Als 1992 Mortal Kombat erschien, hat es sicherlich keiner wegen des ausgefeilten Kampfsystems gespielt. Im Gegensatz zum Platzhirschen Street Fighter verfügte in der Midway-Klopperei jede Figur im Prinzip über die gleiche Movepalette, von den Special Moves mal abgesehen. Fußfeger, Uppercut, Fußfeger, Uppercut. Alte Hasen wissen, was gemeint ist. Nein, die bis heute riesige Fangemeinde erklärt sich anhand zweier Worte: „Finish him!“

Darum geht's

Runde 10. Nach nunmehr vier Jahren kehrt Mortal Kombat zurück und die Erwartungen sind entsprechend groß. Immerhin ist die Qualität der Reihe, von ein paar Ausnahmen einmal abgesehen, qualitativ kontinuierlich gestiegen. Das letzte Spiel aus dem Jahre 2011 wurde gar zur Referenz, wenn es darum geht, wie man in einem Prügelspiel eine gute Geschichte erzählt. Nun konnten wir uns hinter verschlossenen Türen von einem eventuellen Storymodus zwar noch nicht überzeugen, doch wir durften schon mal Hand anlegen, und Kollegen aus anderen Ländern selbige abhacken.

Zu den standardmäßigen Neuerungen einer Beat'em-Up-Fortsetzung gehört natürlich ein Schwung an frischen Kämpfern. Zur Riege gesellt sich zunächst mit Blutgott Kotal Kahn der neue Herrscher der Outworld höchstpersönlich. Dann hätten wir da noch ein äußerst schräges Pärchen, bestehend aus einer Zwergendame, die auf dem Rücken eines maskierten Hünen daherkommt und sich dementsprechend Ferra/Torr schimpft. Besonders cool fanden wir den Insekten-Frau-Hybrid D'Vorah mit ihrem Stachel und dem Insektenschwarm. Und da auch in Videospielen die Zeit nicht stillsteht, tritt mit Cassie Cage zu guter Letzt die Tochter von Johnny Cage und Sonya Blade in die Fußstapfen ihrer Eltern.
Des Weiteren dürft ihr nun vor dem Kampf aus einem von drei verschiedenen Kampfstilen wählen, die für jeden Charakter individuell gestaltet wurden, und neben den Moves auch die Wahl der Waffen beeinflussen. Im Gegensatz zu Mortal Kombat: Deadly Alliance dürft ihr den Stil während des Kampfes allerdings nicht mehr ändern.

Das ist gut

Die Level sehen nicht nur besonders schick aus, und werden durch zig Details und atmosphärische Beleuchtung zum Leben erweckt, an festgelegten Stellen darf ähnlich wie in Injustice: Gods among us mit dem Interieur interagiert werden. So kann man sich zum Beispiel über Äste schwingen, um dem Gegner mitten ins Gesicht zu springen, oder ihn mit angeschwemmten Leichen bewerfen. Klingt grausam? Na, dann zieht euch erst mal die X-Ray-Moves rein, welche in einer Röntgensicht den Schaden eurer Schläge und Tritte äußerst anschaulich in Szene setzen. Es macht vielleicht keinen Sinn, dass die Kämpfer daraufhin mit gebrochenem Rückgrat weiterkämpfen, aber hey es ist Mortal Kombat! Und deshalb kommen wir jetzt auch endlich zu den Fatalities, dem Markenzeichen der Serie. Kaum zu glauben, aber diese sind brutaler denn je. Man sollte meinen, die Möglichkeiten, sein Gegenüber kreativ hinzurichten, seien irgendwann erschöpft, aber bei den NetherRealm Studios sitzt offenbar ein ganz schön kranker Haufen Menschen. Ein Beispiel: Es ist nicht damit getan, dass Scorpion seinem Erzfeind Sub-Zero mit einem Feuerball ein Loch in den Bauch brennt. Nein, um sicherzugehen, dass der auch stirbt, wird noch schnell das ins Loch gerutschte Herz zerquetscht und das Gesicht vom Rest des Kopfes getrennt.

Wir belassen es bei diesem einen Beispiel, um euch den Spaß an der Sache nicht zu verderben, können euch aber noch verraten, dass die uns gezeigte Fatality-Parade das anwesende Publikum mehrfach zusammenzucken und stöhnen ließ.
Wie mittlerweile bekannt wurde, soll es laut Serienvater Ed Boon im fertigen Spiel noch eine weitere Form geben, seinen Gegner im Kampf zu erniedrigen. Was genau damit gemeint ist, ließ er jedoch offen. Eine Rückkehr der Babalities vielleicht? Oder der Animalities? Wer weiß, wer weiß?!

Das ist schlecht

Auch wenn die Fatalities nun fast schon ans Groteske grenzen, sind wir uns sicher, dass das Spiel so nicht nach Deutschland kommt. Es hat sich hierzulande zwar schon viel getan, jedoch sind die äußerst brutalen Manöver reiner morbider Schauwert und lassen sich folglich nicht schönreden. Zeit unserer Kindheit haben wir zwar auch Gegner in Stücke gerissen – angesichts des mittlerweile erreichten, extrem hohen Grades der grafischen Inszenierung purer Grausamkeit, sollte man als Vater jedoch wirklich darauf achten, Mortal Kombat X nicht einfach herumliegen zu lassen.

Mit erweiterter Kämpferriege, drei Kampfstilen pro Figur, interaktiven Arenen und schicker Grafik überzeugt Mortal Kombat auch abseits der allseits beliebten Finishing Moves. Doch auch diese kommen natürlich nicht zu kurz und sind – kaum zu glauben, aber wahr – brutaler als je zuvor.