Das ist gut/schlecht:

Ihr beobachtet Emma, die alles daran setzt S.A.Ms Funktionen und Befugnisse wiederherzustellen, über die vielen an Bord verteilten Kameras. Benötigt sie eure Hilfe, etwa beim Überbrücken von Schaltkreisen zum Öffnen einer Luke, schwenkt und zoomt ihr auf das entsprechende Kontrollgerät und hackt euch in Form eines Minispieles ins System. Auch eine schwebende Drohne steht es später zur Verfügung, mit deren Hilfe ihr euch frei durch die einzelnen Module der Observation und sogar außerhalb des Schiffes bewegen könnt, um Passworte aufzuspüren oder Laptops und Dokumente auf Upgrades hin zu untersuchen, die ihr fürs Weiterkommen benötigt.

Neben der reinen Sucharbeit stehen vor allem diverse Mini-Spiele an, über welche ihr Kühlsysteme zum Laufen bringt, eure Position im All bestimmt oder Verriegelungen aufhebt. Wie genau das vonstattengeht, müsst ihr allerdings selbst herausfinden. Üblicherweise starten die Rätsel mit einem zunächst kryptisch erscheinenden Anwendungsscreen, dessen Funktionsweise sich euch erst nach und nach durch Herumprobieren und logisches Denken erschließt. Die aktuelle Anweisung von Emma, die sie jederzeit auf eure Bitte hin geduldig wiederholt, gibt euch lediglich grob die Richtung vor, was als Nächstes zu tun ist.

Das bringt es mit sich, dass man oft planlos durch die einzelnen Arme der Raumstation irrt, ohne eine konkrete Ahnung zu haben, was genau man eigentlich tun soll. Da es im All kein oben und unten gibt, habt ihr in der zum Teil recht düsteren Raumstation zudem mit Orientierungsschwierigkeiten zu kämpfen, wenn ihr als schwebende Sphäre unterwegs seid und euch auf der Suche nach dem richtigen Weg frei um die eigene Achse dreht.

Glücklicherweise habt ihr aber stets alle Zeit der Welt. So dringlich einige Aufgaben eigentlich auch sein müssten, ein Zeitlimit gibt es dabei nicht. Zudem kommen diese zuweilen ermüdenden Passagen nicht allzu oft vor, und stellen lediglich einen kleinen Bruch in der ansonsten enorm dichten und vor allem beängstigend glaubwürdigen Atmosphäre dar.

„Observation“ gelingt durch die klug gewählte Perspektive der Kunstgriff, der kühlen mechanischen Distanz zum Geschehen, ein tief empfundenes Gefühl der Empathie für Emma gegenüberzustellen. Immerhin verlässt sich die verzweifelte Wissenschaftlerin auf uns. Zwar ist einem als KI eines Raumschiffes die Macht über Leben und Tod verliehen, dennoch sind wir ein Sklave unserer Hülle und immer wieder auf die Hilfe von außen angewiesen. Und so stellen sich im Zuge des klug aufgebauten Kammerspiels irgendwann zwangsläufig auch philosophische, ethnische und existentielle Fragen. In seinen besten Momenten übt Observation zudem subtilen Horror in bester Found-Footage-Manier aus, der uns in Erwartung eines nicht zu fassenden Grauens die Nackenhaare zu Berge stehen lässt.

Der stimmungsvoll arrangierte Sound, zu dem auch die professionelle englische Synchro (mit deutschen Untertiteln) zu zählen ist, tut sein Übriges, um die klaustrophobische Beklemmung inmitten der Leere des Weltalls perfekt zu machen. Die Grafik weiß, trotz der für heutige Verhältnisse steif anmutenden Mimik und Animationen, mit einer beeindruckend realistischen Darstellung der Raumstation ebenfalls zu gefallen und spielt immer wieder gekonnt mit kameratypischen Störfiltern. Ganz schön großes Kino für ein „kleines“ Indiegame!

Hochspannender Weltraum-Thriller mit beeindruckend dichter Atmosphäre, der sich des Kunstgriffes bedient, euch die KI einer Raumstation steuern zu lassen. „Observation“ erklärt wenig, was hinsichtlich der Rätsel für äußerst interessante und spannende Knobeleinlagen sorgt, im Spielverlauf jedoch auch die eine oder andere ziellose Länge erzeugt. Wer auf klug inszenierte Adventure-Puzzler und klaustrophobischen Grusel im Stil eines „2001: Odyssee im Weltraum“ steht, ist hier aber auf jeden Fall goldrichtig.

„Observation“ ist für Playstation 4 und PC erhältlich.