Es ist jetzt nicht unbedingt so, dass ‘GTA’ ein Monopol auf Open-World-Spiele mit Gangster-Thematik hat. Doch bisher ist es noch keinem Genre-Vertreter gelungen, dem Klassen-Primus seinen Platz an der Spitze auch nur ansatzweise streitig zu machen. Dann wurde die Entwicklung von ‘Mafia III’ bekanntgegeben und am Horizont erschien ein wütender Hüne, der sich anschickte, den König vom Thron zu stoßen. Mit jeder neuen Information zu dem Rache-Epos trat der übellaunige Antiheld ein Stückchen weiter aus dem Nebel und das nach hochwertiger Unterhaltung gierende Volk jubelte ihm zu. Nun wütet Lincoln Clay bereits seit einigen Tagen auf Konsolen und PCs. Zeit also, euch zu verraten, wie der Kampf um die Open-World-Krone ausgegangen ist.

Darum geht's:

Wir schreiben das Jahr 1968 und befinden uns in New Bordeaux. Eine Stadt, die ebenso wenig zufällig an New Orleans erinnert, wie Liberty City an New York. Doch während sich die Konkurrenz dem Zynismus verschrieben hat und die Realität parodiert, haut uns ‘Mafia III’ die geballte Ladung Rassismus um die Ohren, welcher zu dieser Zeit noch nicht als verpönt galt und von der herrschenden weißen Kaste offen ausgelebt wurde. Für Lincoln Clay, in dessen dunkle Haut wir schlüpfen, bitterer Alltag. Als hätte man als frisch aus Vietnam zurückgekehrter Soldat nicht schon genug mit Anfeindungen in der eigenen Heimat zu kämpfen. Doch im Schoße der Adoptivfamilie lässt es sich trotz allem aushalten und so verfällt Lincoln schnell wieder in die kriminellen Verhaltensmuster, die sein Leben vor dem Krieg bestimmt haben. Als dann aber die italienische Mafia alle Menschen tötet, die Lincoln jemals etwas bedeuteten, erwacht in ihm wieder der knallharte Special-Forces-Soldat, für den es fortan nur ein Ziel gibt: Rache! Selbst wenn das bedeutet, die ganze verdammte Stadt in Blut und Chaos zu ertränken!

Das ist gut:

Der Vergleich mit GTA bezieht sich nicht bloß auf das Thema, sondern auf das gesamte Gameplay. Soll heißen, ihr seid bei ‘Mafia III’ in der Third-Person-Ansicht ebenso oft zu Fuß, wie mit dem Wagen unterwegs, ballert euch mit diversen Krachmachern aus der Deckung heraus durch Gegnerhorden, leistet euch wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei und springt in der frei zu erkundenden Stadt von Haupt- zu Nebenmissionen. Dabei nehmt ihr die New Bordeaux Stück für Stück, Viertel für Viertel, ein, um euren Feind zu schwächen und dessen kriminelle Führungsriege durch eure eigenen Leute zu ersetzten. Darunter unter anderem: Vito Scaletta, den Kenner der Reihe noch aus dem Vorgänger kennen. Eure Verbündeten versorgen euch zudem jederzeit mit Waffen, Autos oder auch einen Schlägertrupp und gewähren diverse Boni, sobald ihr ihnen die Kontrolle über eine eroberte Gegend übertragt.
Klingt jetzt alles nicht sonderlich originell, doch die Art und Weise, wie ‘Mafia III’ seine Geschichte erzählt, ist eine Klasse für sich. Mit diversen Rückblenden, Einspielern von Interviews, die nach der eigentlichen Handlung aufgezeichnet wurden, cineastisch in Szene gesetzten Zwischensequenzen, sowie den glaubwürdigen Dialogen und Persönlichkeiten schaffen die Macher eine ungemein dichte Atmosphäre, von der sich so mancher Blockbuster eine dicke Scheibe abschneiden kann. Gespickt mit originalen TV-Aufnahmen von damals, den vielen lizensierten Songs einer grandiosen Musikepoche und scheinbar beiläufigen Gesprächen unter Passanten über das aktuelle Zeitgeschehen, setzt ‘Mafia III’ einem unverbrauchten Setting ein gelungenes digitales und vor allem ungeschöntes Denkmal.
Es gehört Mut dazu, in einem Videospiel, das nicht mit Gewalt geizt, heikle Themen so offen anzusprechen, wie es bei ‘Mafia III’ der Fall ist! Doch den Entwicklern Hangar 13 gelingt der erzählerische Spagat, Lincolns brutales Vorgehen vielleicht nicht zu rechtfertigen, aber doch zumindest irgendwie verständlich zu vermitteln. Und die Mühe machen sich weiß Gott nicht viele Spiele!

Das ist schlecht:

So sehr uns die Story gefesselt hat, so austauschbar empfanden wir die Nebenmissionen. Nach einem fulminanten Start fühlt es sich an, als werde das Spiel damit künstlich gestreckt. Was ja auch in Ordnung wäre, wenn es sich dabei nicht immer wieder um die gleichen, repetitiven Aufgaben handeln würde. Und um den Vergleich abermals zu bemühen: Im Sprint kann ‘Mafia III’ vielleicht mit ‘GTA V’ mithalten, aber im Marathon zieht Lincoln Clay gegen Trevor Phillips eindeutig den Kürzeren. Das liegt vor allem daran, dass die Stadt in ‘GTA V’ der Hauptdarsteller ist, in ‘Mafia III’ dagegen eher eine etwas zu leblose Kulisse. Auch in grafischer Hinsicht macht Los Santos eine wesentlich bessere Figur, obwohl New Bordeaux deutlich kleiner ausfällt. Es mangelt an Weitsicht, die Reflexionen auf dem Lack der Autos wirken unnatürlich trüb und nicht zu übersehende matschige Texturen stellen sich erst spät scharf. Und obwohl die darstellerische Leistung der Schauspieler überzeugt, wirken die Gesichter der Figuren für unseren Geschmack zu maskenhaft.

Mafia III ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich!

Blutiges Rache-Epos in einem unverbrauchten Open-World-Setting. ‘Mafia III’ fährt trotz vermeintlich banaler Geschichte erzählerisch und inszenatorisch schwere Geschütze auf und überzeugt mit dichter Atmosphäre und einem genialen Soundtrack! Leider mangelt es auf Dauer an Abwechslung und auch technisch macht man gegen den großen Konkurrenten ‘GTA V’ keinen Stich.