Eine der langlebigsten Rennspielserien überhaupt ist zurück, und möchte mit einer Rückbesinnung auf die Ursprünge der Reihe wieder einen festen Parkplatz in den Herzen der Fans. Da passt auch die schlichte Namenwahl: Ganz einfach nur Need for Speed!

Darum geht's:

Klingt nach Reboot und ist es auch. Mit Need für Speed möchte man die Experimente der jüngeren Vergangenheit vergessen machen, und startet entsprechend wieder als Nobody in der illegalen Underground-Rennszene der fiktiven Stadt Ventura Bay. Durch aufwändige Realfilmsequenzen, die nahtlos in die Spielgrafik übergehen, wird die Story weitergesponnen, während ihr ansonsten die Stadt, in der niemals die Sonne aufgeht, frei befahren dürft. Und ja ihr habt richtig gelesen: Die Rennen finden ausschließlich in der Nacht oder in der Dämmerung statt. Jene lassen sich grob in die drei Varianten Rundenrennen, Sprintrennen und Driftrennen einteilen und werden euch von euren Kumpels via Handy vermittelt. Je nach Können erwerbt ihr sogenannte Reputationspunkte, steigt im Level auf und schaltet immer mehr Boliden oder Tuningkomponenten frei, um aus eurem anfänglichen Vorstadt-Fuhrpark einen wahren PS-Zoo zu machen. Doch Obacht: Wer es im riesigen Ventura Bay zu wild treibt, bekommt es mit der Polizei zu tun, die in einem klassischen Need for Speed natürlich nicht fehlen darf.

Das ist gut:

Halleluja, endlich haben die Macher ein Einsehen, lassen uns wieder an den Karren herumschrauben und übertreffen sich damit selbst. Die zuletzt so sträflich vernachlässigte Tuning-Komponente ist diesmal mächtig wie nie und führt bei jeder kleinen nachgezogenen Schraube zu einer spürbaren Veränderung des Fahrverhaltens. Einzelne Teile bauen aufeinander auf und selbst der Sound der Motoren ändert sich bei entsprechender Justierung. So muss es sein! Dank eingängiger Erklärungen ist ein effektives Tuning dabei selbst für Laien machbar, und das ist auch gut so. Denn ohne dieses liegt selbst ein Sportwagen in Need for Speed wie eine bleierne Ente auf der Straße.
Auch die Optik macht einen deutlichen Schritt nach vorne. Über den fehlenden Wechsel der Tageszeiten mag man geteilter Meinung sein, doch die nächtlichen Lichteffekte machen zweifelsohne einiges her und die nahtlosen Übergänge zwischen Realfilmsequenzen und Spiel kommen nur deshalb zustande, weil die Grafik schon an Fotorealismus grenzt. Das sieht nicht nur edel aus, sondern ist auch recht erfreulich, da ihr in Ventura Bay sehr viel Zeit verbringen werdet. Zu tun(en) ist dort nämlich genug.

Das ist schlecht:

Dass uns der Übergang zwischen Filmchen und Spiel gefällt, haben wir bereits erwähnt. Auch sind die Realsequenzen handwerklich ganz gut gemacht, doch dem Autor dieser vor Klischees und dümmlichen, an Reality-TV-Volldeppen erinnernden Archetypen nur so strotzenden Geschichte möchte man am liebsten auf die Motorhaube festschnallen, um mit 300 Sachen gegen eine Wand zu fahren. Es ist schon schlimm genug, diese pseudocoole Teenagersprache in öffentlichen Verkehrsmitteln ertragen zu müssen, dann doch bitte nicht noch im heimischen Wohnzimmer. Grauenhaft, aber irgendwie wohl auch Geschmackssache.

Den Vogel schießen die Macher aber mit dem vollkommen sinnlosen Onlinezwang ab. Nichts dagegen, mit anderen Spielern die Stadt zu teilen – Platz ist ja genug – aber dann doch bitte optional! Erst recht, da dem Spiel gegen menschliche Kontrahenten ohnehin wenig Aufmerksamkeit zukommt. Wegen dieser saublöden Designentscheidung könnt ihr nicht einmal auf Pause schalten, und plötzlich auftauchende Spieler machen euch gerne mal ein Rennen kaputt, in welches diese nicht einmal involviert sind. Dazu kommen störende Lags, die man mit einem Offlinemodus ohne weiteres hätte unterbinden können.
Und wo wir schon gerade bei dem Thema sind, aus unerfindlichen Gründen Dinge zu implementieren, die kein Zocker auf der Welt leiden mag: Gebt euch nicht zu viel Mühe mit dem Fahren, dank eines ausgeprägten Gummibandeffektes, könnt ihr eh keinen Vorsprung rausfahren. Liebe Entwickler, wann lernt ihr es endlich?!

Grafisch beeindruckender Reboot mit starker Tuning-Komponente. Dank der Rückbesinnung auf alte Stärken dürften viele alte Fans wieder zurück ins Auto steigen und neue dazukommen. Was allerdings gar nicht geht, ist der nervige und vollkommen sinnlose Onlinezwang, während die hohle Geschichte immerhin noch unter „Geschmackssache“ einzuordnen ist.