Mit dem letzten „Need für Speed“ wollte EA endlich wieder ein dem großen Seriennamen würdiges Denkmal setzten, touchierte am Ende jedoch lediglich den Sockel. Die Kritik war groß, und man zog sich für zwei Jahre in die Werkstatt zurück, um an einem neuen Renner zu schrauben. Die ersten Bilder des „Payback“ getauften Babys waren tatsächlich äußerst vielversprechend und unsere ersten Fahrversuche in einer Anspielsession richtig spaßig. Von daher konnten wir es kaum erwarten, uns endlich hinter das Steuer des fertigen Spieles zu klemmen. Ob „Need for Speed: Payback“ unseren hohen Erwartungen gerecht wird und genug Power unter der Haube hat, um den Serien-Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, verrät euch unser Test.

Darum geht’s:

Tyler „Racer“ Morgan ist sauer. Nicht nur, dass er trotz aller Mühen Paul Walker in keinerlei Hinsicht das Wasser reichen kann, zu allem Überfluss wurden er und seine kleine Crew auch noch über den Tisch gezogen. An sich war der Coup, einen sündhaft teuren Wagen zu klauen, eine narrensichere Sache, scheitert jedoch daran, dass uns eine angebliche Verbündete namens Lina Navarro an die Cops verpfeift. Die umtriebige Dame steht nämlich mit dem alles dominierenden Syndikat „Das Haus“ im Bunde, welches über das fiktive von Las Vegas inspirierte Silver Rock herrscht und sämtliche Rennen manipuliert. Genau da setzt Tylers genialer Racheplan an: Gemeinsam mit seiner wiedervereinten Crew macht er sich auf, Rennen um Rennen zu gewinnen, die vielen Renn-Fraktionen der Szene auf seine Seite zu ziehen und das Kartell zu stürzen.

Das ist gut:

Nachdem ihr besagten Coup in einer ersten rasant inszenierten Mission hautnah miterleben durftet, entlässt euch „Need für Speed: Payback“ in die große Open-World von Fortune Valley. Zwar gibt es ein Story-Konstrukt, an dem ihr euch entlang hangelt, in welcher Reihenfolge ihr die vielen verschiedenen Rennen angeht, bleibt jedoch euch überlassen. Der Clou dabei ist, dass ihr nicht nur als Tyler hinter dem Steuer Platz nehmt, sondern auch als Mac „ The Showman“ und Jess „The Wheelman“ ran dürft. Jeder der drei Protagonisten hat sich auf einen bestimmten Renntyp spezialisiert. Tyler muss immer dann ran, wenn es um Straßenrennen und Dragster-Duelle geht, Mac ist für Offroad-Läufe und Drift-Wettkämpfe zuständig, während Jess sich am liebsten in Fluchtfahrten mit der Polizei anlegt, um diese in bester Burnout-Manier von der Straße zu rammen.

Habt ihr schließlich die nötige Anzahl Rennen erfolgreich beendet, folgt zum Finale eines jeden Kapitels eine filmreif inszenierte Blockbuster-Mission, bei denen munter zwischen den Fahrern sowie Spiel und Zwischensequenz gewechselt wird. Addiert man nun noch die unzähligen in der offenen Welt verteilten Herausforderungen hinzu – wie das Brechen von Tempolimits, das Halten einer Durchschnittsgeschwindigkeit über bestimmte Distanzen hinweg oder das Springen einer Mindestweite – erhält man in der Summe enorm viel Abwechslung im Rennalltag.

Gleiches gilt für die weitläufige Umgebung, die mit Wäldern, Bergen, Wüste und Stadt viel zu bieten hat, und dem riesigen Fuhrpark. Diesen erweitert ihr vorrangig beim Händler, könnt aber auch in der Welt versteckte Wrackteile finden, aus denen sich ganz besonders schicke Karren basteln lassen. Die Fahrzeugmodelle erreichen dabei zwar nie die Klasse eines „Gran Turismo“, sind aber dennoch äußerst ansehnlich ausgefallen und tragen sogar sichtbaren Schaden davon. Dazu läuft das Spiel bei stabilen 30 Bildern pro Sekunde, was für ein „Need for Speed“ bemerkenswert ist. Zwar sind uns im Konsolen-Vergleich marginale Slowdowns auf der Xbox One aufgefallen, die jedoch nicht wirklich ins Gewicht fallen. Spät nachladende Texturen treten in den Zwischensequenzen dagegen sowohl auf der Sony- als auch auf der Microsoft-Konsole auf.

