Fünf Jahre ist es nun schon her, seit die Reise von Commander Shepard und der Crew der Normandy ein umstrittenes Ende fand. Klingt nach einer verdammt langen Wartezeit auf ein neues Spiel, aber was sind schon fünf läppische Jahre im Vergleich zu der über 600 Jahre währenden Odyssee, welche die Protagonisten von ‘Mass Effect: Andromeda’ auf sich nehmen mussten? Ob sich die lange Reise gelohnt hat, verrät euch unser Test.

Darum geht's:

Zur Zeit der Geschehnisse von ‘Mass Effect 2’, machen sich vier Archen mit jeweils 20.000 Siedlern auf den Weg in die nächstgelegene Galaxie Andromeda. Jeder mag dabei seine eigenen Gründe gehabt haben, sich dem gigantischen Vorhaben der Andromeda-Initiative anzuschließen, doch allen gemein ist der Wunsch, ein neues Leben in einer neuen Heimat zu beginnen. Von der Erde aus gesehen, erschien der Heleus-Cluster mit einer Handvoll bewohnbarer Planeten diesbezüglich als äußerst vielversprechend.

Im Laufe eines 600 Jahre andauernden Cryo-Schlafes kann sich allerdings so einiges ändern, sodass die Arche der Menschen, kaum angekommen, gleich erst mal havariert. Von da an häufen sich die Probleme, die alle von einer Person gelöst werden wollen: dem Pathfinder. Ein Job, der recht früh im Spiel als Vermächtnis eures Vaters an euch, wahlweise als Sarah oder Scott Ryder, übergeht. Euer übergeordnetes Ziel ist dabei, in der Andromeda-Galaxie eine neue Heimat für euer Volk zu finden. Ein Unterfangen, dem neben einer Vielzahl anderer Unwägbarkeiten, die eine Mission dieses Ausmaßes mit sich bringt, vor allem eine äußerst schlecht gelaunte Alien-Rasse namens Kett im Weg steht. Aber hey: No Pressure!

Das ist gut:

Im Gegensatz zu Commander Shepard seid ihr zu Beginn noch kein geschulter Soldat oder gar Anführer. ‘Andromeda’ macht euch zunächst einmal zum Forscher und Entdecker, und zu forschen und zu entdecken gibt es so einiges. Nachdem ihr den zähen Einstieg hinter euch gebracht habt und endlich an Bord eures neuen Schiffes gegangen seid, öffnet sich eine brandneue und riesige Galaxie, die mit Haupt- und Nebenquests förmlich um sich wirft.

Während sich einige davon Bioware-typisch über Dialoge lösen lassen, die nun maximal vier statt wie zuvor lediglich zwei Antwortoptionen bieten, werdet ihr spätestens bei der Erkundung der teils enorm ausladenden Planeten zur Waffe greifen müssen. Jene wollen nämlich zunächst über außerirdische Terraforming-Technologie bewohnbar gemacht werden, was den erwähnten Kett jedoch so gar nicht passt.

Das Kampfsystem gestaltet sich dabei um einiges dynamischer als das der Vorgänger. So könnt ihr jederzeit über das Menü zwischen sieben möglichen Kampfprofilen wechseln, welche im Prinzip Charakterklassen entsprechen, und dank eures Jetpacks den Kampf auch in die Vertikale verlegen. Dank der vielen erlernbaren und stufenweise aufwertbaren Fertigkeiten in den Bereichen Kampf, Tech und Biotik, des umfangreichen Arsenals und des etwas unhandlichen Crafting-Systems für neue Waffen, Rüstungen und Modifikationen, steht es dem Spieler dabei frei, in welche Richtung spezialisiert er seinen ganz persönlichen Ryder ins Feld führt.

