Als das VR-Set für die Playstation auf den Markt kam, war die Freude groß. Aber auch die Sorge, dass der nicht ganz billigen Peripherie ein ähnliches Schicksal blüht wie Microsofts Kinect, und das System lediglich mit belanglosen Minigames und Casual-Software gefüttert wird. Die Befürchtungen sind jedoch nur begrenzt wahr geworden. Immerhin wurden mittlerweile viele große Titel in Sony Virtuelle Realität übertragen, allen voran das famose „Resident Evil 7“ und das riesige „Skyrim“. Dass ein verdammt gutes Spiel für VR aber nicht groß sein muss, beweist das zauberhafte „Moss“.

Darum geht’s:

Ihr findet euch zunächst in einer von Kerzen erleuchteten Kathedrale an einem Tisch sitzend wieder und blickt in ein wunderschön illustriertes Märchenbuch. Eine angenehme Stimme beginnt, euch die Geschichte eines märchenhaften Königreiches und der tapferen Mäusedame Quill zu erzählen und kurz darauf werdet ihr in das Buch eingesogen, wo ihr das putzige kleine Ding persönlich trefft. Denn ihr seid der „Leser“, ein geisterhaftes Wesen, durch ein magisches Glasrelikt mit Quill verbunden und ihr treuer Begleiter auf einem Abenteuer, das mit der Suche nach ihrem Onkel beginnt und mit der Rettung des Königreiches endet.

Das ist gut:

Dabei blickt ihr stets auf einen fixen Bereich des Levels herab, der sich vor euch ausbreitet, als stündet ihr im Modellbaukeller eines Mitarbeiters von Pixar. Sind die Umgebungsrätsel in einem dieser Dioramen überwunden oder gar alle Gegner besiegt, blättert das Spiel in den nächsten Bildschirm, so dass die für VR so typischen Übelkeitsgefühle vollkommen ausbleiben.

Inmitten des Waldes staunt ihr derweil noch über die wunderschöne Mini-Architektur des Mäusereiches, als Quill auch schon ins Bild kommt und euch durch Gesten zu verstehen gibt, dass sie loslegen möchte. Denn ihr steuert nicht nur via Bewegungssensoren des Pads eine leuchtende Blaue Kugel, um mit dem Levelinventar zu interagieren und für Quill somit schwere Türen zu öffnen oder massive Blöcke zu verschieben, sondern die kleine Mäusekriegerin selbst. Mehr als laufen, springen, mit dem Schwert zuschlagen und Angriffen auszuweichen gilt es dabei aber nicht zu beachten, so dass wir uns von der Doppelrolle zu keinem Zeitpunkt überfordert gefühlt haben.

Tatsächlich entwickelt ihr schnell eine erstaunlich emotionale Bindung zu der knuffigen Maus, die von väterlichen Beschützerinstinkt und purer Sympathie geprägt ist. Denn wer die fantastisch animierte Mäusedame nicht in sein Herz schließt, wenn sie so mit zappelnden Beinchen über Hindernisse krabbelt, sich schüttelt, wenn ihr ihr über den Kopf streichelt oder sie in der Kälte bibbert, der hat kein solches! 

Der Mittendrin-Faktor ist in dieser zauberhaften Welt gigantisch. Es sind Augenblicke, in denen Quill euch nervös hüpfend auf ein Hindernis aufmerksam macht, der Moment, wenn ihr zum ersten Mal nach unten schaut und euer geisterhaftes Konterfei in einem See erblickt, oder euch nach vorne neigt, um nachzuschauen, ob sich hinter einer ansonsten nicht einsehbaren Ecke womöglich eine versteckte Schriftrolle verbirgt, die das Medium VR so besonders machen und über den reinen Schauwert hinweg auch spielerisch sinnvoll nutzen. Und das hat bisher kaum ein anders Spiel so gut hinbekommen wie dieses kleine verträumte Abenteuer.

Das ist schlecht:

Leider sind die sieben Kapitel des Buches nach zwei bis drei Stunden viel zu schnell auch schon wieder vorbei. Es wird zwar deutlich, dass Quills Reise hier noch lange nicht zu Ende ist, doch bis mit Nachschub in Form von Buch Zwei zu rechnen ist, dauert es sicherlich noch etwas. Und so bleiben wir zurück wie ein Kind, das einfach noch nicht Schlafen möchte, nachdem die Mutter ihm etwas vorgelesen hat.

Weniger gefallen haben uns indes die Arenakämpfe, in denen Quill sich erst aller Gegner entledigt haben muss, bevor es weitergeht. Diese ziehen sich zum Teil unnötig lange hin und könnten gerade jüngere Spieler etwas überfordern. Zwar könnt ihr die verletzte Quill mit eurer blauen Sphäre heilen, doch da ihr nebenbei mit der Maus vor den anstürmenden Gegnern flüchten müsst, kann das Ganze schon mal etwas chaotisch werden. Da haben uns die Rätsel-Passagen mit vereinzelten Gegnern schon deutlich besser gefallen, wenn diese auch durch die Bank recht seicht und einfach ausfallen.

Allerdings hatten wir zuweilen Probleme, in der Tiefe des Raumes mit Gegenständen zu interagieren, und mussten die Kamera, beziehungsweise unsere Sitzposition – „Moss“ spielt man einfach nicht im Stehen – entsprechend anpassen. Zudem zickt die Bewegungsteuerung gerne mal etwas herum, speziell wenn es darum geht, Dinge zu drehen. Aber was sind schon solche kleiner Macken, wenn es gilt, ein Mäusekönigreich zu retten?!

„Moss“ ist ab sofort exklusiv für Playstation VR erhältlich.

Ein VR-Märchen zum Verlieben! An der Seite der womöglich liebenswertesten Maus der Videospielgeschichte entdeckt ihr nicht nur ein famos inszeniertes Miniatur-Wunderland, sondern auch euren tief verwurzelten Beschützerinstinkt. Das Mittendrin-Gefühl ist bei dem sympathischen kleinen Action-Adventure enorm. Und auch wenn in „Moss“ alles eine Nummer kleiner sein mag, gehört es eindeutig zu den besten Spielen für Sonys VR-Brille bisher.