'Lords of the Fallen' aus der Frankfurter Spieleschmiede Deck 13 wurde bereits früh speziell hierzulande sehr viel Aufmerksamkeit zuteil. Ein Next-Gen-Dark-Souls aus deutschen Landen mit Hammergrafik?! Das schürte Hoffnung auf den ersten echten Blockbuster made in Germany, schließlich sind wir, was das Entwickeln von Videospielen betrifft, noch ein Entwicklungsland. Ob Lords of the Fallen den hohen Erwartungen letztlich gerecht geworden ist, verrät euch unser Test.

Darum geht's

In dem düsteren Fantasy-Action-Adventure spielt ihr den bärbeißigen Schwerkriminellen Harkyn. Was genau er verbrochen hat, um im Knast zu landen, wisst ihr nicht, aber wenn man sich den Knaben so ansieht, ist nicht davon auszugehen, dass er bloß zu schnell mit der Kutsche unterwegs war. Die vielen ins Gesicht tätowierten Runen spiegeln seine Sünden wieder, was dann wohl bedeutet, dass Harkyn das Sammelalbum der Verfehlungen komplett hat. Aber manchmal braucht selbst eine Welt, in der keine Sünden vergeben werden, einen Kerl wie ihn. Vor allem wenn besiegt geglaubte Götter sich wieder erheben und förmlich danach schreien, nach allen Regeln der Videospielkunst zerlegt zu werden.

Zu diesem Zweck sucht ihr euch zu Beginn einen von vier Klassen aus, welche sich im Wesentlichen durch die jeweils erlernbare Magie unterscheiden. Rüstung und Bewaffnung wählt ihr während des Spieles jederzeit nach eurem Gusto. Wie es sich gehört, seid ihr mit schwerem Harnisch deutlich langsamer unterwegs als in leichter Platte, und so ein Zweihänder schwingt sich natürlich auch ganz anders als ein Dolch. Was das betrifft, werdet ihr viel Zeit haben, herumzuexperimentieren, denn ihr werdet viel kämpfen und vermutlich auch sehr oft sterben. Es ist kein Geheimnis, dass Lords of the Fallen der berühmt-berüchtigten Dark-Souls-Reihe nacheifert, die zwar für ihren mörderischen Schwierigkeitsgrad bekannt ist, aber auch für perfekte Spielbarkeit und absoluter Fairness. Wen das abschreckt, sei an dieser Stelle beruhigt: Die deutsch-polnische Co-Produktion ist zu keinem Zeitpunkt so gnadenlos wie das große Vorbild, was den Umfang betrifft deutlich überschaubarer, und alles in allem wesentlich einsteigerfreundlicher.

Das ist gut

Lords of the Fallen bietet dennoch ohne Frage ein forderndes Spielerlebnis. Ihr solltet zu keinem Zeitpunkt den Fehler machen, Gegner als Kanonenfutter zu klassifizieren, denn dann geht ihr mit großer Wahrscheinlichkeit drauf. Nutzt ihr jedoch die Finessen des taktischen Kampfsystems und geht umsichtig vor, habt ihr grundsätzlich immer eine Chance. Über Sieg und Niederlagen entscheidet hier das Timing, das Wechselspiel zwischen Block und Angriff, und nicht wie hoch der XP-Wert einer Waffe ist. Und so fühlen sich die Auseinandersetzungen auch sehr glaubwürdig und angenehm wuchtig an. Aufgrund diverser Macken, auf die wir gleich noch eingehen werden, kommt Lords of the Fallen in Sachen Spielbarkeit zwar nicht an Dark Souls heran, bezüglich der gebotenen Präsentation prescht es seiner Inspirationsquelle als reine Next-Gen-Produktion jedoch klar davon. Das tolle Artdesign versprüht von Anfang an herrlich nordisch-düstere Fantasy-Stimmung und wird getragen von feinen Texturen, einer stimmigen Klangkulisse und tollen Licht- und Partikeleffekten. Gerade während der coolen Bossfights geht effektmäßig der Punk ab. Grafik ist zwar nicht alles, aber wenn sie so schick daher kommt, sagt man schließlich nicht nein. Und  über einige Slow-downs und gelegentliches Tearing sehen wir heute mal geflissentlich hinweg. Das macht man unter Landsleuten schließlich so!

Das ist schlecht

Auf dem Weg zum Actionrollenspiel-Thron steht sich Lords of the Fallen leider selbst im Weg. Wir können natürlich nicht sagen, was letzten Endes durch Patches alles bereinigt wird, hoffen aber abgesehen von den klassischen Bugs auf Nachbesserung in folgenden Bereichen: Zunächst einmal leidet die Übersicht speziell in engen Gängen arg unter der störrischen Kamera. Dann lassen sich Gegner nicht immer sauber anvisieren, was speziell Dark-Souls-Kennern übel aufstoßen dürfte. Des Weiteren hat die Gegner-KI teils derbe Aussetzer und rennt, sobald eine unsichtbare Linie überschritten wurde, gerne mal mitten im Kampf an den Punkt zurück, an dem die Entwickler den jeweiligen Bösewicht ursprünglich platziert haben – und nimmt seine Patrouille wieder auf, als wenn nichts gewesen wäre. Was jedoch wohl auch nach tausend Patches bleibt, sind die mäßig erzählte Geschichte und Dialoge, die auch mal ins Lächerliche abdriften. Schade, schade, schade, dabei hätten Figuren und Welt eine professionelle Dramaturgie verdient gehabt.

Ein germanischer Krieger macht den Göttern Dampf. Fordernde Actionrollenspiel-Kost aus deutschen Landen, die mit einem taktischen Kampfsystem und toller Grafik überzeugt. Aufgrund vieler kleiner Macken wird das offensichtliche Vorbild Dark Souls zwar nicht erreicht, Fans düsterer Fantasyabenteuer greifen dennoch bedenkenlos zu.