Die Kämpfe werden bewertet und mit Erfahrungspunkten belohnt – je abwechslungsreicher wir dabei zu Werke gehen, desto höher die Ausbeute. Mit den verdienten Punkten schalten wir dann neue Fähigkeiten für unsere Teammitglieder frei, um unser Aktionspotential noch mehr zu erweitern.

Doch so vielseitig all das nun auch klingen mag: Die Tiefe und Eleganz eines „God of War“ erreicht das Kampfsystem zu keinem Zeitpunkt. Stellt es euch eher wie bei den alten „Tomb Raider“-Teilen vor. Nur eben angereichert mit einem Schwung Sci-Fi-Attacken – und vor allem dem „Huddle“!

Dabei handelt es sich um eine Art Einsatzbesprechung, die wir mitten im Kampf einberufen können, wenn wir durch den Einsatz der Teamfähigkeiten einen Balken gefüllt haben. Die Guardians erklären uns daraufhin knapp, wie ihnen zumute ist, wobei die wichtigsten Schlagwörter im Hintergrund eingeblendet werden. Nun haben wir die Wahl zwischen zwei Antworten, um das Team entweder zu erden oder zu motivieren.

Treffen wir die richtige Wahl, werden sämtliche Guardians gebufft – und profitieren von diversen Boni im Kampf. Halten wir dagegen eine unpassende Ansprache, werden zwar immer noch eventuell ausgeknockte Teammitglieder wiederbelebt, jedoch erhält nur Quill einen Kampfvorteil.

Besonders cool: So oder so wird daraufhin ein zufällig ausgewählter Song aus Peters Tracklist eingespielt. Und zu „Holding Out for a Hero“ oder „The Final Countdown“ kämpft es sich doch gleich doppelt so schön.

Grafisch macht „Guardians of the Galaxy“ auf der Xbox Series X eine äußerst schicke Figur. Insbesondere die Charaktermodelle und deren ausdrucksstarke Mimik wissen zu gefallen. Wie so oft habt ihr die Wahl zwischen einer flüssigen Bildrate bei niedrigerer Auflösung, oder die volle Grafikpracht bei niedrigerer Bildrate.

Leider sind uns immer wieder Bugs untergekommen, die dazu führten, dass wir den letzten Speicherpunkt neu laden mussten: Mal wollte eine Sequenz einfach nicht starten, mal konnten wir einen Kampf nicht abschließen, weil die Gegner verschwunden waren. Ansonsten präsentiert sich das Spiel jedoch in einem angenehm sauberen Zustand.

Die deutsche Synchro ist zwar nicht immer lippensynchron geraten, aber insgesamt äußerst gelungen ausgefallen. An die Qualität der englischen Sprecher reicht es aber dennoch nicht heran, denen es deutlich besser gelingt, die Figuren charakterlich voneinander abzuheben, was insbesondere am Beispiel von Rocket deutlich wird.

Außerdem möchte man die Verantwortlichen der deutschen Übersetzung förmlich ohrfeigen, dass diese stets von den „Wächtern der Galaxie“ sprechen lassen, anstatt den Teamnamen beim wesentlich klangvolleren „Guardians of the Galaxy“ zu belassen – immerhin heißt das Spiel so. Mal abgesehen davon, dass ein gewisser dunkler Ritter ja auch nicht erklärt: „Ich bin Fledermausmann“, um nur eines von vielen möglichen Beispielen zu nennen.

Fazit:

Selten passte der Orden „Ganz großes Kino“ so gut an ein Spielrevers, wie im Falle von „Guardians of the Galaxy“. Hinsichtlich der verbalen Interaktionen unter den Figuren werden hier ganz neue Maßstäbe gesetzt, die Story unterhält von der ersten Minute an, der Soundtrack ist vielleicht der beste der Videospielgeschichte und auch Technik und Umfang des reinen Soloabenteuers wissen zu gefallen. Selbst wenn es spielerisch eher altbacken und mitunter gar etwas holprig zugeht, kann man den Machern für ihren Mut, ein Spiel zu veröffentlichen, das voller Selbstbewusstsein mit so vielen modernen Konventionen bricht, nur gratulieren. Bitte mehr davon!

„Guardians of the Galaxy“ ist für PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series, Nintendo Switch (Cloud Version) und PC erhältlich.