Im Hause Nintendo hält man nicht viel von Muskelspielchen. Anstatt also zu den zwei großen Heimkonsolen-Konkurrenten in den Ring zu steigen, die sich dort nun schon seit geraumer Zeit ein reines Kräftemessen liefern, verlässt man sich auf sein Köpfchen und erfindet lieber eigene Sportarten. Mit der Wii wurde Nintendo seinerzeit seinem Ruf als Innovator mehr als gerecht und mit gigantischen Verkaufszahlen belohnt. Die Folgekonsole Wii U hingegen wurde den Erwartungen nicht gerecht und floppte kolossal. Welches Schicksal der brandneuen Switch beschert sein wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen, wohl aber, dass immenses Potential in dem kreativen Hybriden steckt.

Darum geht's:

Das Konzept hinter Nintendos neuem Baby sieht vor, die Spiele sowohl am heimischen TV-Gerät zocken zu können als auch jederzeit und überall unterwegs. Dazu besteht es im Kern aus einem mobilen 6,2-Zoll-Display mit Multi-Touch-Funktion und einer maximalen Auflösung von 720 p, das zum TV-Betrieb in eine Docking-Station gesteckt werden kann. Von dort aus werden die Signale an den großen Bildschirm geleitet und das an ein Tablet angelehnte Display mit Strom versorgt.

Der Clou dabei ist nun das Joy-Con genannte multifunktionale Controller-Duo. Die zwei kleinen Steuereinheiten lassen sich in die Seiten des Displays einklinken, verwandeln sich in die mitgelieferte Halterung gesteckt zu einem klassischen Gamepad, können aber auch getrennt voneinander zum Zocken genutzt werden, was flotte Multiplayer-Runden für zwischendurch ermöglicht. Zum Preis von 329 Euro sind im Lieferumfang das Display, ein Joy-Con-Duo (wahlweise in grau oder zweifarbig), die Joy-Con-Halterung sowie die Docking-Station, das Netzteil, ein HDMI-Kabel und zu guter Letzt zwei Handgelenksschlaufen für die Controller enthalten.

Das ist gut:

Nach dem Auspacken wundert man sich zunächst über die erstaunlich kompakten Maße des Geräts und erfreut sich gleich darauf über die fühlbar wertige Verarbeitung. Nachdem man seine neue Konsole dank eines komfortablen Menüs ratzfatz eingerichtet hat, stellt man fest, dass auch der Switch-Kniff wunderbar reibungslos funktioniert und ihr binnen einer Sekunde von TV auf Display und umgekehrt wechseln könnt. Der ständig im Wartezimmer des „Ladezeiten- und Installationsamtes“ darbende Zocker von heute nimmt zudem wohlwollend zur Kenntnis, dass er binnen kürzester Zeit losdaddeln kann. Einer der großen Vorteile, wenn die Spiele nicht von einer Disc, sondern von einem Modul abgespielt werden.

Dazu ist die Konsole im TV-Betrieb auch noch angenehm leise. Kein Vergleich zum Lüfter der PS4 Pro. Im Display-Betrieb freuen wir uns zudem über satte Farben, strahlende Leuchtkraft und natürlich die Möglichkeit, jedwedes Spiel überall hin mitnehmen zu können. Zwar ist die Auflösung geringer als am großen Bildschirm (wo über die Docking-Station Full HD geliefert wird), was auf dem kleinen Screen aufgrund der Pixeldichte und –Schärfe jedoch nicht weiter stört.

Die per Bluetooth mit der Konsole kommunizierenden Controller vereinen indes auf geringem Raum alles, was der moderne Zocker so braucht. Echte Analog-Sticks mit darunterliegenden Druckknöpfen, vier Face-Buttons, zwei Schultertasten auf jeder Seite, Gyro-Bewegungssensoren, Vibrationsfunktion und ein NFC-Lesegerät für die beliebten Amiibos. Je nach Nutzung im Spiel fällt auch die Laufzeit der internen Akkus vollkommen ausreichend aus. Zwar werden die von Nintendo versprochenen 20 Stunden deutlich unterschritten doch sieben bis acht Stunden bei einem funktionsintensiven Spiel wie Zelda zum Beispiel gehen in Ordnung. Zumal dies wohl kaum zum Problem wird, womit wir nach unserem generell positiven Gesamteindruck bei der Kritik wären.

Das ist schlecht:

Denn im Gegensatz zu den Joy-Cons schwächelt das Display in Sachen Akkulaufzeit enorm. Mit einer Stromversorgung, die bereits nach 2,5 – 3 Stunden versiegt, ist dem mobilen Spielgenuss vollwertiger Titel eine recht enge Grenze gesetzt. Zwar kann man hier mit einer separat erhältlichen Powerbank via USB-C Abhilfe schaffen, was aufgrund des ungünstigen Anschlusses aber zu Problemen führt, wenn man das Display mit dem ohnehin etwas wackeligen Standfuß aufstellen möchte.

Problem Zwei: der lächerlich unterdimensionierte interne Speicher von 32 Gigabyte. Das reicht mitunter nicht mal für ein einziges Spiel aus dem E-Shop und macht den Kauf einer Micro-SD-Karte unabdingbar. Damit steigt der Preis der Konsole, in deren Lieferumfang zudem noch nicht mal ein Spiel enthalten ist. Und wer die Joy-Cons zu mickrig findet, oder sich schlicht an den kurzen Wegen der Analog-Sticks stört, kommt um die Anschaffung eines Pro Controllers nicht herum, der mit happigen 70 Euro zu Buche schlägt.

Problem 3: Das Spiele-Line-Up zum Start. Gerade mal fünf Titel, von denen einige zudem nicht mal als vollwertiges Spiel gezählt werden können, sind schon arg mau. Aber immerhin ist eines davon ein neues Zelda! Und das alleine ist ja schon ein verdammt guter Kaufgrund!

Die Nintendo Switch ist ab sofort überall erhältlich, wo es Konsolen gibt!

Die Nintendo Switch geht als Heimkonsolen-Handheld-Hybrid neue Wege. Eine derart flexible und dennoch vollwertige Daddelkiste für unterwegs gab es noch nie und der Switch auf den großen TV-Bildschirm geht dank der hochwertigen Verarbeitung binnen Sekunden reibungslos vonstatten. So könnt ihr bei Bedarf jederzeit ohne Verzögerung ganz bequem auf dem Klo weiterzocken, oder euch in ein anders Zimmer verkrümeln, wenn das Wohnzimmer am Mädelsabend mal wieder belegt ist. Bleibt nur zu hoffen, dass in absehbarer Zeit ein ordentlicher Schwung guter Spiele Nintendos neue Kiste belebt.

Quelle: Fotos: Nintendo.de