Das ist gut/schlecht:

„Onimusha: Warlords“ entstand unter der Federführung des Altmeisters Keiji Inafune, was damals wie heute als Qualitätsmerkmal verstanden werden darf. Das Spieldesign mag aus heutiger Sicht retro sein, macht aber mit seinen Burgen, Kerkern und düsteren Wäldern immer noch ordentlich Stimmung. Auf der einen Seite ihr, mit diversen Schwertern in der Hand, auf der anderen Seite mit Keulen, Shurikens oder Tentakeln bewaffnete Monstrositäten, die bei ihrem Ableben Orbs für euch hinterlassen. Diese müsst ihr mit einem speziellen Handschuh flott aufsaugen, bevor sie verschwinden, um magische sowie Lebensenergie aufzufüllen.

Kenner des Originals bemerken, dass die Hintergründe hinsichtlich der Auflösung hochskaliert und zwecks der Anpassung ans moderne 16:9-Format an den Rändern abgeschnitten wurden. Die Charaktermodelle wurden indes neu erstellt, die Animationen überarbeitet und der Soundtrack sowie die englische Tonspur neu aufgenommen. Neben der stets problembehafteten Panzer-Steuerung auf dem Digikreuz (mit Links und Rechts dreht ihr die Figur, der Druck nach oben lässt sie in die entsprechenden Blickrichtung voranschreiten), steht via Stick ohne großes Umstellen jederzeit eine moderne Steuerungsvariante zur Verfügung.

Und so wissen die Kämpfe durchaus auch heute noch zu gefallen. Ihr nehmt eure Gegner in den Fokus, umtänzelt sie, blockt oder weicht harten Attacken mit einem Sprung nach hinten aus. In der Haut der in einigen wenigen Sequenzen spielbaren Ninja-Lady Kaede könnt ihr Feinde zudem elegant von hinten meucheln. Dummerweise können das die Gegner gewissermaßen auch, was aber nicht gewollt, sondern auf ein grundsätzliches Problem dieser Ära zurückzuführen ist: die starre Kameraperspektive.

Da ihr die Dämonen vorher weder sehen und hören könnt, passiert es des Öfteren, dass ihr einem solchen beim Wechsel des Bildes direkt in die Tentakel rennt, oder dieser euch gar aus einem anderen Bild heraus attackiert. Erschwerend kommt hinzu, dass ihr euch steuerungstechnisch bei jedem Perspektivwechsel neu orientieren müsst. Um sich damit zu arrangieren, bedarf es einer gewissen Frustresistenz. Der neue leichte Schwierigkeitsgrad schafft da bei Bedarf aber etwas Abhilfe.

Unterm Strich ist „Onimusha: Warlords“ fraglos ein tolles Spiel mit einer spannenden Atmosphäre, welches es verdient hat, abermals gezockt oder nachgeholt zu werden. In Zeiten aufwändiger Remakes von Schlage eines „Shadow of the Colossus“ oder gar des kommenden hauseigenen „Resident Evil 2“ enttäuscht der geringe Aufwand, den man sich mit der Neuauflage gemacht hat, dann aber doch. Letzten Endes hat man die alten Kleider nur gewaschen, anstatt diesen Klassiker mit frischen Klamotten für die Neuzeit fit zu machen.

Entsprechend altbacken sieht der Titel dann eben aus – HD hin, HD her – und wird daher wohl nur Zocker mit Retro-Faible erreichen. Schade drum, hier wäre deutlich mehr drin gewesen! Nicht mal die zusätzlichen Attacken, Kostüme, Bosse und Areale der erweiterten Xbox-Fassung sind dabei, um die schon damals schon arg knapp bemessene Spielzeit etwas zu strecken. Profis sind in einer Handvoll Stunden durch.

„Onimusha: Warlords“ ist für Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC erhältlich.

Damals wie heute fraglos ein äußerst spielenswerter Klassiker mit dichter Atmosphäre, spannendem Leveldesign und herrlich schauderhaften Dämonen. Hinsichtlich der Technik und des Gameplays man sich bei der Neuauflage von „Onimusha: Warlords“ jedoch auf das Nötigste beschränkt und damit leider die Chance verpasst, das Spiel auch auf modernen Kisten zu einem Hit zu machen.