Mit der Ankündigung ihres bisher ehrgeizigsten Projektes ‘No Man's Sky’ versprachen die ambitionierten Herrschaften von Hello Games vor einigen Jahren, dem Spieler nicht weniger als ein ganzes Universum zu Füßen zu legen. Das freie Erkunden einer schier astronomisch großen Spielwelt mit einer Unzahl von Planeten, deren Beschaffenheit, Flora und Fauna jedes Mal neu generiert wird, weshalb kein Ort dem anderen gleicht, Handel treiben, kämpfen …  Große Worte. Diesen gigantischen Versprechungen entsprechend wuchs auch die Erwartungshaltung der Zockergemeinde zu einem Hype heran, den ein Indie-Spiel in der Form wohl noch nie erlebt hat. Doch haben die Macher Wort gehalten?

Darum geht's:

Zu Beginn findet ihr euch auf irgendeinen der über 18 Trillionen (!) möglichen Planeten wieder. Großartige Erklärungen gibt es nicht, weshalb ihr euch in der klassischen Ego-Perspektive zunächst einmal mit der Umgebung vertraut macht. Während diese wie gesagt von üppiger Vegetation bis hin zu kargen Wüstenplaneten alles bieten kann, ist allen Spielerlebnissen lediglich gemein, dass ihr neben einem abgestürzten und flugunfähigen Schrotthaufen steht, der wohl mal euer Raumschiff war. Und endlich bekommt ihr auch einen Hinweis, dass es diesen zu reparieren gilt.
Also beginnt ihr zu experimentieren, und stellt bald fest, dass ihr mit einem Laser aus der Umgebung Rohstoffe abbauen könnt, die ihr Minecraft-artig in einem Menü zu neuen Materialien zusammensetzt, mit denen ihr schließlich euer Schiff wieder instandsetzt. Allerdings will es noch betankt werden, und dann sind da ja noch die Fragezeichen, die nach einem Scan der Gegend in euren HUD eingeblendet wurden, exotische Pflanzen und allerlei schräge Tiere, die es zu katalogisieren gilt, und überhaupt gibt es so verdammt viel zu entdecken. Als übergeordnetes Ziel wird lediglich die Aufforderung eines ominösen Artefakts in Form einer morphenden roten Kugel verstanden, zur Mitte der Galaxie zu gelangen, um dort ein Schöpfer-Wesen namens Atlas zu treffen. Okay … hoffentlich hat es Geduld, denn bis dahin ist es ein verdammt weiter Weg!

Das ist gut:

Spätestens, wenn ihr euer Raumschiff wieder flott gemacht habt, und übergangslos von der Planetenoberfläche ins All düst, wird euch klar, welches Aufgabe da vor euch liegt. Ein echter Gänsehautmoment, der die Entdeckerfreude in euch schier explodieren lässt. Denn jeder Planet, den ihr vor dieser atemberaubenden Space-Kulisse erblickt, kann angeflogen und erforscht werden. Neben den fürs Überleben notwendigen Ressourcen lassen sich dort auch neue Baupläne für euren Anzug, für das Schiff oder eure Waffe finden. So könnt ihr zum Beispiel mit dem standardmäßigen Jetpack länger fliegen, euer Bordwaffen verstärken oder mit dem Bergbaulaser auch Granaten verschießen. Dabei sind die Kämpfe gegen sporadisch auftauchenden Piraten-Jäger im All oder die Wächter-Bots auf den Planeten, die bei zu arglosem Raubbau eingreifen, eher zweitrangig. Im Vordergrund steht ganz klar die Entdeckung, was auch das Lernen diverser Sprachen mit einschließt. Spürt ihr außerirdische Monolithen auf, könnt ihr entweder direkt ein neues Wort lernen, wodurch die Dialoge mit den fremdartigen Aliens nach und nach verständlich werden, oder aber ihr müsst ein kleines Rätsel lösen, woraufhin ihr mit einem Bauplan belohnt werdet. Habt ihr keine Lust, die Materialien zum Bau mühselig zu sammeln, könnt ihr diese auch an den Raumstationen kaufen. Eine dickes Portemonnaie voller Units, so die Währung in ‘No Man's Sky’ vorausgesetzt, welche ihr durch Handel oder das Hochladen eurer Entdeckungen in das Online-Register verdient. Dort erwerbt ihr schließlich auch das letzte Bauteil für euren Hyperantrieb, verlasst zum ersten Mal das Sonnensystem und fühlt euch plötzlich noch viel kleiner.

Das ist schlecht:

Was nun danach klingen mag, als gäbe es verdammt viel zu tun, entpuppt sich nach den ersten wirklich aufregenden Spielstunden dann leider eher als Fließbandarbeit. Letzten Endes läuft es nämlich darauf hinaus, dass ihr in jedem System genug Ressourcen sammelt, um euren Hyperantrieb aufzuladen und damit zum nächsten System zu gelangen, wo das Spiel von vorne beginnt. Die Jagd nach Bauplänen verliert schon schnell ihren Reiz, da sich diese größtenteils als unnütz erweisen und jeweils auch noch einen Slot in eurem ohnehin stets viel zu knapp bemessenen Inventar belegt. Ein Königreich für eine Lagerkiste! Zwar könnt ihr Gegenstände zwischen eurem Exo-Anzug und dem Schiff hin und her schieben, doch der begrenzte Platz macht die Nummer ziemlich fummelig. Und wenn man zum hundertsten Mal Warp-Zellen für den Hyperantrieb mühselig aus diversen Materialen zusammenfriemeln muss, nervt es einfach nur noch. Und auch bei der Entdeckung macht sich bald eine gewisse Ernüchterung breit. Ja, jeder Planet ist anders, und ihr werdet euch bei der x-ten Landung noch beim Staunen ertappen, doch das Set aus denen alles immer wieder zusammengesetzt wird, wiederholt sich zwangsläufig bald. Die auf den Planeten verteilten Außenposten gleichen sich gar oft wie ein Ei dem anderen. Zudem hat die ohnehin altbackende Technik mit einem unschönen späten Grafikaufbau zu kämpfen. Und auch der gewählte Grafikstil, insbesondere das Raumschiff-Design, trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack.
Zudem kommt es immer wieder zu Abstürzen, die einen Neustart der Konsole erforderlich machen. Bei all den nötigen Verbesserungen, die wir uns von dem nächsten Patch wünschen, steht die Behebung dieser ungewöhnlich herben Macke ganz vorne!

No Man's Sky ist ab sofort für Playstation 4 und PC erhältlich.

Fazit: Astronomisch großer Spielplatz, der den Entdecker in euch weckt. ‘No Man's Sky’ bietet euch wortwörtlich nicht weniger als ein ganzes Universum, in dem kein Planet dem anderen gleicht. Dem gegenüber steht jedoch eine Spielmechanik, die sich schnell wiederholt. Wer das Zentrum der Galaxie erreichen will, braucht einen verdammt langen Atem.