Doch wie bereits erwähnt, ist der Kampf nur ein Teil des facettenreichen Spielerlebnisses. Mindestens ebenso viel Zeit werdet ihr mit Gesprächen verbringen, um die Beziehung zu eurer Crew zu festigen oder Einblick in die Beweggründe der vielen NPCs zu bekommen. Ihr werdet mit eurem coolen – und diesmal auch gut zu steuernden – NOMAD-Gefährt über Planetenoberflächen brettern, um fürs Crafting benötigte Materialen abzubauen oder die Flora und Fauna zu archivieren und euch begleitet von atmosphärischen Klängen in den wunderschönen Bildern der Sternenkarte eines fremden Universums verlieren. Ihr könnt aber auch mit euren Kumpels online spezielle Koop-Missionen absolvieren, um dabei Belohnungen für das Hauptspiel freizuschalten. So ihr euch denn auf ‘Mass Effect: Andromeda’ einlasst!

Das ist schlecht:

Und das ist angesichts der vielen Schwächen des Titels zuweilen gar nicht so einfach. Selbst wenn man sich von den überbordenden Erwartungen frei macht, welche der Nachfolger einer von der Spieler-Community glühend verehrten Rollenspielreihe zwangsläufig weckt, bleibt unterm Strich ein lediglich „gutes“ Rollenspiel übrig. Und das ist für ein ‘Mass Effect’ leider zu wenig.

Keine Frage, mit ‘Andromeda’ wird man sich über Wochen wunderbar beschäftigen können, doch es wird die Fan-Gemeinde spalten. Zwar handelt es sich ausdrücklich um einen Neuanfang, der, was die Story betrifft, sogar äußerst clever und schlüssig thematisiert wird, doch das legitimiert natürlich keinen technischen Stillstand oder gar inhaltlichen Rückschritt.

Das fängt bei den Animationen und der Mimik der Figuren an, die erschreckenderweise qualitativ mit denen des Erstlings zu vergleichen ist. Und der hat immerhin 10 Jahre auf dem Buckel. Gepaart mit den teils ungünstig gewählten deutschen Sprechern und für einen Bioware-Titel ungewohnt platten Dialogen, werden tiefe Dellen in die ansonsten dichte Atmosphäre geschlagen, die man sich in der Prä-‘Witcher 3’-Zeit einfach nicht mehr erlauben kann, möchte man sich einen AAA-Titel nennen lassen.

Spielerisch können wir mit dem dumpfen Scannen der Planeten und auf Dauer eintönigen Nebenaufgaben durchaus leben. Genervt hat uns jedoch das automatische Deckungssystem, welches einen besonders zu Anfang immer wieder mitten auf dem Schlachtfeld dumm dastehen lässt. Warum nicht einfach per Knopfdruck dem Spieler die Kontrolle überlassen? Zudem hat man zwar immer zwei KI-Buddys an seiner Seite, denen man jedoch nur äußerst rudimentäre Befehle erteilen und entsprechend kaum taktisch gezielten Nutzen von deren Fähigkeiten machen kann. Allerdings ist dies auch nicht nötig, denn wirklich fordernd sind die Gefechte eh nie.

Im direkten Systemvergleich zwischen den Konsolen hat die Playstation Pro erwartungsgemäß in Sachen Auflösung die Nase vorn, während es zwischen der Playstation 4 und Xbox One kaum sichtbare Unterschiede gibt. Auffallend ist, dass auf beiden Konsolen Texturen und Objekte oft verzögert geladen werden und es beiden nicht gelingt, 30 Bilder pro Sekunde zu liefern, sodass es immer wieder zu Einbrüchen in der Framerate kommt.

‘Mass Effect: Andromeda’ ist ab dem 23.03.2017 für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich!

Der Beginn einer beschwerlichen Reise! ‘Mass Effect: Andromeda’ präsentiert sich als ausladendes Sci-Fi-Epos, welches vor allem Forschernaturen bestens unterhalten wird. Neben unzeitgemäßer Technik und inhaltlichen Schwächen hat das Rollenspiel jedoch vor allem mit seinem großen Erbe zu kämpfen, dem es leider nicht gerecht werden kann. Wer ‘Andromeda’ jedoch als den Neuanfang versteht, der es sein möchte, kann sich abermals über Wochen in den atmosphärischen Weiten des Alls hoffnungslos verlieren.