Innovative Konzepte sind in der hart umkämpften Videospiel-Industrie leider eine Seltenheit. Doch zum Glück gibt es ja die Kreativ-Schmiede von Nintendo, die seit jeher lieber auf Forschungsreise als auf Nummer sicher gehen und dabei immer wieder mutige Blicke über den Tellerrand des Mediums wagen. Dass es dort draußen durchaus noch so einiges zu entdecken gibt, bewies der Mario-Konzern vor einigen Wochen mal wieder mehr als eindrucksvoll mit dem Trailer zu „Nintendo Labo“. Aus Pappe gebastelte Konstrukte, die in Verbindung mit der Nintendo-Switch-Hardware förmlich zum Leben erwachen. Seither fragten wir uns staunend, ob und wie das alles klappen kann – und waren von daher sehr erfreut, als man uns nach Hamburg zu einer geselligen Bastelstunde einlud.

Bauen

Dort fanden wir uns in familiärer Atmosphäre an einem Tisch wieder. Vor uns das Switch-Tablet sowie zwei Joy-Cons und ein vorgestanzter und bedruckter Bogen aus stabiler Pappe. Nachdem man uns erklärt hatte, wie die Software auf dem Gerät zu bedienen ist, bedurfte es eigentlich keiner weiteren Worte mehr. Die digitale Anleitung führte uns mit bewegten Bildern und der komfortablen Vor- und Rückspulfunktion derart narrensicher durch den Bauprozess, dass keinerlei Fragen offenblieben. Nach wenigen Minuten hatten wir unser „ferngesteuertes Auto“ fertig, schoben die Joy-Cons in die dafür vorgesehen passgenauen Schlitze, wählten auf dem Tablet „Spielen“ und mussten spontan herzhaft lachen.

Indem ihr per Knopfdruck die Vibrationen der beiden Joy-Cons auslöst, begann sich das – mehr an ein putziges Tier als an ein Auto erinnernde – Modell vorwärtszubewegen. Zwar ist dies nur auf glatten Oberflächen möglich, dennoch war die Verzückung groß, als man uns vorführte, dass unser kleines Haustier sogar in der Lage ist, automatisch Lichtsignalen zu folgen und zudem über eine Infrarot- und Wärmebild-Kamera verfügt. Gut gelaunt wurden wir nach diesem Anfängerkurs einen Raum weiter geschickt, wo schließlich die komplizierten Modelle auf uns warteten.

Dazu muss man sagen, dass Nintendo zum Labo-Start zwei Pakete geschnürt hat: Das Multi-Set und das Robo-Set. In Ersterem findet ihr neben dem bereits erwähnten ferngesteuerten Auto auch noch die Bastelbögen zu dem Klavier, dem Haus, dem Motorrad und der Angel. Dabei handelt es sich um deutlich komplexere Modelle, für deren Bau mehr als ein Bogen benötigt wird. Natürlich reizte uns nach dem spaßigen aber kurzen ersten Bastel-Erlebnis ein entsprechend größeres Projekt. Also entschieden wir uns für den Motorrad-Lenker und konnten uns beim Zusammenbau davon überzeugen, dass auch das Hantieren mit vielen Einzelteilen verdammt viel Spaß macht.

Das ist vor allem der bemerkenswert guten Verarbeitung zu verdanken. Die verständlich beschrifteten Einzelteile lassen sich ohne Probleme identifizieren, aus den Bögen lösen und auf eine Art und Weise zusammensetzten, die wir nur als „haptisch äußerst befriedigend“ bezeichnen können. Laschen rasten hörbar ein, bewegliche Teile erfüllen ihren Dienst ohne Probleme und die Stabilität überzeugt auf ganzer Linie. Am Ende waren wir förmlich von Stolz erfüllt und hatten richtig Lust einfach weiterzumachen.

Spielen

Für weitere Projekte blieb jedoch keine Zeit, da wir natürlich nicht nur bauen, sondern uns auch anhand bereits vorbereiteter Modelle ein Bild von den spielerischen Möglichkeiten machen wollten. Im Falle des just gebauten Motorradlenkers werden zum Beispiel Tablet und Joy-Cons eingeschoben, woraufhin ihr euch in simpel gehaltenen Rennen beweisen könnt. Der Clou dabei ist, dass ihr den rechten Griff wie bei einem echten Motorrad zu euch drehen müsst, um Gas zu geben, nachdem ihr den Motor per Knopfdruck gestartet habt. Gebremst wird per Handhebel, während ihr mittels Verlagerung des Körpergewichtes lenkt.

