Das ist gut

Die „NBA 2K“-Reihe gilt seit Jahrzehnten als eine der besten im Genre der Sportsimulationen. Ableger, die sich bei Michael Jordan als Coverathleten bedienten, stellten sich dabei oft als Highlight-Jahre heraus. Die Erwartungen an das Gameplay von „NBA 2K23“ waren im Vorfeld dementsprechend groß. Nachdem sich im Multiplayer des Vorgängers im Laufe der Zeit noch einige Aspekte als overpowered herauskristallisierten, beispielsweise das nervige Steal-Spamming oder ständiges von links nach rechts Sprinten, um Verteidiger abzuschütteln, setzt man dieses Jahr auf besonders realistisches Gameplay.

Im Fokus steht vor allem eine ausbalancierte Offensive. Da das Werfen nun weitaus schwieriger gestaltet wurde, kommt dem Attackieren des Rings eine größere Bedeutung zu. „NBA 2K23“ gibt dem Spieler hierfür eine erweiterte Palette offensiver Moves und zahlreiche Möglichkeiten, am Ring abzuschließen. Mit etwas Übung und gutem Gespür für die richtige Situation lassen sich so selbst die besten Korbbeschützer mit Finesse austricksen oder gnadenloser Wucht überdunken.

Auch das Dribbling-System wurde verfeinert. In den vergangenen Jahren traf man online auf viele Gegenspieler, die bis zu 20 Sekunden lang von einer Seite zur anderen hüpften, um schlussendlich einen freien Dreier zu versenken. Als Verteidiger war man hier oft machtlos. Um dies einzudämmen, führt „NBA 2K23“ die sogenannten „Adrenalin Boosts“ ein. Jeder Spieler hat pro Ballbesitzphase drei dieser Boosts, um explosive Bewegungen auszuführen. Sind sie aufgebraucht, verliert man an Tempo. Eine Änderung, die dem Gameplay merklich wohltut. Zumindest vorerst scheinen die Zeiten von dauerhaftem „Iso-Ball“ vorbei. Das neue Mittel zum Sieg heißt Teamplay – super!

Insgesamt wirkt das Gameplay durch zahlreiche kleine Änderungen erheblich ausgereifter und näher am realen Pendant der Basketballsimulation. „NBA 2K23“ entwickelt sich vor allem in Details weiter, die in ihrer Gesamtheit jedoch für enormen Fortschritt sorgen.

Auf XBOX Series und PlayStation 5 sind „Meine Karriere“-Spieler, wie schon in den letzten Jahren, erneut in „The City“ beheimatet. Die Stadt, die dem Spiel einen gewissen Rollenspiel-Charakter verleiht und durch zahlreiche NPCs sowie andere Spieler belebt wird, wurde in „NBA 2K23“ gehörig verschlankt. Unnötige Gebäude wurden entfernt, wichtige Orte zentralisiert. Das reduziert die nervigen Wege, die man oft zwischen Spielen und Quests zurücklegen musste, ungemein. Die neuen Parks, in denen man gemeinsam mit Freunden im 2 vs. 2 oder 3 vs. 3 gegen andere Spieler antritt, sind eine Augenweide. Diese bieten zum Beispiel eine alte Burg mit Ritterambiente sowie eine Vulkanlandschaft, die ihre volle Schönheit entfaltet, wenn in der Stadt die Sonne untergeht.

Die bereits erwähnten „Jordan Challenges“ sowie die neuen „Ären“ im „Meine NBA“ – Modus verpassen dem Spiel eine ordentliche Portion Nostalgie. Gerade die „Jordan Challenges“ sind beeindruckend originalgetreu umgesetzt. „NBA 2K23“ hat hier an jedes Detail gedacht, was den Modus zu einer authentischen Zeitreise in die goldene Zeit des Basketballs werden lässt. Der Großteil der „2K“-Spieler dürfte zu jung sein, um die Jordan-Ära live erlebt zu haben. Mit den „Jordan Challenges“ bietet sich nun die Chance, den Mythos rund um den vielleicht Größten aller Zeiten nachzuempfinden.

