ausgeschriebene Ziel bestand darin, ein Rennspiel ohne Nippes und Gebimsel zu realisieren, quasi ein Konzentrat dessen, was den Motorsport ausmacht. Und die Macher sollten liefern. Zwar konnte man die Konkurrenz nicht in allen Belangen abhängen, doch Presse und Publikum zeigten sich so angetan, dass über einen Nachfolger nicht lange diskutiert werden musste. Und da ist er nun: Project Cars 2! Eine Rennspiel-Simulation, welche sich wie keine zweite dem puren Realismus verschrieben hat.

Das ist gut:

Project Cars 2 macht keinen Hehl daraus, sich an eingeschworene Rennsport-Enthusiasten zu richten. Und für eben jene ist das Spiel ein wahrgewordener Traum. Das fängt mit der für Laien schier unüberschaubaren Vielzahl an möglichen Setup-Einstellungen für die Boliden an und hört mit den satten 60 Rennstrecken in über 130 Varianten noch lange nicht auf. Zwar ist der Fuhrpark mit „gerade mal“ 180 Rennsemmeln nicht ganz so vollgestellt wie bei der Konkurrenz (Forza 7 protzt immerhin mit über 700 Fahrzeugen!), dafür dürft ihr aber in ganzen neun verschiedenen Renndisziplinen antreten.

Da ihr von Anfang an eure Karriere in jeder Disziplin mit jedem Wagen starten dürft (lediglich die zwei höchsten Klassen sind zunächst gesperrt), steht es euch frei, ob ihr den ersten Teil des langen Weges zur Spitze in einem Kart hinter euch bringt, oder ob ihr euch gleich an die Klassen für die großen Jungs wagt.

Hüben wie drüben verblüfft das realistische Fahrgefühl, welches sogar Faktoren wie die Temperatur der Reifen oder das erhöhte Gewicht durch einen vollen Tank simuliert. Dabei steuert sich jede Kiste spürbar anders. Schadensmodell, dynamische Tageszeitenwechsel und eine Vielzahl verschiedener Witterungsbedingten tun ihr übriges. Letztere können sich bis zu vier Mal pro Rennen ändern, so dass es durchaus mal passiert, dass ihr ein Rennen bei strahlendem Sonnenschein beginnt, bei untergehender Sonne gegen sich im Regen bildende Pfützen und Aquaplaning kämpft und während eines nächtlichen Blizzards ins Ziel einfahrt.

Das Ganze ist dabei so anspruchsvoll, wie es klingt. Anfänger sollte sich davon jedoch nicht abschrecken lassen, da sich der Schwierigkeitsgrad dank diverser Optionen nötigenfalls radikal justieren lässt. Sogar ein Techniker ist an Bord, der das Setup der Wagen nach unseren Wünschen automatisch vornimmt. Echte Cracks pfeifen aber darauf, schalten sämtliche Fahrhilfen ab, klemmen das Lenkrad an und fahren dank stark verbesserter Force-Feedback-Effekte und fettem Sound dem siebten Rennspiel-Himmel entgegen.

Das ist schlecht:

Angesichts der detailliert gestalteten Fahrzeuge, wird es dem Spiel nicht gerecht, die Grafik erst in der „schlecht“-Rubrik aufzugreifen. Allerdings muss bemängelt werden, dass in dieser Hinsicht seit dem Erstling nicht allzu viel passiert ist. Die Strecken wirken nach wie vor arg steril, hier und dort mangelt es Texturen an Schärfe, es kommt immer wieder zu unschönen Pop-ups und flackernde Schatten wirken auch nicht unbedingt realistisch.

Angesichts der gebotenen Qualität und des schieren Umfangs verzeihen wir derlei Schwächen gerne. Dass man es aber abermals verpasst hat, eine Karriere zu implementieren, deren Präsentation über das Bewerbungsschreiben eines Buchhalters hinausgeht, finden wir richtig ärgerlich. Immerhin ist diese schon im Erstling knochentrocken ausgefallen und zählte damit zu den größten Kritikpunkten.

Ach ja, und spendiert uns doch bitte beim nächsten Mal noch eine optionale Rückspulfunktion. Realismus hin oder her, wir finden, eine solche gehört heutzutage zum guten Ton.

"Project Cars 2" ist ab dem 22.09.2017 für Playtation 4, Xbox One und PC erhältlich!

Mehr Simulation als Spiel. Kaum ein anderer Raser bildet realistisches Fahrverhalten so akkurat ab wie Project Cars 2, welches dazu noch mit großem Umfang glänzt. Autonarren werden unzählige lustvolle Stunden in den umfangreichen Setup-Menüs verbringen, um immer bessere Rundenzeiten herauszuholen. Anfänger lassen sich dank diverser Fahrhilfen von dem Spiel unter die Arme greifen. Trotz schicker Wettereffekte wirkt die Optik jedoch arg nüchtern und auch die Karriere präsentiert sich trocken wie ein Stück Zwieback in der Wüste.