Das ist gut:

Die anfängliche Skepsis, ob der neuen Gesichter und Stimmen, blieb glücklicherweise unberechtigt. Von Minute eins an fühlten wir uns als Mitglied eines weiß Gott nicht harmonischen, dafür aber äußerst organischen Teams. Das liegt vor allem daran, dass „Guardians of the Galaxy“ hinsichtlich der verbalen Interaktion unter den Figuren gänzlich neue Maßstäbe setzt.

Die Guardians quatschen quasi ununterbrochen miteinander und reagieren in einem erstaunlichen Maße auf unsere Handlungen als Spieler. Weichen wir auf der Suche nach Sammelkrams von der vorgesehenen Route ab, wird dies spöttisch kommentiert. Und zwar nicht immer wieder mit den gleich Textfetzen, sondern stets der Umgebung und Situation angepasst. Selbst die Konflikte der Mitglieder untereinander und mit sich selbst werden unterwegs oder zwischen den Levels im Guardians-Schiff „Milano“ elegant eingewoben. Irre!

Der Vorlage entsprechend steht dabei natürlich der Humor im Vordergrund, der, von ein paar platten Wortspielen einmal angesehen, auch tatsächlich so gut rüberkommt, dass wir immer mal wieder laut lachen mussten. Doch auch ernstere Töne anzuschlagen, scheut sich das Autorenteam von „Guardians of the Galaxy“ nicht, dem ein enorm unterhaltsamer, wenn auch nicht sonderlich überraschender Plot gelungen ist, der uns die gesamte Spielzeit von etwa 20 Stunden über gefesselt hat.

Gehabt hat uns das Spiel bereits mit dem Auftakt, welcher als Rückblende aus der Sicht eines jungen Peter Quill in seinem Jugendzimmer im Keller des Hauses seiner Mutter stattfindet. Mit dem Kopfhörer unseres Walkmans lauschen wir den Heavy-Metal-Klängen der eigens für das Spiel erfundenen Band „Star Lord“, blättern durch deren Songbooklet, welches sämtliche Texte enthält, und lesen sogar eine fiktive Rezension im „Rolling Stone“. Wandern wir schließlich durch das Zimmer, können wir uns an all den Anspielungen an die guten alten 80er-Jahre gar nicht sattsehen.

Auf der Milano steht uns außerdem der vielleicht beste Spielesoundtrack aller Zeiten zur Verfügung, ertönen dort doch Songs von KISS, Bonnie Tyler oder sogar Wham! und den New Kids on the Block. In bestimmten Sequenzen lauschen wir den Titeln auch außerhalb dieses Hubbereiches, jedoch hätten wir uns gewünscht, auch in den Missionen den Walkman jederzeit einschalten zu können. Dann würden wir aber natürlich die Dialoge verpassen, was leider oft genug ungewollt passiert, da diese immer mal wieder abgehakt werden, wenn wir einen bestimmten Punkt im Level erreichen, oder eine Handlung ausführen, die einen weiteren Dialog triggert.

Spielerisch geht es deutlich bemühter und eher konventionell zu. Gerade zu Beginn laufen wir erstaunlich lange herum und erforschen teils ellenlange Korridore, ohne dass allzu viel passiert. Dabei steuern wir stets Quill und können den restlichen Guardians Anweisungen geben. Gamora zerschneidet mit ihrem Sci-Fi-Schwert Kabel, Drax schleppt schwere Brocken beiseite oder zertrümmert Wände, Groot lässt Brücken wachsen, Rocket kriecht durch enge Gänge und hackt Schalttafeln.

Die Umgebungsrätsel sind schnell durchschaut und der Weg bleibt stets linear. Gibt es eine Abzweigung, führt diese lediglich zu sammelbaren Ressourcen oder zu Kisten, in denen sich neue Kostüme verbergen. Mit Ersteren könnt ihr Peters Ausrüstung verbessern, um beispielsweise mehr Treffer einstecken zu können, die Zeit nach einem gut getimten Ausweichmove zu verlangsamen oder besonders durchschlagskräftige Blasterschüsse aufzuladen.

Während wir im Zuge der vielen Erkundungspassagen von Gegnern nicht behelligt werden, finden die Kämpfe meist in Bereichen statt, die klar als Arena zu erkennen sind – nicht unbedingt ein Paradebeispiel in Sachen Leveldesign. Auch hier bleiben wir stets bei Star-Lord, dem neben seinen Blastern auch die Raketenstiefel wertvolle Dienste leisten. Mit einer etwas störrischen Lock-On-Funktion pumpen wir die Gegner vom Boden oder aus der Luft mit Salven voll, verprügeln sie mit Nahkampfattacken oder beharken mit Elementarschüssen gezielt ihre Schwachstellen.

Das Team befehligen wir über ein zweistufiges Ringmenü, über welches wir zunächst die Figur und dann eine der bis zu vier Fähigkeiten auswählen. Klug ist, wer hier kombiniert: So verfügt Rocket zum Beispiel über das Manöver, Feinde mit einer Art Magnetbombe an einem Ort zu konzentrieren. Lasst ihr Groot oder Drax dann an genau dieser Stelle einen mächtigen Flächenangriff ausführen, ist der Schaden entsprechend groß. Aufgrund der Abklingzeiten der Fähigkeiten ist ein gewisses Maß an taktischer Planung also hilfreich.

Leider arten die Kämpfe gerne mal im Chaos aus, da ihr bei all den Menüs und Anzeigen mitunter gar nicht mitbekommt, dass ihr selber attackiert werdet. Es dauert etwas, bis man sich eingegroovt hat, dann aber profitieren die im Kern simplen Kämpfe von der zunehmenden Aktionsvielfalt. So weist man Teammitglieder bald gezielt an, markierte Umgebungsobjekte auf den Feind zu schleudern oder führt unter gewissen Bedingungen äußerst effektive Team-Kombos aus.