Mit dem anno 2006  für Xbox 360 und PC erschienenen Ausnahme-Shooter „Prey“, hatte die von den Arkane Studios entwickelte Fortsetzung aus dem Jahr 2017 freilich nicht mehr allzu viel gemeinsam. Verblüffenderweise störte das aber überhaupt nicht, denn „Prey“ war spielerisch und inhaltlich so gelungen, dass nur wenig Raum für Kritik blieb. Mit dem ersten DLC „Mooncrash“ machen die Entwickler nun abermals alles anders und krempeln das Spielprinzip gehörig um.

Darum geht’s:

Diesmal seid ihr nicht als Mitarbeiter des Unternehmens TransStar auf der Raumstation Talos I unterwegs, sondern hockt im Auftrag der weit weniger gut ausgestatteten Konkurrenz Kasma Corp in einer Raumkapsel, die im Orbit des Mondes schwebt. Auf jenem betreibt TransStar nämlich eine Basis, die wie schon zuvor die Talos I von den Mimics, einer invasiven und äußerst wandlungsfähigen Alien-Rasse, überrannt wurde. Eure Aufgabe ist es nun, die ergaunerten Daten zu den Erinnerungen einer Handvoll Mitarbeiter innerhalb einer Simulation nachzuerleben, um herauszufinden, was genau auf der Mondbasis Pytheas geschehen ist. Das Ganze gestaltet sich jedoch aus diversen Gründen als äußerst knifflige Angelegenheit.

Das ist gut:

Zu Beginn steht euch lediglich eine der insgesamt fünf Figuren zur Verfügung. Mit so gut wie keinen Fähigkeiten und ohne Waffen startet ihr eure erste Erkundung, und werdet mit ziemlicher Sicherheit früher oder später den gut getarnten Mimics zum Opfer fallen. Aber kein Problem: Die Simulation startet nämlich immer wieder einfach neu, bis es euch schließlich gelungen ist, von der Mondbasis zu fliehen, und ihr die nächste Figur freischaltet, die das gleiche Ziel verfolgt.

Der Clou dabei ist, dass die Taten der vorherigen Figuren in der Simulation erhalten bleiben. Soll heißen, dass erledigte Gegner zwar (vorerst) tot bleiben, jedoch auch gesammelte Waffen und Items fort sind. Da jeder Charakter jedoch üblicherweise einen anderen Bereich der Basis erkundet, lässt sich dies verschmerzen. Erst wenn alle eure Alter Egos tot sind, werden die Karten neu gemischt, Waffen, Gegner und Hindernisse neu verteilt. Der Aufbau der Basis bleibt indes stets der gleiche.

Das Ziel ist also, erst alle fünf Figuren freizuschalten und diese dann in einem einzigen Durchlauf von Pytheas zu retten. Das erfordert jedoch Wege der Zusammenarbeit, die ihr im Zuge vieler Durchläufe erst einmal erknobeln müsst. Damit das gelingen kann, sammelt ihr durch das Erfüllen von diversen Nebenzielen Punkte, die ihr vor dem Neustart in bessere Ausrüstung investiert. 

Auch gefundene Blaupausen und verbesserte Fähigkeiten bleiben stets erhalten, so dass ihr jeden neuen Durchlauf ein wenig stärker als zuvor angeht. Doch Obacht: Die Ausrüstung von Kasma Corp ist wie gesagt nicht die beste. Je länger ihr in der Simulation verweilt, desto korrumpierter wird diese, was sich darin äußert, dass immer stärkere Gegner spawnen.

Optisch hat sich im Vergleich zum Hauptspiel – welches ihr zum Daddeln von „Mooncrash“ übrigens zwingend benötigt – nicht allzu viel getan. Angesicht der grafischen Qualitäten von „Prey“ ist das jedoch keine Schande, zumal speziell die Außenareale viel Schauwert bieten.

Das ist schlecht:

Allerdings hat man sich dagegen an den immer gleichen Gängen innerhalb der Mondbasis schnell sattgesehen, die einen dezent generischen Eindruck hinterlassen. Dies ist sicherlich nicht zuletzt den bei jedem neuen Durchlauf veränderten Umständen in einer ansonsten statischen Umgebung geschuldet, womit der „Mooncrash“-DLC im Prinzip dem Genre der Roguelikes zuzuordnen ist.

Ob die stete Wiederholung des immer gleichen Szenarios als motivierend oder frustrierend empfunden wird, hängt letztlich von den persönlichen Präferenzen des Spielers ab. Wer sich darauf einlassen kann, wird viel Spaß mit dem Add-on haben. Wer jedoch einfach mehr FPS-Action-Adventure im Stile des Hauptspiels erwartet, dürfte von „Mooncrash“ enttäuscht sein.

Zwar wird auch hier ordentlich, wenn nicht sogar noch mehr geballert, doch in Sachen Story bleibt der DLC weit hinter den Qualitäten des Hauptspieles zurück. Jeder der fünf Charaktere hat seinen eigenen kleinen Erzählstrang spendiert bekommen, das Ganze fällt jedoch so oberflächlich aus, dass man die Geschichte rasch wieder vergessen hat.

„Mooncrash“ ist ab sofort als DLC in Verbindung mit dem Hauptspiel „Prey“ für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.

„Mooncrash“ unterstreicht, wie ungern die Macher von „Prey“ auf ausgelatschten Pfaden wandeln, und krempelt die Prämisse des Hauptspiels einfach mal komplett um. Das stete Wiederholen eines sich immer wieder verändernden Szenarios mit beständig stärker werdenden Charakteren ist eine spaßige und motivierende Angelegenheit. Wer jedoch auf mehr „klassisches“ „Prey“-Feeling hofft, wird von dem DLC vermutlich enttäuscht sein.