Westlich geprägte Rollenspiele haben sich spielerisch und stilistisch derart weit von Japanischen Genrevertretern entfernt, dass man für letztere mittlerweile die Bezeichnung „JRPG“ (Japanese role-playing game) eingeführt hat. Und das ist auch gut so, denn wer nur Rollenspiele im Stile eines 'Dark Souls' kennt, wird ohne Vorwarnung beim Anspielen eines vergleichbaren Titels östlicher Designprägung vermutlich einen derben Kulturschock erleiden. Das heißt natürlich nicht, dass JRPG's etwas Schlechtes sind. Ganz im Gegenteil, wie das im Folgenden getestete 'Persona 5' äußerst eindrucksvoll beweist. Man sollte halt nur im Vorfeld wissen, ob man mit dem Stil zurechtkommt. Wer mit Animes nämlich so gar nichts anfangen kann, der braucht hier gar nicht weiterlesen. Alle anderen freuen sich dafür wortwörtlich „diebisch“ auf den Test eines der besten JRPGs aller Zeiten!

Darum geht's:

Persona-typisch erwarten euch auch in Teil 5 klassische rundenbasierte Kämpfe gegen allerlei Dämonen in einer finsteren Parallelwelt, während es auf der anderen Seite gilt, seinen Alltag als Schüler im gegenwärtigen Tokio zu wuppen. Dazu gehört nicht nur, dass ihr beispielsweise während des Unterrichtes diverse Fragen beantworten und später sogar ganze Examenswochen durchleben müsst, sondern auch das Pflegen sozialer Kontakte. Letzterem kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als das ihr dadurch auch die namensgebenden Personas stärkt, welche euch im Kampf mit mächtigen Attacken und Elementarzauber zur Seite stehen.

Klingt zunächst nach einem schrägen inhaltlichen Mix, im Spiel selber sind sämtliche Elemente jedoch sauber miteinander verzahnt und sinnvoll in die Story eingebettet. Im Zuge dieser wird euer frei zu benennender Protagonist wegen einer angeblichen Körperverletzung in die Obhut eines Bekannten der Familie gestellt und zudem auch noch an eine neue Schule zwangsversetzt. Es dauert nicht lange und ihr macht neben neuen Bekanntschaften auch euren ersten unfreiwilligen Ausflug in das sogenannte "Metaverse", ein pervertiertes Abbild der Realität, in welchem sich die Begierden sündhafter Menschen manifestieren.

Praktischerweise kann man dort gegen eben jene Lasterhaftigkeit im Kampf antreten und im Falle eines Sieges die Gesinnung eines bösen Menschen zum Positiven hin verändern. Da wir natürlich zu den Guten gehören, liegt der Gedanke nahe, auf diese Art und Weise die Welt zu verbessern. Und so gründet ihr gemeinsam mit eurem rebellischen Kumpel Ryuji und der katzenhaften Begleitung Morgana die „Phantom Thieves“! Eine kleine Gruppe, die rasch an Mitgliedern und Popularität gewinnt.

Das ist gut:

Das erste was einem beim Spielen von 'Persona 5' ins Auge sticht, ist die enorm ausgefeilte Präsentation, die vom Titelbildschirm bis in den hintersten Menüpunkt einfach nur stylisch ausfällt. Von einem derart lässigen Design können sich die zuweilen arg statischen Konkurrenten gerne mal ein Scheibchen abschneiden. Ebenso von den vielen Komfortmöglichkeiten in den Kämpfen, die dem üblicherweise eher trockenen rundenbasierten Konzept eine erstaunliche Dynamik verleihen.

