Der wie immer bierernste Captain America kämpft Seite an Seite mit dem jovialen Dante aus Devil May Cry. Hulk tut sich mit Street Fighter Ryu zusammen, um Chris Redfield zu verdreschen, während Spider-Man darauf wartet, dem Resident Evil-Veteranen zur Hilfe zu eilen. Was hier zunächst nach einer Szene aus einem feuchten Nerd-Traum klingen mag, hat im Prügelspielsektor tatsächlich Tradition. Wir mussten zwar ganze sechs Jahre auf einen neuen Teil warten, aber dafür kracht es bei der Kollision der zwei Universen in „Marvel vs. Capcom: Infinite“ umso gewaltiger!

Darum geht’s:

Marvel vs. Capcom steht seit 1996 für krachige 2D-Beat-'em-ups, bei denen es an allen Ecken und Enden funkt, blitzt und scheppert. Seinerzeit gingen noch die X-Men auf die Street Fighter los, in der aktuellen Inkarnation könnt ihr dagegen aus 30 mal mehr, mal weniger namhaften Helden aus der gesamten Bandbreite der umfangreichen Marvel- und Capcom-Universen wählen. Natürlich bringt jeder sein eigenes, teils abgedrehtes Manöverset mit zur Prügelparty, bei der immer zwei Figuren im Tag-Team antreten.

Neben den obligatorischen Modi „Arcade“ und „Versus“, in denen ihr on- oder offline andere Spieler oder einfach nur die KI verkloppt, absolviert ihr bei „Missionen“ eine Art Tutorial und trainiert daraufhin euer Können im Dojo. Dazu liefern uns die Macher noch einen dezent trashigen Story-Modus, im Zuge dessen ihr Hand an jede Figur legen dürft, um am Ende den fiesen Obermufti Ultron Sigma aus seiner Dose zu kloppen.

Das ist gut:

Wenn Iron Man während einer Story-Zwischensequenz auf Ghost-'n-Goblins-Ritter Arthur trifft, und mutmaßt, dass dieser mit seiner langen Lanze etwas zu kompensieren versucht, zaubert uns das unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht. Ja, es ist schräg, die beiden Universen aufeinandertreffen zu lassen, aber irgendwie funktioniert die Nummer und strahlt dabei enorm viel abstrusen Charme aus.

Entsprechend abgedreht geht es dann auch bei den Kämpfen zu. Wenn Rocket Racoon mit seiner dicken Gatling Gun auf den mit einem Raketenwerfer bewaffneten Nemesis losgeht, entzündet sich ein Effektgewitter sondergleichen. Dank der eingängigen Steuerung zaubern dabei auch Anfänger schnell derart wilde Hitpoint-Kapriolen auf den Bildschirm, dass Zuschauern garantiert nicht langweilig wird.

Die verschiedenen Figuren sehen dabei richtig schick aus, sind ihrer Rolle entsprechend animiert und verleiten dank ihrer individuellen Spezialfähigkeiten zu immer neuen Team-Konstellationen.
Über die brandneuen – aus dem Marvel-Kosmos entliehenen – Infinity-Stones kommt zudem eine weitere taktische Komponente ins Spiel.

Vor jedem Kampf entscheidet ihr euch für einen der sechs Steine, die euch im Kampf kurzzeitig spezielle Buffs gewähren, sobald ihr die entsprechende Infinity-Leiste aufgeladen habt. Der Space-Stone sperrt Gegner beispielsweise in einen Energiekäfig ein, während der Power-Stone unsere Kampfkraft erhöht. Klingt ein bisschen nach einem gewissen Dreamcast-Klassiker, ist aber mit Blick auf die Avengers-Franchise eine naheliegende und vor allem spaßige Idee.

Das ist schlecht:

Eines gleich vorweg: Ein Story Modus, in dem Marvel- und Capcom-Helden Seite an Seite gegen einen Mixbösewicht aus beiden Welten antreten, klingt sehr viel witziger, als es am Ende geworden ist. Tatsächlich hat sich die Kampagne nach den ersten paar markigen Sprüchen der Helden recht schnell abgenutzt und lässt Witz und Einfallsreichtum vermissen.

Ein Vorwurf, den sich auch die Charakterauswahl gefallen lassen muss. Wirklich originelle Überraschungen werdet ihr hier nicht finden, was nicht zuletzt dem geschrumpften Kader geschuldet ist. Der Vorgänger führte immerhin noch ganze 50 Kämpfer ins Feld. Noch müder sieht es in Sachen Stage-Auswahl aus. Nicht nur, dass die Anzahl an unterschiedlichen Arenen enttäuschend klein ausfiel, die vorhandenen sind auch noch recht steril und leblos gestaltet worden. Zudem störten wir uns dabei an dem zu klaren Fokus auf das Marvel-Universum.

Profi-Spieler werden das vereinfachte Kampfsystem zudem weit weniger zu schätzen wissen als all die Gelegenheitsspieler und Anfänger, für die es konzipiert zu sein scheint. Trotz der neuen Infinity-Stones mangelt es hier an Tiefe, so dass „Marvel vs. Capcom: Infinite“ eher für einen feuchtfröhlichen Partyabend taugt als für ernsthafte Wettbewerbe. Aber das passt ja irgendwie zum anarchischen Charme.

"Marvel vs. Capcom: Infinite" ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.

Zwei Universen kollidieren in einem knallbunten Effektgewitter. „Marvel vs Capcom: Infinite“ präsentiert sich als frecher Crossover-Prügler mit prominentem Figurenkader, viel Krach-Bumm und einer ganzen Menge Party-Potential. Die eingängige Steuerung ermöglicht es auch Anfängern, den Bildschirm erbeben zu lassen, Profis mangelt es hingegen an Tiefe.