„Monster Hunter“ hat sich seit seiner Erstveröffentlichung im März 2004 auf der Playstation 2 zu einem Massenphänomen gemausert, dessen neue Ableger das Zeug haben, eine (tragbare) Konsole quasi im Alleingang zu verkaufen. Zumindest in Japan, wo Schulen geschlossen werden, wenn ein neues „Monster Hunter“ erscheint und Millionen von Pendlern Tag für Tag die U-Bahn-Fahrt zur Arbeit nutzen, um gemeinsam auf die Jagd zu gehen. Am Rest der Welt ist das Jagdfieber indes vergleichsweise spurlos vorübergegangen. Nicht, dass hier niemand „Monster Hunter“ zocken würde, doch die meisten westlichen Spieler scheitern kläglich an der hohen Einstiegshürde und würdigen das Spiel danach keines Blickes mehr. Doch genau das soll sich mit dem neuen „Monster Hunter: World“ nun endlich ändern.

Darum geht’s:

Neue Plattform, neue Welt. Zum Einstand der Reihe auf der aktuellen Konsolengeneration machen sich die Monsterjäger der fünften Flotte auf den Weg, ihren Kollegen bei der Erforschung eines neuen Kontinentes tatkräftig zur Hand zu gehen. Wie es bei Videospielen aber nun mal so ist, endet die gesellige Bootsfahrt in einer Katastrophe. Gleich zu Beginn pulverisiert ein gigantisches Ungetüm die Flotte und nur mit Ach und Krach schafft ihr es ans rettende Ufer.

Von dort kämpft ihr euch schließlich in Third-Person-Perspektive und Begleitung einer Wildexpertin durch die Wildnis in den ersten sicheren Außenposten Astera, wo eure Karriere als Monsterjäger ihren Anfang nimmt. Als erklärtes Hauptziel gilt es herauszufinden, weshalb die sogenannten Drachenältesten – riesige Viecher wie jenes, dass sich eingangs aus dem Meer erhob – alle 10 Jahre eine Völkerwanderung auf eben jenen Kontinent unternehmen, auf den ihr gelandet seid. Bis ihr Licht in das komplexe Ökosystem dieser Welt gebracht habt, müsst ihr es zunächst jedoch erst mal Schritt für Schritt erschließen. Und dazu beginnt ihr ganz unten in der Nahrungskette!

Das ist gut:

Wer „Monster Hunter“ kennt weiß, dass man ein solches Game nicht mal eben so im Vorbeigehen daddelt. Das Spielprinzip erfordert stetes Grinding, da man nicht wie in einem Rollenspiel durch permanente Levelaufstiege stärker wird, sondern nur durch das Verbessern seiner Waffen, Ausrüstung und des eigenen Könnens. Die dazu nötigen Ressourcen und Spielmechaniken muss man sich selber erarbeiten. Der Lohn dafür ist eine beispiellose Suchtspirale aus Forschen, Jagen, Kämpfen und Crafting, die einem gnadenlos in ihren Bann zieht, sobald man den Ereignishorizont erst einmal überschritten hat.

Damit dies auch blutigen Anfängern gelingt, hat Capcom den Titel mit diversen Hilfsmechaniken deutlich einsteigerfreundlicher gestaltet, als die Vorgänger. Ausführliche Tutorials erklären von sämtlichen sammelbaren Ressourcen bis hin zur fortan oft besuchten Schmiede wirklich jeden Aspekt der ausgefeilten Welt. Die Story führt euch zudem behutsam an die über 20 Monstergattungen heran und mit den neuen Spähkäfern habt ihr nun eine Art GPS im Gepäck, welches euch mit zunehmenden Training der lernwilligen Insekten immer präzisere Informationen über die einzuschlagende Route und interessante Objekte mit einem kaum zu übersehenden grünen Leuchten anzeigt.

Profis müssen indes nicht befürchten, mit „Monster Hunter: World“ eine weichgespülte Version ihrer Lieblingsdroge serviert zu bekommen. Jedwede Hilfestellung (außer die Spähkäfer) lässt sich bei Bedarf deaktivieren und die Jagd nach immer größeren Kreaturen ist so anspruchsvoll und motivierend wie eh und je. Das ist vor allem dem ausgebufften Ökosystem geschuldet, welches die Welt verblüffend lebendig macht. Da kann es schon mal passieren, dass euch ein fieser T-Rex artiger Anjanath bei der Jagd auf ein paar harmlose Pflanzenfresser in die Quere kommt, und kurzerhand euch auf den Speiseplan setzt. Das mag anfangs noch einschüchternd wirken, aber mit den aus erlegten Gegnern gewonnen Gegenständen habt ihr irgendwann das Rüstzeug gebastelt, auch einen solchen zahn- und klauenbewehrten Baum zu fällen. Und zur Not sucht ihr euer Heil in der Flucht oder setzt ein Notsignal ab, um andere Spieler zur Hilfe zu rufen.

