Ronan O'Connor hat es nicht leicht. Da entschließt er sich schon, seine kriminelle Vergangenheit zugunsten einer Lady endlich hinter sich zu lassen, um sich fortan als Polizeiermittler zu verdingen, da verliert die Frau seines Lebens ihr selbiges auch schon. Nun könnte man meinen, unter diesen Bedingungen sei es irgendwie romantisch, dass auch Ronan kurz darauf bei der Jagd auf einen Serienkiller stirbt. Doch leider bleibt es ihm vorerst verwehrt, sich im Jenseits mit seiner Geliebten wieder zu vereinen. Denn es gibt da noch etwas, dass geklärt werden muss!

Darum geht es:

Gleich zu Begin des unkonventionellen Spieles werdet ihr aus dem Fenster geworfen, sicherheitshalber noch erschossen und wandelt fortan als Geist durch die Straßen Salems. Der Name der Stadt kommt euch übrigens nicht umsonst bekannt vor, erlangte das Örtchen doch 1692 durch fanatische Hexenprozesse traurige Berühmtheit. Eure Aufgabe ist es nun, den Fall um euren Killer – den die Presse aufgrund seines hinterlassenen Markenzeichens den 'Glockenmörder' nennt – zu lösen. Dafür sucht ihr Tatorte nach Hinweisen ab, die euch dabei helfen, den Tathergang zu rekonstruieren, schlüpft in die Haut von Polizisten, um einen Blick auf deren Notizen zu werfen, oder beeinflusst sie, indem ihr ihnen bestimmte Gedanken einpflanzt. Da ihr keinen Zeitdruck habt, geht das alles ziemlich gemächlich vonstatten. Nur manchmal müsst ihr euch grimmiger Dämonen erwehren, indem ihr euch von hinten an sie heranschleicht, was allerdings keine besondere Herausforderung darstellt.

Das ist gut:

Gut ist erst mal, dass Murdered sich traut, inmitten der aktuellen Shooter-Schwemme anders zu sein. Ähnlich wie L.A. Noir oder klassische Adventures erlaubt es sich, ein gemächliches Abenteuer für neugierige Naturen zu sein, die den Dingen lieber auf den Grund gehen, als sie zu töten. Erschließen statt erschießen, quasi. Natürlich lebt ein solches Spiel in erster Linie von der Geschichte und der erzählerischen Qualität, und da macht Murdered vieles richtig. Die Motivation, den Fall zu lösen, ist von Anfang an groß, der Hauptcharakter schnell sympathisch, dessen interessanter Lebensweg sich erst nach und nach offenbart. Die Dialoge sind gut geschrieben und die deutschen Sprecher – Gott sei Dank – hochwertig.

Das ist schlecht:

Dass man in einem solchen Game spielerisch jedoch nicht groß gefordert wird, ist klar. Im Wesentlichen latscht ihr die Areale einfach ab, um alle Hinweise oder Sammelgegenstände einzusacken, und taucht ab und zu in den Körper eines Lebenden (wozu auch Katzen zählen) ein. Hat man dann alle relevanten Details aufgespürt, gilt es, die gefundenen Hinweise in eine bestimmte Reihenfolge zu bringen, oder zu beurteilen, welches der wichtigste davon ist. Da abgesehen von einem unaufdringlichen Bewertungssystem im Falle einer falschen Antwort keine negativen Folgen zu befürchten sind und man zwangsläufig vorankommt, ist aber auch das letztlich extrem simpel.
Nun braucht eine gute Geschichte eigentlich kein hübsches Gesicht, doch leider ist die Optik zumindest den Next-Gen-Konsolen unwürdig. Unscharfe Texturen, detailarme NPC-Charaktermodelle, Tearing, eine lächerliche Auflösung der Ingame-Videos und sogar Einbrüche in der Bildrate erinnern an längst vergangene PS3- und Xbox-360-Tage. Unter diesen Bedingungen kann die an sich äußerst atmosphärische Kulisse von Salem leider nicht ihr volles Potential entfalten. Für so manchen Gänsehautmoment ist sie allerdings durchaus zu haben.

Mutiges Spiel abseits des Mainstreams. Zieht als Geist durch das Städtchen Salem und löst ganz stressfrei den Fall um den Glockenmörder. Wer sich drauf einlässt, erlebt einen motivierend und gut erzählten Mystery-Krimi in technisch eher zweckmäßigem Gewand. Murdered bietet somit viel fürs Ohr, aber wenig für die Augen.