Das ist gut/schlecht:

Euer maskiertes Ballermännchen ist nämlich nicht nur ein begnadeter Schütze, er ist auch noch ein Akrobat, der im Sprung die wildesten Kapriolen vollführt, an Wänden hochhüpft und durch eine in jeder Situation auszuführende Drehung sogar Kugeln ausweichen kann. Darüber hinaus verfügt ihr über eine äußert großzügig dosierte Bullet Time, dank der ihr in bester Max-Payne-Manier die Zeit verlangsamt, um das Feindesvolk in aller Ruhe präzise aufs Korn zu nehmen.

Der Aufbau der einzelnen Areale verlangt von euch, diese Fähigkeiten gekonnt zu kombinieren, wenn ihr den Ausgang erreichen und dabei idealerweise auch noch eine hohe Wertung einheimsen wollt. Am unteren Bildschirmrand bewertet ein Kombo-Zähler eure Aktionen, den es durch regelmäßige Abschüsse am Laufen zu halten gilt. Beendet ihr die Level zu Beginn noch meist mit einer miesen C-Wertung, lernt ihr recht bald, eure vielfältigen Manöver immer geschickter zu verknüpfen und somit den Punkte-Multiplikator in die Höhe zu treiben, was in der Praxis dann in etwa so aussieht:

Den Typen da vor uns einfach ins Gesicht zu schießen wäre möglich, aber lame. Also aktivieren wir die Zeitlupe, weichen seinen Projektilen aus und springen mit einem Salto über den Kerl hinweg, um ihm am Scheitelpunkt mit der Schrotflinte das Licht auszupusten. Wir landen elegant auf unseren Füßen und kicken den praktischerweise gerade herumliegenden Benzinkanister in Richtung des nächsten Gegners, um diesen in einer Explosion zu vaporisieren. Ein schneller Wechsel auf die MPs und wir hüpfen an ein Seil, an dem wir kopfüber rutschend auf die zwei Typen unter uns feuern, was dank der cleveren Aufschaltmechanik bei beidhändigem Waffengebrauch jederzeit möglich ist.

Wir brechen durch eine Glasscheibe, säubern den vor uns liegenden Raum brachial mit dem Granatwerfer und treten anschließend eine Bratpfanne in die Luft, die nur so tut, als habe sie mit Physik etwas zu tun, und unsere Geschosse zuverlässig in Richtung die beiden Kerle eine Etage über uns abprallen lässt. Der Counter läuft noch, also schnappen wir uns ein Skatebord, bringen damit ein gutes Stück des Weges schnell hinter uns und treten dem nächsten Mistkerl aus dem Olli heraus das Brett an den Kopf, womit das Spiel vom Neuem beginnt.

Das mag kompliziert klingen, ist aber schnell verstanden und macht „My Friend Pedro“ im späteren Spielverlauf fast schon zu einer Art strategischem Rätselspiel, wenn es darum geht, herauszufinden, wie ihr einen Abschnitt möglichst unbeschadet und punkteträchtig übersteht. Der Widerspielwert ist entsprechend hoch, denn es ist irre befriedigend, ein Level mit einer perfekten Choreographie förmlich zu durchtanzen und dafür mit einem S-Ranking belohnt zu werden.

Zudem sind die Abschnitte angenehm kurz und laden gerade im Handheldmodus der Switch immer mal wieder zu einem schnellen Versuch während einer Werbepause oder Busfahrt. Für den ersten Durchlauf könnt ihr fünf bis sechs Stunden einplanen, bis ihr alle Level auf S geschafft habt, wird aber einiges mehr an Zeit vergehen. Und die verbringt man ob der cartoonesk überzeichneten Action, des anarchischen Flairs und des herrlich flüssigen Spielgeschehens immer wieder sehr gerne mit „My Friend Pedro“.

Wer allerdings keine Lust hat, auf Lernkurven zu surfen, und episch erzählte Abenteuer in weiten Welten bevorzugt, wird hier nicht sonderlich glücklich. Grafisch hat das Spiel mit seinen monotonen Hintergründen und groben Charaktermodellen nicht viel zu bieten, die eigentliche Story wird nur angekratzt und hinsichtlich der Musik hätte man besser mal bei den Machern von „Katana Zero“ um Rat fragen sollen. Darüber hinaus ist die mitunter krampfige Steuerung nicht unbedingt optimal ausgefallen.

Wollt ihr zum Beispiel zwei Gegner gleichzeitig anvisieren, wozu ihr auf der Switch ZL gedrückt halten müsst, könnt ihr nur schwerlich mit dem L-Knopf eine rettende Ausweichdrehung vollführen. Und während ihr mit dem rechten Stick die Blick- und Schießrichtung steuert, ist mit B zu springen auch so eine Sache. Nehmt euch also am besten Zeit, die glücklicherweise frei zu belegende Steuerung nach eurem Gusto anzupassen. So quetscht ihr auch noch die letzten Tropfen Spielspaß aus diesem äußerst motivierenden Action-Ballett.

Stylische 2-D-Baller-Action in Max-Payne-Manier mit einer gehörigen Prise Wahnsinn. „My Friend Pedro“ ist wie ein blutiger Tanz durch einen mit Gegnern bestückten Geschicklichkeitsparcours, der euch beim gekonnten Einsatz eurer Manöver fast schon in eine Art Rausch versetzt. Optisch hat das Spiel nicht allzu viel zu bieten, der spielerische Flow ist dafür umso mächtiger.

„My Friend Pedro“ ist für Nintendo Switch und PC erhältlich.