Das kooperative Spiel ist ein weiterer essentieller Stützpfeiler der Reihe. Mit bis zu vier Gesellen gestaltet sich die Jagd nicht nur einfacher, sondern auch sehr viel spaßiger. Im Idealfall verbündet ihr euch mit eure Kumpels zu einer Jagdgemeinschaft und sprecht euch auf der Pirsch via Chat ab. Denn so richtig zündet „Monster Hunter“ erst dann, wenn ihr gelernt habt, Gegner und Umgebungen zu lesen, wenn ihr das Verhalten der Biester antizipiert und aus dem Füllhorn der Möglichkeiten schöpft, um einen klugen Hinterhalt zu legen. Ein Monster, das sich in einer Falle verheddert hat, lässt sich bequem attackieren, das nächste mit einem vergifteten Stück Fleisch ködern, andere Biester fürchten sich vor Feuer.

Am Ende werdet ihr aber immer kämpfen müssen, wozu ihr aus 14 grundverschieden Waffengattungen wählt. Ähnlich wie ihr das Verhalten der Monster studieren müsst, wollen auch Klinge und Bogen aber erst einmal gemeistert werden. Einfach nur draufhauen ist hier nicht genug, weshalb ihr gut beraten seid, euch früh auf eine Waffe zu spezialisieren, die euch auch nach vielen Stunden Spielzeit immer neue Combos und Möglichkeiten offenbart. Neu diesmal: Aufpoppende Schadenswerte erleichtern die Kämpfe, indem sie euch zeigen, in welcher Körperregion ihr den Feind am besten attackiert. Eine Lebensleiste hat dieser jedoch nicht. Ihr werdet euch also auf eure Sinne, euren Instinkt und eure Erfahrung verlassen müssen.

Ihr seht, es ist ein langer Weg bis an die Spitze. Aber warum auch nicht, wenn die Aussicht dabei so schön ist?! Auf mehreren Karten – die ihr nun ohne Ladezeiten durchstreift – pirscht ihr euch mal durch einen dichten Wald, mal durch eine schroffe Felslandschaft, aber stets durch eine wunderbar und fast schon verschwenderisch detaillierte Welt voller Leben und fantastisch animierter Kreaturen. „Monster Hunter: World“ lädt wie kaum ein anders Spiel zum Verweilen ein und belohnt euren Überlebens- und Lernwillen mit einer ungemeinen Befriedigung, wenn ihr eine turmhohe Bestie nach mehreren Anläufen endlich mit Können und Verstand dann doch erlegt habt. Ob alleine, im Team oder auch mit eurem individualisierbaren und soooooooo megaputzigen Katzen-Begleiter. 

Das ist schlecht:

Leider wird die famose Optik immer wieder durch Clipping-Fehler getrübt. Sei es, dass ihr beim Ausweiden mitten im Kadaver steht, oder dass eure Waffe auf dem Rücken durch den wehenden Umhang blitzt. Schade auch, dass man den Beitritt zu einer Quest von anderen Mitspielern unnötig umständlich über einen Schalter regeln muss. Andere Online-Titel wie „Destiny“ haben unlängst gezeigt, wie es bequemer geht. Zumal „Monster Hunter“ sich seit jeher klar an Koop-Spieler richtet.

Auch das Zeitlimit bei vielen Quests dürfte nicht jedem Zusagen. Doch was das betrifft, scheiden sich wohl die Gemüter je nachdem, wie sehr man mit der Reihe vertraut ist. Freilich gilt das für das gesamte Spiel, denn auch wenn „Monster Hunter: World“ Neulingen die Tür aufhält, wirkt es zu Beginn für den Laien hoffnungslos überladen und äußerst einschüchternd. Der Rat, sicherheitshalber kurz Probe zu spielen, kann bei dem Titel leider kaum Anwendung finden, da viele Stunden vergehen werden, bis sich euch die vielen Mechaniken erschlossen haben. Werft also um Himmels willen nicht die Bogenflinte ins Korn, nur weil es beim ersten Anlauf nicht klappt. Am Ende haben unsere Eltern nämlich recht: Man weiß nur das richtig zu schätzen, was man sich selber erarbeitet hat. 

Monster Hunter World ist ab sofort für Playstation 4 und Xbox One erhältlich. Die PC-Version ist für Herbst 2018 angesetzt.

Opulent inszenierte Monster-Jagd mit enormen Suchtfaktor. Der erste Auftritt auf den großen Konsolen macht Neulingen den Einstieg in die komplexe Reihe so leicht wie noch nie, ohne Profis dabei zu unterfordern. Trotz aller Hilfestellungen gilt: Wer sich nicht die Zeit nimmt, die wunderschöne Welt und ihre fantastisch animierten Kreaturen kennenzulernen, sieht kein Land. Alle anderen versinken für Monate in der Spirale aus anspruchsvollen Kämpfen, lohnenswerten Forschungstrips und dem motivierenden Craften von immer besserer Ausrüstung.