Jedem, der auch nur ansatzweise ein Faible für Endzeit-Szenarien hat, sollte … nein, IST Mad Max ein Begriff. Insbesondere der zweite Teil der Filmreihe definierte ein Genre und wird bis heute gerne und oft zitiert. Nachdem der letzte Teil der ursprünglichen Trilogie im Jahre 1985 in den Kinos lief, sollten satte 30 Jahre vergehen, bis der Rächer mit 'Fury Road' einen würdigen Nachfolger erhielt. Und endlich auch ein lizenziertes Videospiel. Zwar hat der hier getestete Titel inhaltlich keinen direkten Bezug zur Neuauflage, orientiert sich sogar eher an den Originalen, doch es spielt im gleichen Universum und hat mit Max Rockatansky als Hauptfigur  auch die gleiche, schmutzige Seele.

Darum geht es:

Die Welt in Mad Max ist bekanntlich am Arsch. Kein Wunder also, dass man hier schnell an den Falschen gerät. Und so macht unser Protagonist auch gleich zu Beginn des Spieles Bekanntschaft mit Scabrous Scrotus, dem wohl mächtigsten Warlord dieser verkommenen Zeit, der Max halbtot geprügelt in der Wüste des Ödlandes zurücklässt.
Max wäre aber nun mal nicht Mad Max, wenn der Wunsch nach Rache ihn nicht immer wieder am Leben erhielte. Seines ikonischen Interceptors beraubt schleppt er sich voran und trifft bald auf den genialen Mechaniker Chumbucket. Der etwas aus der Form geratene Knabe verehrt Max als Heiligen und verspricht ihm, den Magnum Opus zusammenzuschrauben: ein Auto, das seinesgleichen sucht. Doch dafür braucht ihr natürlich die nötigen Teile. Vor allem euren V8-Motor, den es Scrotus wieder zu entreißen gilt.

Also macht ihr euch in bester Open-World-Manier auf, wortwörtlich die Wüste zu durchkämmen. Da ihr so ganz auf euch alleine gestellt nicht weit kommt, ist es ratsam, Aufträge für die anderen herrschenden Warlords zu erfüllen. Dazu gehört vor allem, deren Einflussgebiete von verfeindeten Räuberbanden säubern, indem ihr diverse Festungen einnehmt. Dazu gesellen sich neben den 15 Hauptmissionen noch zig Nebenaufgaben, wie Minenfelder zu entschärfen, Rennen zu gewinnen oder Convoys zu zerlegen. Genretypisch schaltet ihr über Aussichtspunkte Sammelmarkierungen auf der Karte frei, und pimpt euren Charakter sowie den Magnum Opus mit eingesammeltem Schrott auf, der im Spiel als Währung gilt. Daneben solltet ihr stets auf euren Munitions-, Benzin- und Wasservorrat (ein Schluck aus der Pulle heilt einen Teil eure Lebensenergie) achten. Denn all das ist rar im Ödland.

Das ist gut:

Mit seinem rauen Ton fängt Mad Max wunderbar das Flair der Vorlage ein. Die Nahkämpfe sind entsprechend brutal inszeniert, und gehen in bester Batman-Free-Flow-Mainer gut von der Hand. Angriff, Ausweichrolle, Konter und fiese Finisher mit Messer oder Pumpgun … all das ist schnell verinnerlicht. Doch so richtig rund geht es vor allem in den Fahrzeugkämpfen. Klar juckelt ihr zu Beginn noch in einer schwammigen Seifenkiste vor euch hin. Doch mit der Zeit erwächst aus dem kargen Grundgerüst des Magnum Opus eine metallene Kampfbestie, mit der ihr die gegnerischen Fahrzeuge in effektvollen Schlachten spektakulär in ihre Einzelteile zerlegt. Die dabei erzeugten Explosionen sind schlichtweg der Hammer. Und wenn dann auch noch plötzlich ein Sandsturm über euch hinwegfegt, wähnt ihr euch mittendrin in George Millers Endzeitvision.
Da diese natürlich im Wesentlichen aus einer toten und kargen Landschaft besteht, sollte man in optischer Hinsicht nicht allzu viel erwarten, dennoch ist es erstaunlich, wie viel Facettenreichtum die Macher einer Wüste abgewinnen können. Einstmals der Grund eines Meeres, liegen im Ödland gewaltige Frachtschiffe wie vergessenes Spielzeug herum, Leuchttürme ragen fast schon spöttisch aus den Dünen und karge Felslandschaften zeichnen harte Kontraste in den allgegenwärtigen Sand. Eine ureigene Schönheit, die sich dem Spieler in melancholisch-schönen Panoramen präsentiert.

Das ist schlecht:

Als den wohl größten Kritikpunkt ist das insgesamt recht einfallslose Missionsdesign zu benennen. Insbesondere die von der Story losgelösten Nebenaufgaben geraten schnell zur drögen Fleißarbeit, die sich in jedem neuen Gebiet eins zu eins wiederholt. Selbst die Endgegner – eine Feindesgattung, die grundsätzlich nur existiert, um den Puls in die Höhe zu jagen – sind durch die Bank mit der gleichen Strategie zu besiegen, und damit einfach nur langweilig.
Da der Überlebensaspekt im Sinne der Ressourcenarmut durch entsprechende Upgrades bereits nach gut einem Drittel der Spielzeit quasi nicht mehr existiert, geht dem Titel zudem viel an Spannung verloren. Hier hätten die Macher gerne etwas mutiger sein und den Spieler die Verzweiflung der Endzeit spüren lassen dürfen.
Schade auch, dass Mad Max dem Publisher Warner offenbar keine Lokalisierung wert war. Es existiert lediglich eine englische Tonspur, die deutschen Untertitel sind wie so oft viel zu klein.
Ein Wort noch zu den zwei verschiedenen Konsolen: Beide Versionen laufen in einer Bildauflösung von 1080p, auf der Xbox One kommt es jedoch häufiger zu Rucklern.

Brachiale Actionorgie im Sand. Mad Max wird dem zeitlosen Flair der Filmvorlage gerecht, und lässt euch den brutalen Überlebenskampf in der Wüste hautnah miterleben. Allerdings bedient sich der Open-World-Titel etwas zu sehr an Genrestandards und vergisst dabei mitunter, eigene Akzente zu setzen.