Das ist schlecht:

Mit Blick auf die vielen teils tragischen Unfälle, die sich in der Realität leider immer wieder im Zusammenhang mit illegalen Straßenrennen ereignen, kommt uns offen gestanden die Galle hoch, wenn ein Spiel sich diesem Thema mit derart eindimensionalen Figuren wie in „Need für Speed: Heat“ annähert, die – wie es das Spiel anfänglich selber treffend formuliert – „ohne Rücksicht auf Verluste“ des nächstens die Straßen unsicher machen. Scheiß auf Menschenleben, es geht schließlich um die Ehre.

Geschenkt, „Need for Speed: Heat“ ist natürlich ein Videospiel und wenn man sich irgendwo austoben darf, dann ja wohl hier. Aber tatsächlich hätten wir lieber als gestandener Cop Jagd auf die Hipster-Bubis und -Mädels aus dem Trend-Baukasten gemacht, als uns einen davon am Anfang aussuchen zu müssen.

Der Jugend mag’s gefallen, wobei sicherlich auch jüngere Leute am Puls der Zeit ob der Pseudo-Coolness ein gewisses Maß an Fremdscham empfinden werden. Die haben aber vielleicht Spaß daran, ihren Avatar mit einer Auswahl an Klamotten und Accessoires auszustatten, die dem Angebot der Tuning-Garage fast ebenbürtig ist. Was dieses Feature in einem Racer zu suchen hat, wollte uns alten Säcken indes bis zum Schluss nicht so recht einleuchten. Und dass man seine Figur tatsächlich jederzeit einfach so gegen eine der anderen austauschen kann, ist auch so eine Sache.

Während die deutsche Synchro immerhin gut gelungen ist, hatten wir auch mit dem Soundtrack so unsere Probleme. Jener ist mit der Beschränkung auf durchschnittlichen Hip Hop und banalem Latin-Pop-Gedudel nämlich so derart seelenlos und einseitig ausgefallen, dass wir bald schon entnervt versucht haben, das Radio auszuschalten. Geht aber leider nicht, sodass wir die Musik im Menü herunterdrehen mussten.

Leer ist übrigens auch die Stadt nebst Umland, die abseits des schicken nächtlichen Lichtspektakels eher wenig Schauwert zu bieten hat. Von dem Zivilverkehr mal abgesehen, sind die Bewohner wegen der ganzen selbstverliebten Streetracer und nicht minder PS-starken Cops offensichtlich geflüchtet und haben dafür allerlei Collectibles und Rampen Platz gemacht. Insofern gibt es zwar durchaus so einiges zu entdecken, an die detailverliebte Pracht eines „Forza Horizon“ kommt „Need für Speed: Heat“ aber zu keinen Zeitpunkt heran.

Einen dynamischen Tag-Nacht-Wechsel gibt es nicht, gewechselt wird auf Knopfdruck in der Garage. Ein nennenswertes Schadensmodell haben wir ebenso vermisst, welches hier mit ein paar Dellen und Kratzern, sowie einer Balkenanzeige neben dem Tacho auskommen muss. Lenkräder werden nicht unterstützt, eine Cockpitansicht gibt es nicht. Selbst auf den stärkeren Konsolen-Varianten werden dazu lediglich nur 30 Bilder pro Sekunde geboten. Zwar kam es auf der One X im Gegensatz zur PS4 Pro zu vereinzelten Rucklern, dafür hinterließ die Microsoft-Kiste grafisch, vor allem auch in den Cutscenes, einen knackigeren Eindruck. Spät nachladende Texturen trüben das Gesamtbild hüben wie drüben.

Ohne Frage das beste Need für Speed seit langem. „Heat“ möchte sich nicht festlegen und bündelt die guten Aspekte der ungeliebten Vorgänger zu einem kompetent umgesetzten Arcade-Raser mit mächtigem Tuning-Feature, bei dem legale Rennen am Tage den nächtlichen Verfolgungsjagden gegenüberstehen. Während das Geschehen auf der Straße und die Jagd nach immer besseren Teilen ordentlich Laune macht, ist uns die Inszenierung mit ihrer generischen Hipster-Attitüde und dem seelenlosen Soundtrack allerdings eher übel aufgestoßen.

„Need for Speed: Heat“ ist für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.