Das ist nicht gut

Der „Meine Karriere“-Modus kehrt mit dem – im letzten Jahr eingeführten – Questsystem zurück. Durch eine Vielzahl verschiedenster Interaktionen mit NPCs schreitet der eigene Spieler in seiner Karriere fort. Vom ungewollten Rookie entwickelt man sich durch das Erfüllen dieser Quests zum NBA-Superstar mit globaler Reichweite. Man erobert Distrikte der Stadt, schließt Sponsorenverträge ab und verdient die dringend benötigen VC, um die Fähigkeiten des virtuellen Ichs zu verbessern. Leider sind diese Quests im aktuellen Zustand des Spiels äußerst fehlerbelastet. Manche lassen sich, trotz erfüllter Bedingungen, nicht abschließen und verhindern so den Fortschritt in der Storyline. Andere lösen Zwischensequenzen aus, die das Spiel an der immer selben Stelle abstürzen lassen. Hier ist dringend Abhilfe per Patch notwendig, um den Spaß an der Story des Spiels nicht nachhaltig zu trüben.

Ein Thema, das uns wohl ewig beschäftigen wird, sind die stets wiederkehrenden Mikrotransaktionen. Im beliebten „Mein Team“-Modus, in dem man virtuelle Karten sammelt, um sich sein persönliches Wunschteam zusammenzustellen, wird die virtuelle Währung „VC“ benötigt, um Kartenpäckchen zu kaufen. Diese „VC“ erwirbt man wiederum mit Echtgeld. In der Theorie kann man alle Spielinhalte auch ohne den Einsatz barer Münze freischalten. Der dafür benötigte Zeitaufwand ist jedoch beinahe unmöglich hoch.

Selbes Prinzip gilt für den, für die Reihe noch wichtigeren, „Mein Spieler“-Modus. Hier werden die „VC“ zur Entwicklung des eigenen Spielers benötigt. Durch den immensen Stärkeunterschied eines Spielers, der durch den Zukauf des virtuellen Kapitals beispielsweise eine Bewertung im 90er Bereich aufweist, zu einem ohne Finanzspritze gelevelten Spieler im 70er-Bereich, kommt man um den Kauf solcher „VC“ mit Echtgeld nicht herum, wenn man im Onlinewettbewerb konkurrenzfähig sein möchte. Bemerkt man später, dass der erstellte Spieler nicht zur eigenen Spielweise passt, oder man möchte einfach einen anderen Spielertyp steuern, beginnt man erneut bei null. Es gibt noch immer keine Möglichkeit, den Spieler nachträglich zu verändern, oder bereits ausgegebene „VC“ zurückzuerhalten, obwohl dies bereits seit Jahren von der „NBA 2K“ – Spielerschaft gefordert wird.

Fazit

Mit „NBA 2K23“ strebt der Branchenprimus erneut nach der Championship unter den Sportsimulationen. Der Mythos der legendären Nummer 23 schwebt über dem diesjährigen Ableger der Serie und schraubte die Erwartungshaltung gehörig nach oben. „NBA 2K23“ weiß mit dieser Forderung nach Qualität jedoch bestens umzugehen und liefert mit dem neuesten Teil der Basketballsimulation ein rundum ausbalanciertes Spielerlebnis, das sowohl auf als auch neben dem virtuellen Court zu glänzen vermag. Besonders Liebhaber realistischen Teambasketballs und jeder, der sich auf eine Zeitreise in die Regentschaft Michael „Air“ Jordans begeben möchte, werden hier viel Freude haben. Werden anfängliche Störungen im Questsystem bald behoben, spricht nichts dagegen, dass sich „NBA 2K23“ auch in diesem Jahr einen weiteren Championship-Ring für die Titelsammlung der Serie verdient.

„NBA 2K23“ ist erhältlich für XBOX Series, XBOX One, PlayStation 5, PlayStation 4, Nintendo Switch und PC.