Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass Mario Party nur was für Kinder sei. Immerhin wird hier nicht geballert, es spritzt kein Blut und verbreitet ganz allgemein den Charme eines netten kleinen Würfelspieles. Doch weit gefehlt: Jeder Volljährige, der jemals mit einem Schwung Kumpels schon mal eine Session Mario Party absolviert hat, weiß, dass Bowser, Peach und Lugi auch mit einer Kiste Bier ganz gut funktionieren.

Darum geht's

Mit dem nunmehr zehnten Teil landet die beliebte Minispiel-Sammlung nun auch endlich auf der Wii U und hält sich eng an das Regelwerk des Vorgängers aus dem Jahr 2012. Das dürfte Kennern der Serie nicht unbedingt gefallen, sitzt ihr beim Weg über die fünf Spielbretter doch abermals in einem Boot. Soll heißen, dass die Avatare aus der illustren Nintendo-Riege alle gemeinsam in einem Fahrzeug über das Feld ziehen, nachdem der aktuelle Spielführer gewürfelt hat. Dieser legt auch den Weg an Abzweigungen fest, und kann den Verlauf des Spieles mittels gezielter Würfe zu seinem Gunsten festlegen, indem er dank der Ereignisfelder seinen bis zu drei Mitspielern ordentlich eines auswischt, oder eines der launigen Minispiele auslöst. Trefft ihr in den verschiedenen Themenwelten auf die dazu passenden Mittel- und Endgegner, ist allerdings Teamwork angesagt, um weiter voranzukommen. Wer am Ende der gut 30 Minuten am meisten Ministerne gesammelt hat, gewinnt. Soviel zum Partymodus, doch Mario Party 10 bietet ja noch mehr.

Das ist gut

Der „Bowser Party“ getaufte Modus wurde exklusiv für das Wii-U-Gamepad designt. Ein Spieler übernimmt darüber die Kontrolle über die große Echse, während vier weitere mit ihren Remotes in die Rollen der Helden schlüpfen. Diese befinden sich auf der Flucht und sammeln diesmal keine Münzen, sondern Herzen, um ihre Lebensenergie zu regenerieren, welche der fiese Bowser-Spieler ihnen mit Stampfattacken und Feueratmen in den Minispielen immer wieder zu entziehen versucht.
Dann haben wir da noch die „amiibo Party“, ganz im Sinne von Nintendos ambitioniertem Sammelfigurenkonzept à la Skylanders. Wer also eine der unterstützten neun Figuren (Mario, Luigi, Toad, Peach, Yoshi, Wario, Donkey Kong, Bowser, Rosaline) über das NFC-Feld des Gamepads registriert, aktiviert eine entsprechende Themenwelt in Form eines kleinen Spielbrettes, welches (alte Hasen aufgemerkt!) wiederum nach den alten Regeln funktioniert. Soll heißen: Jeder zieht für sich, das Spielfeld ist kreisrund angelegt, und man sammelt wieder Münzen. Eine nette Dreingabe, die jedoch einen großen Haken hat.

Das ist schlecht

Mal abgesehen davon, dass die „amiibo Party“ logischerweise den Erwerb einer entsprechenden Figur voraussetzt, muss jeder Spieler seinen amiibo vor jedem (!) Zug immer wieder neu registrieren, was den Spielfluss erheblich ausbremst, und ganz einfach tierisch nervt. Doch dass man in Sachen Steuerung den zehnten Teil nicht zu Ende gedacht hat, zeigt sich auch im gesamten Rest des Spieles, da die an sich äußerst mannigfaltigen Möglichkeiten der Konsole, mit seiner Spielwelt zu interagieren, nur angekratzt werden. Weder Motion Plus noch der Pro Controller werden unterstützt – und selbst das Wii-U-Gamepad kommt nur in der „Bowser Party“ zum Einsatz.
Grafisch ist die Reihe zwar nun endlich im HD-Zeitalter angekommen, doch trotz des an sich unverwüstlichen Nintendo-Charmes kommt die Präsentation recht altbacken daher, und man vermisst einen frischen Wind, der dem Einstand auf einer neuen Konsole angemessen wäre.

Würfelglück, Bowser und amiibo: Im Kern launige Minispielsammlung mit Brettspiel- und Nintendo-Charme, die in Sachen Steuerung und Präsentation hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Dennoch ist auch Mario Party 10 wieder ein Rettungsring für maue Abende im Kreise guter Freunde. Partyspaß ist garantiert!