Das ist gut/schlecht:

Wer auf letztgenanntes Stilmittel steht, wird an „Little Hope“ seine wahre Freude haben, das in dieser Hinsicht aus allen Rohren feuert. Auch sollte man eine gewisse Affinität zum Trash-Horror mitbringen, geizt das Spiel doch ganz bewusst nicht mit Klischees. Horror-Experten werden die immer wieder durchs Bild huschenden, dunkelhaarigen Mädchen und expliziten Sterbeszenen lediglich ein müdes Lächeln abringen, sensiblere Naturen hingegen spielen besser nicht allein.

Denn gelungen ist das schaurige Flair einer verlassenen Stadt, mitten in einem düsteren Wald gelegen, die erst nach und nach ihre grauenhafte Vergangenheit preisgibt und die Protagonisten dabei immer tiefer in einen Strudel aus Wahnsinn und Furcht hineinzieht, allemal. Auch in technischer Hinsicht, dank der detaillierten und atmosphärisch ausgeleuchteten Szenarien, durch welche sich die Figuren jedoch nach wie vor etwas hakelig und steif bewegen.

Dynamik hat man sich für die Quick Time Events aufgehoben, welche diesmal durch ein Symbol angekündigt werden, so dass man sich im Gegensatz zum Vorgänger auch mal zu Zwinkern trauen darf, ohne Angst haben zu müssen, den Einsatz zu verpassen.  Dazwischen marschiert ihr meistens – zwar etwas flotter als noch in „Man of Medan“, aber für unseren Geschmack immer noch viel zu langsam – durch die streng abgesteckten Areale, inspiziert alles, was durch ein Leuchten auf sich aufmerksam macht, und wartet darauf, dass etwas passiert.

Zwar ist stets vorgegeben, welche Figur ihr wann spielt, wie ihr euch als diese den anderen gegenüber verhaltet ist aber eure Sache. Doch auch das nur im geringen Maße, stehen bei Gesprächen doch lediglich zwei Reaktionsmöglichkeiten nebst der Entscheidung, zu schweigen, zur Verfügung. Zu bedenken ist dabei, dass die Beziehungsdynamik zwischen den Figuren anhand eurer Wahl und Handlungen stets aktualisiert wird und somit den Verlauf der Geschichte beeinflusst.

Denn: Jeder Charakter kann einen mehr oder weniger unvorhergesehenen Tod sterben. Ebenso ist es möglich, dass ihr den gesamten Trupp mit klugen Entscheidungen unbeschadet durch das Spiel navigiert. Tipps erhaltet ihr auf Wunsch lediglich in nebulöser Form vom Kurator, der zwischen den Kapiteln die vierte Wand durchbricht und zum Spieler spricht.

Eine weitere Hilfe stellen kurze Visionen dar, die euch beim Begutachten bestimmter Bilder im Spiel kommen und einen Augenblick aus einer möglichen Zukunft zeigen. Jene richtig zu deuten, bleibt indes euch überlassen.

Freilich könnt ihr den Trupp auch sehenden Auges ins offene Messer rennen lassen. Sonderlich sympathisch ist hier nämlich niemand so wirklich. Ganz im Gegenteil, ging uns der eine oder die andere doch sogar so sehr auf den Keks, dass wir den Bildschirmtod fast schon forcierten. Begünstigt wird diese Antipathie unter anderem dadurch, dass die Figuren ihre teils saudämlichen Entscheidungen klar erkennbar bloß zugunsten des vorgesehenen Storyverlaufes treffen.