Das ist gut:

Zu Beginn habt ihr die Wahl, mit welchem der acht Charaktere ihr starten wollt, erlebt das erste Kapitel dieser Figur und macht euch dann auf in die große weite Pixelwelt. Zwar seht ihr auf der Map, wo das zweite Kapitel stattfinden wird, doch mit Blick auf das empfohlene Level wird schnell klar, dass es dafür noch etwas zu früh ist. Also begebt ihr euch stattdessen in die nächste Stadt, wo ihr auf die nächste Figur trefft und deren Geschichte startet, bis ihr schließlich alle acht Helden in eurer Gruppe versammelt habt.

Jede der Figuren hat individuelle Fähigkeiten, die nicht bloß im Kampf zum Einsatz kommen, sondern auch Interaktionen mit den NPCs erlauben. Händlerin Tressa erwirbt so nützliche Gegenstände, die es in den Läden nicht gibt, Ritter Olberic fordert die Stadtbewohner zum Duell, Tänzerin Primrose nutzt ihre Verführungskünste, damit die Menschen ihr folgen und der Apothekler Alfyn holt wertvolle Erkundigungen ein. Auf diese Art und Weise lassen sich dann auch viele der zahlreichen Nebenquests gewaltfrei lösen, aber spätestens, wenn ihr die sicheren Mauern verlasst, werdet ihr die Waffen zücken müssen.

In den recht gradlinigen Arealen kommt es in moderater Frequenz immer wieder zu Zufallsbegegnungen mit den Feinden. Dann wird herrlich altmodisch in einen speziellen Kampfbildschirm umgeblendet, in dem sich Held und Gegner gegenüberstehen. Der Clou bei den Kämpfen ist nun die sogenannte Bruch-Mechanik: Jeder Gegner ist gegen spezielle Waffengattungen (Schwert, Axt, Bogen, Dolch, Stab und Speer) und/oder Elementmagie (Feuer, Eis, Wind, Blitz, Dunkel, und Licht) allergisch. Greift ihr diese Schwächen gezielt an, senkt ihr damit auch den Wert eines Schildes um einen Punkt, bis dieser bei Null schließlich bricht. Der Feind ist dann eine Runde lang wehrlos und eure Angriffe richten deutlich mehr Schaden aus.

Ein weiteres wichtiges Element sind die Boostpoint, von denen euch jede Runde einer gutgeschrieben wird. Investiert ihr davon einen, zwei oder maximal drei in einem Zug, werden eure Attacken nicht nur entsprechend Stärker, ihr greift mit den Waffen auch gleich mehrmals an. Hat der Gegner also noch einen Schildwert von 2, könnt ihr diesen dank der Boostpoints dennoch Brechen. Prügelt ihr mit gepimpten Attacken dann auch noch mehrmals auf betäubte Gegner ein, geht es erst so richtig rund.

Das mag kompliziert klingen, ist im Spiel aber sofort verstanden und verleiht den Kämpfen nicht nur eine gehörige Prise Taktik, sondern macht in der Anwendung und den Abwägungen richtig viel Laune. Zweifelsohne eines der besten Kampfsysteme, das uns in den letzten Jahren in dem Genre serviert wurde.

Gleiches lässt sich über den fantastischen Soundtrack sagen, der die vermeintlich putzige Retro-Optik mit satten Orchesterklängen Lügen straft und stets auf Ort und Situation angepassten Klängen aufwartet, die auch einem „Final Fantasy 15“ gut zu Gesicht gestanden hätten. Gesprochen wird wahlweise in Englisch oder Japanisch, jedoch sind nur die Zwischensequenzen voll vertont. Die charmant in Sprechblasen präsentierten Texte kommen dagegen in gut übersetztem und flüssig zu lesendem Deutsch daher.

Ob der einzigartige Grafikstil auch Zocker abholt, die nicht schon in den 90ern gebannt vor ihrem Röhrenfernseher geklebt haben, wissen wir nicht. Uns jedoch hat diese ungemein stimmungsvolle Mischung aus modernen Effektspielereien und klassischer Pixel-2-D-Optik sofort in ihren Bann gezogen. Zwar übertreibt es Square-Enix hier und da etwas mit der Unschärfe, aber das ist sofort vergessen, wenn man durch glitzernden Schnee stapft oder das schimmernde Meer in der Ferne blendet. Da wird einem glatt warm ums Herz.