Das Multi-Set

Käufer des jüngst erschienenen „Multi-Sets“ erwerben für rund 70 Euro neben den Bastelbögen für fünf verschiedene Modelle auch die zum Spielen und Zusammenbau benötigte Software. Macht es am besten wie wir und entscheidet euch zu Beginn für das RC-Auto, stellt dieses doch das am einfachsten zu bauende Modell dar.

Habt ihr euch die unmissverständlich bedruckten und – wie man spätestens beim Herausdrücken der vorgestanzten Elemente merkt – sehr wertigen Pappbögen zurechtgelegt, startet ihr auf der Switch die Bauanleitung und werdet verzückt sein. In bunten Bildern und gut lesbaren Texten, werdet ihr Schritt für Schritt und mit viel Nintendo-Charme durch den Bauprozess gelotst, zwischendurch sogar gelobt, fürsorglich zu einer Pause aufgefordert und könnt bei Bedarf jederzeit Vor- und Zurückspulen. Hier geht nichts zu schnell oder zu langsam voran, hier bleiben auch für Kinder keine Fragen offen.

Nach gut zehn Minuten habt ihr plötzlich ein Gebilde vor euch, das eher an einen Alien-Käfer erinnert als an ein Auto, und in dem eure Joy-Cons stecken. Und solltet ihr euch bis dahin noch gefragt haben, was das Ganze überhaupt soll, werdet ihr spätestens, wenn ihr eure Kreation über die Option Spielen zum Leben erweckt, begreifen, was es mit „Nintendo Labo“ auf sich hat. Kleiner Tipp: Wenn Kinder in der Nähe sind, startet eure Handykamera, um deren Reaktion zu filmen.

Indem ihr auf dem Switch-Screen nämlich die Vibrationen der beiden Joy-Cons auslöst, beginnt sich das RC-Auto fortzubewegen. Und allerspätestens dann seid ihr wieder ein in infantiler Begeisterung grinsender, kleiner Junge. Dank der Infarot-Kamera im Joy-Con ist das ulkige Papp-Wesen zudem in der Lage, hellen Lichtquellen zu folgen, was in Verbindung mit einer Taschenlampe eine Zeitlang äußerst unterhaltsam ist. Doch es warten ja noch die kniffligeren Sets auf euch.

Die Bauzeit der Angel ist mit 90 bis 150 Minuten angesetzt und erweitert das Repertoire an möglichen Bauteilen um eine Schnur. Diese führt schließlich von der fertigen Papp-Angelrute in eurer Hand in einen Kasten, in welchem der Screen steckt und dort eine Unterwasserwelt zeigt. In dieser senkt ihr euren Haken ab, ködert mit Hin-und-Her-Bewegungen Fische und packt sie schließlich mit einem Ruck, bevor ihr eure Beute durch schnelles Kurbeln aus dem Wasser zieht. Lustig: Ein Pappstift simuliert dabei auf denkbar simple Art und Weise, aber sehr effektvoll, das typische Klappern einer Angel.

Sportlich wird es mit dem Motorrad-Lenker, für den eine Bauzeit von 90 bis 150 Minuten angesetzt ist. Diesen legt ihr euch nach dem Zusammenbau in den Schoß und lenkt per Körperneigung euer Bike, welches auf dem im Lenker eingeschobenen Screen über vorgefertigte oder später auch selbstkreierte Pisten brettert. Gas gebt ihr, indem ihr den Griff wie in echt nach hinten dreht und auch der Bremshebel ist nicht nur zur Zierde da. Verblüffend! Schade nur, dass man nicht gegen anderen Spielern zu einem Multiplayer-Duell antreten kann.

Für das Haus solltet ihr zwischen 120 bis 180 Minuten einplanen. In diesem lebt ein skurriles tamagotchi-artiges Wesen, welches eurer Aufmerksamkeit und Pflege bedarf. Dazu schiebt ihr Pappmodule in die verschiedenen Öffnungen des Hauses, um dadurch, je nach Kombination aus Schalter, Rad und Knopf, unterschiedliche Mini-Spiele zu aktivieren, die sich dem Wohlergehen des Wesens widmen. Das weckt natürlich die Neugier nach dem „Und-was-passiert,-wenn-ich-das-hier-nun-da-reinschiebe“-Prinzip, nutzt sich jedoch recht schnell ab. Blöd: Eine der Öffnungen befindet sich unter dem Haus, weshalb es mit dort eingeschobenem Modul nicht mehr steht.

Bliebe noch das Klavier, mit 150 bis 210 Minuten Bauzeit, dem ihr in der Art eines Synthesizers mit austauschbaren Pappstiften unterschiedliche Töne, wie etwa das Miauen von Katzen oder das ulkige Gebrumme eines mürrischen Männerchors, entlocken könnt. Sogar ein kleines Tonstudio ist mit an Bord, das es euch erlaubt, einzelne zuvor eingespielte Spuren zu einem Lied zusammenzufügen. Mit seinen vielen Tasten sicherlich eines der faszinierendsten Modelle, in den Händen eines musikbegeisterten Kindes jedoch irgendwann auch das nervigste.