Eine Legende ist zurück. Oder zumindest ein bisschen. Denn zum einen handelt es sich bei Ground Zeroes lediglich um den Prolog zum kommenden Vollpreisspiel The Phantom Pain, und zum anderen müssen wir Abschied nehmen von David Hayter, dem Mann, der Hauptcharakter Snake bisher so ikonisch vertonte. Macht das den neuen Ableger nun schlechter als seine prominenten Vorgänger?

Darum geht’s

Diese Frage wird wohl jeder für sich selbst beantworten müssen. Denn mit Kiefer Sutherland hat zwar jemand die Rolle von Snake – oder genauer: Big Boss – übernommen, der durchaus in der Lage ist zu schauspielern, die überzeichnete Intonation eines Hayter kann oder wollte dieser aber nicht übernehmen. Zudem bietet Ground Zeroes bloß gut eine Stunde Handlung/Spielzeit in nur einem Militärlager, und das zum Preis von 30 Euro. Immerhin werden nach Abschluss der kurzen Story vier weitere Missionen in dem weitläufigen Gelände angeboten, die sich sehr unterschiedlich spielen. Je nachdem, wie effektiv ihr dabei vorgeht, schaltet ihr nach Abschluss unter anderem neue Waffen frei, die ein erneutes Angehen der Missionen interessant machen. Denn neben dem serientypischen Herumgeschleiche lässt sich GroundZeroes mehr denn je auch wie ein Shooter spielen.
Je nachdem auf welchem System ihr zockt, gibt es für fleißige Sammler außerdem eine spezielle Belohnung, in Form einer Bonusmission, die auf den beiden Konsolen unterschiedlich ausfällt. Und was die Handlung betrifft: Kenner wissen, dass es wenig Sinn macht, Serieneinsteigern die komplexe und verwirrende Handlung auch nur im Ansatz zu erläutern. Lasst euch einfach gesagt sein, dass die Geschichte gut ein Jahr nach den Geschehnissen von Metal Gear Solid: Peace Walker spielt und Big Boss' Aufgabe darin besteht, zwei Gefangene aus dem Militärlager Camp Omega zu retten.

Das ist gut

Wie ihr die Rettungsaktion angeht, bleibt euch überlassen. Das Areal ist zwar begrenzt, aber dennoch als offene Welt angelegt, und vermittelt damit schon mal einen guten Eindruck des neuen Spielkonzeptes, welches im großen Stil im kommenden The Phantom Pain verwirklich werden soll. Auch die Steuerung wurde an moderne Maßstäbe angepasst, so dass sich Snake geschmeidiger denn je von Deckung zu Deckung manövrieren lässt. Glücklicherweise müssen sich alte Hasen davon nicht abgeschreckt fühlen, da alle bekannten Manöver immer noch im Gepäck sind.

Lenkt Wachen mit geworfenen Magazinen auf eine falsche Fährte, packt sie von hinten, um sie daraufhin zu verhören, prügelt sie mit den bewährten Close-Quarter-Combat-Manövern nieder, oder betäubt sie mit eurer schallgedämpften Pistole. Neu ist eine Zeitlupe, die automatisch aktiviert wird, sobald eine Wache euch entdeckt. Dann habt ihr einige Sekunden Zeit, noch einen Schuss anzusetzen, bevor der arme Kerl seine Kumpels alarmieren kann. Des Weiteren dürft ihr nun in Fahrzeuge einsteigen, um diese selber zu lenken.

Das ist schlecht

Die Metal-Gear-Solid-Reihe zählt zu den Urgesteinen der Schleich-Spiele. Von daher ist unser gewichtigster Kritikpunkt, dass Ground Zeroes Waffengewalt als Problemlösestrategie zu begünstigen scheint. Es ist so oft so viel einfacher, alles niederzumähen, anstatt sich mühselig voranzupirschen, dass man meinen könnte, es stecke eine gewisse Absicht dahinter. Die Menge an Munition und Waffen plus  Regenerationsfähigkeit auf der einen Seite, ein wegrationalisiertes Radar auf der anderen. Immerhin dürfen Leisetreter Gegner markieren, so dass diese auch hinter Wänden noch sichtbar blieben. Wer sich nun also gängeln lässt und einen auf Rambo macht, ist vielleicht erfolgreich, aber auch selber schuld. Denn einerseits ist vorsichtiges Ausloten und bedächtiges Vorgehen sehr viel spannender, und andererseits streckt man so nicht unwesentlich die ohnehin schon knappe Spielzeit.
Zum Abschluss bleibt festzuhalten, dass Ground Zeroes beileibe nicht schlecht aussieht, wir uns von einem Spiel von Entwicklerlegende Hideo Kojima in technischer Hinsicht jedoch einen größeren Wow-Effekt erhofft hatten.
Und wie gesagt: Der Verzicht auf David Hayter ist sicherlich Geschmackssache, uns fehlt er allerdings sehr und wenn sich der Herr Sutherland auch noch so bemüht.

Ground Zeroes ist bloß eine teure, kleine Vorspeise, bevor mit The Phantom Pain das ganze Menü aufgetischt wird, macht aber genau das, was es soll: nämlich Hunger auf mehr! Wer sich darauf einlässt, bekommt trotz veränderter Steuerung und neuem Hauptdarsteller gewohnte Metal-Gear-Solid-Kost, wenngleich die Spielmechanik Waffengewalt zu begünstigen scheint.