Das ist schlecht:

Natürlich ist die „Fast & Furious“-Filmreihe, die ganz offensichtlich Pate stand, letztlich Geschmackssache. Und so lässt sich auch vortrefflich über die Story von „Payback“ streiten. Uns war aber ausgerechnet die Hauptfigur Taylor von Anfang so dermaßen unsympathisch, dass auch der durchaus ambitionierte Rest darunter leiden musste. Das beginnt damit, dass der Großkotz einfach nicht müde wird zu betonen, dass er der beste Fahrer der Stadt sei und sowieso alle andere fertig macht, und hört mit zutiefst peinlichen Fremdschäm-Sprüchen in den Zwischensequenzen nicht auf. Zu dumm, dass der Knabe auch während der an sich stressfreien freien Fahrten immer wieder anfängt zu quatschen. Gäbe es eine goldene Himbeere im Spielesektor, ginge diese in diesem Jahr an Tyler Morgan. Glückwunsch!

Letzten Endes ist die Story in einem Racer aber natürlich zweitrangig, solange die Rennen funktionieren. Ein griffiges Fahrgefühl lässt sich dem Spiel auch beim besten Willen nicht absprechen, doch leider sticht sich „Payback“ mit einigen fragwürdigen Designentscheidungen selber Löcher in die Reifen.

Da wäre zunächst einmal das neue Tuning-System. Während das Schrauben an der Optik logischerweise nur der Selbstdarstellung dient, ist die Steigerung der Leistung eurer Wagen unabdingbar. Dies geschieht in Form von sogenannten Speed-Karten, welche in sechs Bauteil-Kategorien vorliegen. Dazu verfügt jede Karte über ein Level, im Idealfall über bestimmte Boni wie etwa einen zusätzlichen Tempo- oder Handling-Boost, und über eine Herstellerangabe. Verbaut ihr mindestens drei Karten eines Herstellers, gibt es einen zusätzlichen Bonus. Über immer bessere Karten hebt ihr auch die die Stufe eures Wagens immer weiter an, bis dieser den Anforderungen des jeweiligen Rennens genügt. Ihr könnt zwar auch mit einer Karre an den Start gehen, die dem vorgeschlagenen Mindestlevel nicht entspricht, habt es dann aber (zumindest theoretisch) ungleich schwerer.

Soweit, so interessant. Blöd nur, dass ihr insgesamt recht wenig Geld zur Verfügung habt, um euch Karten beim Händler zu kaufen, dieser außerdem nur mit Glück welche im Angebot hat, die euch voranbringen, und ihr die mühselig gesammelten Speedcards nicht auf einen neuen Wagen übertragen könnt. Die Folge: Ihr müsst grinden, immer wieder die gleichen Rennen wiederholen, um dabei Geld und hoffentlich gute Karten zu verdienen, wenn ihr im Spiel vorankommen wollt. Umso saurer stößt es uns auf, dass ihr euch Loot-Boxen für Echtgeld kaufen könnt, um diesen Prozess spürbar kürzer zu gestalten. Natürlich geht es auch ohne diese Mikrotransaktionen, aber dann geht das Spiel zwangsläufig irgendwann in eine Phase über, in der die Rennen zu einer lästigen Pflichtaufgabe werden, die doch eigentlich für den Spielspaß zuständig sein sollten. Eine bittere Pille, die Käufer eines Vollpreisspieles hier zu schlucken haben und aus unserer Sicht ein Manko, welches den Spielspaß nachhaltig trübt!

Und dann wäre da ja noch der unberechenbare Gummibandeffekt. Es gibt Rennen, die gewinnt ihr trotz zu geringer Leistungsstufe locker vom Start weg. Dann wiederum geht ihr mit einem überlegenen PS-Monster an den Start und seht durchweg nur die Rücklichter des Führenden, der ums Verrecken nicht einzuholen ist. Sehr ärgerlich bei einem Spiel, welches nur den ersten Platz gelten lässt. Und so ist man abermals gezwungen, Rennen zu wiederholen, in der Hoffnung, aufgrund undurchschaubarer Balancing-Probleme nicht abermals willkürlich zu verlieren.

Für Multiplayer stehen übrigens nur die sogenannten „Speedlisten“ mit fünf Racer- oder Offroad-Rennen auf dem Programm, die ihr entweder in der Casual- oder in der Ranglisten-Variante startet. Gemeinsam mit eurer Crew durch Fortune Valley donnern dürft ihr leider nicht. Dafür bleibt ihr aber auch von fremden Spielern in eurer Welt verschont. 

„Need für Speed: Payback“ ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.

Action wie im Film! Sichtlich von der „Fast & Furios“-Reihe inspirierter Arcade-Racer mit schmucker Optik, großem Fuhrpark und viel Abwechslung. Das langwierige Aufrüsten der Wagen und ein mitunter unberechenbarer Gummibandeffekt bremsen den Fahrspaß jedoch unnötig aus.