Das ist gut:

Um es gleich vorwegzunehmen: Der rund sechsstündige Storymodus von „Mortal Kombat 11“ schwingt sich nicht nur innerhalb der Spielreihe zum Kampagnen-Alleinherrscher auf, sondern regiert fortan über das gesamte Beat-'em-up-Genre. Schon Teil 10 bot diesbezüglich viel Unterhaltung, was die Mannen der NetherRealm Studios mit Teil 11 auffahren, ist jedoch hinsichtlich der Inszenierung fast schon kinoreif. Kamera, Schnitte, Vertonung, Mimik, das alles bewegt sich – Trash-Faktor hin, Pathos her – auf einem dermaßen hohen Niveau, dass man fast nicht mehr glauben mag, es mit einem Prügler zu tun zu haben. Spätestens wenn der Film nach einer weiteren epischen Sequenz nahtlos in die Kampfarena übergeht, wisst ihr aber wieder, wo ihr seid.

Vor allem Kennern des Vorgängers wird dabei sofort auffallen, dass die Macher das Spieltempo für Teil 11 spürbar entschleunigt haben. Durch die langsamere Gangart und den Verzicht auf ewig weite Sprints quer durch ellenlange Arenen rücken die Kontrahenten wieder enger zusammen und der Spieler entsprechend näher ans Kampfgeschehen. Ein Schritt, den wir persönlich sehr begrüßen, da der Fokus auf brachialen Nahkampf der Reihe natürlich bestens zu Gesicht steht.

Das Spiel läuft dabei auf Xbox One X und Playstation 4 Pro stets butterweich, wobei die Framerate hüben wie drüben während der Zwischensequenzen zugunsten der Auflösung heruntergeschraubt wird. Wie so oft hat die Xbox One X optisch die Nase vorn, dicht gefolgt von der PS4 Pro. Doch auch die Standardmodelle schlagen sich tapfer und servieren während der Kämpfe eine flüssige Bildrate. Hinsichtlich der Auflösung führt hier wiederum Sony vor Microsoft. Grandios sieht das Spiel, vor allem die toll animierten und enorm detaillierten Kämpfer, aber auf allen Konsolen aus. 

Gänzlich gecancelt wurden die X-Ray-Moves, deren Platz nur der sogenannte „Fatal Blow“ einnimmt. Diese Attacke dürft ihr mit einem simplen Druck auf die beiden hinteren Schultertasten auslösen, sobald eure Lebensenergie einen kritischen Punkt erreicht hat. Gelingt das Manöver, könnt ihr einen verloren geglaubten Kampf mit einem furiosen Angriff drehen, der in früheren Teilen glatt schon als Finisher durchgegangen wäre. So ein Fatal Blow kostet euren Gegner nämlich gut ein Drittel seiner Lebensleiste. Dafür könnt ihr ihn aber auch nur einmal pro Kampf einsetzten. Danebengegangene oder geblockte Fatal Blows dürft ihr aber immerhin nach einer kurzen Wartezeit abermals ansetzen.

Nimmt man nun noch die neuen Offensiv- und Defensiv-Balken hinzu – mit denen ihr entsprechende Manöver stärkt –, die für jeden Kämpfer individuellen Kombos und Spezialattacken, die Brutalities und Finisher, die umgebungsbasierten Angriffe und was sonst noch alles so anfällt, ergibt sich ein äußerst ausgefeiltes Kampfsystem, das von Einsteigern zwar schnell erlernt werden kann, Könnern aber immer noch mehr als genug taktische Komplexität bietet, um sich in die Move-Sets der Figuren förmlich einzugraben. 

Dazu bietet euch „Mortal Kombat 11“ ein ebenso umfangreiches wie vorbildliches Tutorial, das auf wirklich jede Facette des Kampfsystems und sogar auf die möglichen Kombo-Ketten der einzelnen Figuren eingeht. Spätestens in den größtenteils lagfreien Online-Gefechten gegen menschliche Mitspieler werden ihr dieses Wissen dringend brauchen.

Doch auch passionierte Solisten werden spätestens in den „Türmen der Zeit“ so richtig gefordert. Hier stellt ihr euch unter ständig wechselnden und mitunter recht knackigen Bedingungen stets wechselnden Feinden, um Belohnungen abzustauben, mit denen ihr neue Skins, Fatalitys, oder auch Ausrüstung und Upgrades freischalten könnt, um eure Kämpfer umfangreich zu individualisieren. Und hier fangen leider die Probleme an.