Happy Birthday, Pro Evolution Soccer. Mensch, jetzt bist du schon 20 Jahre alt. Und damit glücklicherweise wohl endlich aus der Pubertät raus. Hast eine Menge Mist gemacht zwischenzeitlich, dabei warst du mit sechs doch so ein tolles Kind. Aber hey, solange man seine Fehler einsieht, ist noch nichts verloren. Und jetzt schau dich an, was aus dir geworden ist. Junge, wir sind stolz auf dich!

Darum geht's:

Nachdem der Sprung auf die Next-Gen-Konsolen mit dem Vorgänger PES 15 durchaus als gelungen bezeichnet werden konnte, hat sich Konami für seinen diesjährigen Fußballzirkus im Wesentlichen der Feinarbeit gewidmet. Wie gehabt dürft ihr Einzelmatches angehen, ganze Liga- oder Turnierwettbewerbe spielen, oder im beliebten Meister-Liga-Modus antreten, um nach und nach eure eigene Mannschaft aufzubauen. Auch der „Werde-zur-Legende“-Modus, in welchem ihr euch auf den Werdegang eines einzelnen Spielers konzentriert, ist wieder mit an Bord. Rasenlegasthenikern hilft der gewohnt gute Trainingsmodus und natürlich dürft ihr auch online ran, was wir jedoch zum Zeitpunkt unseres Tests noch nicht ausprobieren konnten. So weit, so überraschungsarm. Warum also PES, wenn es Fifa gibt?

Das ist gut:

Weil sich PES 16 nicht schlechter spielt. Womöglich sogar einen Tick besser. Die herrlich direkte Steuerung ist insbesondere nach den minimalen Verzögerungen der Vorgänger eine Offenbarung und erlaubt in Verbindung mit der klar verbesserten Mitspieler- und Gegner-KI ein wunderbar offensives Spielerlebnis. Ein erweitertes Repertoire an Möglichkeiten macht insbesondere die Zweikämpfe so spannend wie nie, und dank des überarbeiteten Passsystems zaubert ihr ohne Probleme und intuitiv Kombinationen auf den Platz, die jeden Trainer stolz machen würden.
Dazu bestaunen wir immer wieder die fantastischen Animationen der Spieler, die mit vielen Details gespickt derart nahtlos ineinander übergehen, dass man zuweilen vergisst, es mit einem Videospiel zu tun zu haben.
Glücklicherweise wurden auch die trockenen Statistiken des Meister-Liga-Modus entsorgt, und durch ein frisches und übersichtliches Menü ersetzt. Dazu dürft ihr euren Schützlingen durch gezieltes Training nun gewisse Rollen zuweisen, die sich positiv auf das gesamte Team auswirken. Ein Starspieler spült euch beispielsweise mehr Geld in die Kasse, während ein „Maestro“ jüngere Spieler schneller aufsteigen lässt.

Das ist schlecht:

Man kann den Mannen von Konami zwar keinen Vorwurf machen, doch das Flickwerk der Lizenzen ist wie immer ein Ärgernis. So manche Liga europäischer Nachbarn ist komplett dabei, andere wiederum nur gestückelt. Auch zur Einbindung der Champions- und Europa-League hat es offenbar nicht gereicht, um Mannschaften wie Augsburg, Dortmund oder Schalke auflaufen zu lassen. Dafür dürfen wir mit den Bayern, Mönchengladbach, Wolfsburg und unserer original Nationalelf ran. Immerhin, doch der Lizenzpunkt geht wie immer klar an EA.
Na ja, und der Kommentatorenwechsel hat dem Spiel auch nicht unbedingt gutgetan. Hansi Küpper und Marco Hagemann neigen nämlich dazu, ein anderes Spiel zu kommentieren, als auf dem Rasen stattfindet, oder klingen, als starrten sie emotionslos auf ein Blatt Papier, welches man ihnen zum Ablesen in die Hand gedrückt hat.

Gleichstand! Pro Evolution Soccer trifft mit einem fantastischen Gameplay voll ins Schwarze, und schließt damit zum Genreprimus FIFA auf. Leider kommen die herrlich animierten Spieler abermals auf dem Lizenz-Flickenteppich ins Straucheln.