Als Nächstes setzten wir uns ans Klavier, dem wir mit austauschbaren Modulen unterschiedliche Töne, wie etwa das Miauen von Katzen oder das ulkige Gebrumme eines mürrischen Männerchors, entlockten. Sogar ein kleines Tonstudio ist mit an Bord, das es euch erlaubt, einzelne zuvor eingespielte Spuren zu einem Lied zusammenzufügen. Das Haus verfügt ebenfalls über mehrere Funktionsmodule. Je nachdem, in welcher Kombination ihr Schalter, Rad und Knopf in die dafür vorgesehen Öffnungen schiebt, aktiviert ihr unterschiedliche Minispiele, und verdient euch darüber das Futter für ein kurioses Wesen, welches in dem Haus lebt und wie ein Tamagotchi gepflegt werden will. Bei der Angel bedient ihr euch indes einer Pappkurbel, um eure Schnur in die Tiefen des Ozeans abzusenken und schnell wieder aufzurollen, wenn auf dem Screen ein Fisch anbeißt.

Das Multi-Set besticht in erster Linie durch die abwechslungsreichen Modelle, welche einzeln für sich genommen in spielerischer Hinsicht jedoch eher oberflächlichen Spaß für zwischendurch bieten. Wesentlich interessanter ist in dieser Hinsicht das Robo-Set. Ein beeindruckendes Modell, das ihr euch wie einen Rucksack umschnallt. In dem großen Kasten auf dem Rücken ist eine Seilzug-Mechanik verbaut, anhand derer ihr einen Roboter auf dem Bildschirm wortwörtlich mit Hand und Fuß steuert. Schlag ihr mit der Hand zu, zerdeppert euer digitales Alter-Ego Gebäude, während ihr vorwärtsschreitet, indem ihr tatsächlich eure Beine abwechselnd hebt und senkt. Geht ihr in die Hocke, verwandelt sich der Robo in einen Panzer und auch Fliegen ist möglich. Zwar ist auch dabei der spielerische Anspruch eher niedrig angesiedelt, derart mit seiner Spielfigur zu verwachsen, ist aber schon irre spaßig.

Entdecken

Das Labo-Konzept ist mit den zur Verfügung stehenden Vorlagen aber natürlich noch lange nicht erschöpft. Mit der in jedem Set enthaltenen „Toy-Con-Werkstatt“ können erfahrene Labo-Bastler mit dem Möglichkeiten der Switch experimentieren und selber festlegen, welche Geräusche oder Vibrationen wie ausgelöst werden. Auf diese Art und Weise lassen sich abseits irgendwelcher Schablonen eigene Spielideen realisieren, die ihr dann mit Pappe oder was auch immer nach eurem Gutdünken aufpeppt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich „Nintendo Labo“ klar an jüngere Spieler richtet, aber dank des genialen Bastelfaktors auch bestens dazu geeignet ist, Eltern und Kinder an einem Tisch zu versammeln. Der Familien-Fun-Faktor ist gewaltig und im Sinne der von Experten viel beschworenen „ganzheitlichen Arbeitsprozesse“ sogar pädagogisch wertvoll. Das Experimentieren fördert das kognitive Denken, durch den motorischen Zusammenbau wird das Spiel greifbar und dank der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten sogar auf emotionaler Ebene personalisiert.

Während einem ein Kratzer auf dem Smartphone den ganzen Tag versaut, lädt die Papp-Peripherie von „Nintendo Labo“ förmlich zum Malen und Kleben ein. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass zum Start auch Design-Pakete zur Verfügung stehen werden. Allerdings tut es der gute alte Buntstift aus der Federtasche natürlich genauso.

„Nintendo Labo“ kommt am 27. April in den Handel. Das Multi-Set wird dann 70 Euro kosten, das Robo-Set 80 Euro. Weitere Sets werden folgen. Wir sind schon sehr gespannt, was Nintendo aus der genialen Grundidee noch alles herausholen wird und vor allem, wie das Konzept letztlich ankommen wird.

Ein Riesenspaß für die gesamte Familie! Mit Labo präsentiert Nintendo ein innovatives Bastel- und Spielerlebnis, das die technischen Möglichkeiten der Switch auf verblüffende Art und Weise mit haptischen Pappmodellen kombiniert. Die Verarbeitung bewegt sich auf höchstem Niveau, das kreative Potential ist gigantisch. Noch nie war das Medium Videospiel so pädagogisch wertvoll!

Quelle: Fotos: nintendo.de