Nehmen wir als Beispiel die Elementanfälligkeit der Gegner: Attackiert ihr gezielt deren Schwachpunkt, erhaltet ihr sofort einen weiteren Angriff, der im Idealfall auf eine Schwäche abzielt, damit ihr abermals zuschlagen dürft und so weiter und so fort. Wisst ihr bereits, ob ein Gegner empfindlich auf Feuer, Eis oder gar Fernangriffe eurer Knarren reagiert, reicht ein Knopfdruck und das Spiel sucht euch die passende Fähigkeit raus. Habt ihr die passende Fähigkeit nicht im Repertoire, lasst ihr ein Mitglied eurer Party für euch angreifen, welches die passende Attacke im Gepäck hat. Gelingt es auch auf diese Art und Weise, sämtliche Gegner niederzuschlagen, dürft ihr mit euren Feinden verhandeln, um Geld oder Items aus diesen herauszupressen, oder sie als neue Persona auf eure Seite zu ziehen.

Damit diese stärker werden, dürft ihr im serientypischen Velvet-Room (diesmal ein Gefängnis) Personas miteinander fusionieren und widmet ihr euch außerhalb der Dungeons des Metaverse einer Vielzahl an Beschäftigungen, über welche ihr eine oder gar mehrere eure diversen sozialen Fähigkeiten steigern könnt. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf eure Kampfkraft aus, eure attraktive Mitstreiterin Ann könnt ihr zum Beispiel erst zu einem Date einladen, wenn ihr die nötige Courage habt.

Doch Vorsicht: Eure Zeit ist begrenzt und will wohlweislich genutzt werden. Verbringt ihr den Abend lieber mit Krafttraining, oder besucht ihr doch besser nochmal die schräge Punk-Rock-Ärztin, die Medikamente an euch testet? Oder doch lieber ein Nebenziel in den zufallsgenerierten Memento-Dungeons erlegen, um Items und Geld abzustauben? Man könnte auch im Blumenladen arbeiten und auf dem Weg dorthin gleich mal die DVD abgeben, die man sich ausgeliehen hat. Andererseits hat der Laden in der Shibuya-Station nur am Sonntag diese Getränke im Angebot, mit denen ihr …

Ihr seht: Das Leben eines Teenagers ist nicht leicht!

Das ist schlecht:

Das größte Problem von Persona 5 – und der Grund, weshalb die Reihe hierzulande bis auf weiteres nicht die verdiente Popularität erlangen wird – ist die fehlende Eindeutschung. Wer nicht zumindest über ausreichendes Schulenglisch verfügt, versteht kaum etwas. Zwar wird man auch so sein Ziel erreichen, da einen der Titel an die Hand nimmt, glücklich wird man bei einem Rollenspiel, in welchem extrem viel gequatscht wird, so aber nicht.

Tatsächlich kann einem das ewige Auswalzen der vielen im Spiel behandelten Themen und Probleme ermüden. Wir haben uns immer wieder dabei ertappt, wie wir uns einfach nur zurück in ein Dungeon gewünscht haben, um Gegner zu vermoppen, anstatt dasitzen zu müssen und sich ausufernd erklären zu lassen, wer was warum denkt. Über mangelnde Charaktertiefe lässt sich bei Persona 5 wahrlich nicht klagen, aber wer nicht gerne liest, den haben wir hiermit gewarnt. Die meisten Dialoge lassen sich zwar vorspulen, dann entgeht euch jedoch die spannende Handlung mit vielen sympathischen Charakteren, überraschenden Twists und Anime-Sequenzen, die genauso auch im Fernsehen zu sehen sein könnten.

Nervig empfanden wir, dass man im Zuge der Story immer wieder von morgens bis abends an die Leine genommen wird, obwohl man doch noch so viel machen wollte. Und wenn es mal wieder „Ab ins Bett!“ hieß, wurden wir teilweise richtig sauer.

Aber wie gesagt: Das Leben eines Teenagers ist nicht leicht!

Persona 5 ist ab sofort für Playstation 4 und Playstation 3 erhältlich!

Persona 5 hat unser Herz gestohlen! Wer auch nur ein wenig mit JRPGs anfangen kann, über ausreichende Englischkenntnisse und viel Zeit verfügt, wird sich der enormen Sogwirkung dieses Ausnahmetitels kaum erwehren können. Die sympathischen Charaktere, die vielschichtige Story, das ausgefeilte Gameplay und die stylische Präsentation machen Teil 5 nicht nur zum besten Persona aller Zeiten, sondern auch zur neuen Genre-Referenz!