Die GTA-Macher Rockstar Games haben für ihre ersten Gehversuche auf Nintendos Switch eine ganz besondere Perle entstaubt und nebenbei auch noch für die anderen aktuellen Daddelkisten aufpoliert. „L.A. Noire“ aus dem Jahr 2011 mag nicht der größten Kassenschlager der damaligen Konsolengenerationen gewesen sein, hat sich dank einer seinerzeit revolutionären Motion-Capturing-Technik und der gekonnt eingefangenen Krimi-Atmosphäre einen guten Ruf erworben. Doch wie gut schlägt sich das sechs Jahre alte Cop-Drama heute? Wir haben den remasterten Versionen für die Switch, Playstation 4 und Xbox One auf den Zahn gefühlt.

Darum geht’s:

Wir befinden uns im Jahr 1947. In der Rolle des aufstrebenden Polizeibeamten Cole Phelps löst ihr im Moloch von Los Angeles eine ganze Reihe voneinander losgelöster Kriminalfälle, von denen einige sogar auf wahren Tatsachen beruhen. Ob der befahrbaren Stadt könnte man nun zunächst glauben, es mit einem typischen Rockstar-Open-World-Titel zu tun zu haben. Tatsächlich handelt es sich bei „L.A. Noire“ im Kern jedoch um ein gemächliches Adventure, dessen Story dem Thriller-Genre zuzuordnen ist. Zwar müsst ihr auch den einen oder anderen Faustkampf absolvieren und liefert euch hier und dort eine Schießerei. Im Wesentlichen seid ihr jedoch damit beschäftigt Tatorte zu analysieren, Beweise zu sammeln und Verdächtige zu verhören.

Und eben jenes letztgenannte Spielelement hebt „L.A. Noire“ auch heute noch aus der – zugegebenermaßen arg überschaubaren – Masse vergleichbarer Titel heraus. Mittels der bereits erwähnten Motionscan-Technik wurde die Mimik der Schauspieler in einen (zumindest anno 2011) verblüffend realistischen Detailgrad ins Spiel übertragen. Somit ist es nicht nur  möglich, sondern sogar spielrelevant, anhand der Gesichtszüge des Befragten zu erkennen, ob dieser lügt oder die Wahrheit sagt. Natürlich reicht eine Mutmaßung nicht aus, um einen vermeintlichen Täter einzubuchten. Deshalb gilt es, euer Gegenüber mit zuvor gesammelten Beweisen oder Fakten in Form von Zeugenaussagen zu konfrontieren und im Idealfall zu überführen. Liegt ihr richtig, steigt ihr im Rang auf und verdient euch alternative Outfits oder besondere Fahrzeuge. Wenn nicht, gibt es Ärger vom Chef und Spott und Hohn seitens der Kollegen.

Das ist gut:

Inhaltlich ist im Wesentlichen alles gleich geblieben. Nach wie vor atmet „L.A. Noire“ die korruptionsverseuchte Luft einer amerikanischen Stadt der späten 40er, die immer weiter in einem Sumpf aus Drogen und Gewalt versinkt. Organisch wirkende Dialoge, glaubwürdige Figuren und stimmungsvoll inszenierte Zwischensequenzen erzeugen eine dichte Atmosphäre, die mit zunehmenden Spielverlauf immer düsterer wird. In dieser Hinsicht neu sind lediglich die nun anders benannten Frage-Optionen im Zuge der Verhöre. Aus dem alten Dreiergespann „Wahrheit", „Anzweifeln“ oder „Lüge“ ist „Guter Cop“, „Böser Cop“ und „Beschuldigen“ geworden. Dies soll Phelps Charakter besser entsprechen, hat im Spiel aus unserer Sicht jedoch keine nennenswert spürbaren Auswirkungen.

In Sachen Optik hat man sich dagegen etwas mehr Mühe gemacht. Sämtliche Versionen wurde eine zeitgemäße Full-HD Auflösung zuteil, was im Falle der Switch jedoch nur für den Betrieb in der Dockingstation gilt. Im Handheld-Modus bleiben zwar nur noch 720p übrig, dafür kommt das Bild auf dem kleinen Screen aber ganz besonders knackig zur Geltung.
Neben schärferen Texturen hat man dem Spiel zudem noch verbesserte Beleuchtungs-, Rauch- und Wettereffekte spendiert und auch die Fahrzeuge erstrahlen in einem neuen Licht, wenn ihr damit nicht gerade durch den Dreck donnert. Des Weiteren stehen euch auf jeder Konsole nun zwei weitere und durchaus sinnvolle Kameraperspektiven sowie ein Foto-Modus zur Verfügung.

Während sich im Falle der Playstation 4 und Xbox One Versionen abseits der grafischen Frischzellenkur kaum etwas geändert hat, wurde den Eigenheiten der Switch auch spielerisch Rechnung getragen. Zunächst einmal könnt ihr Coles Arm per Move-Steuerung bei der Inspektion von Gegenständen und Untersuchung von Leichen frei bewegen. Das erhöht natürlich die Immersion mit der Spielwelt, allerdings zickt die Abfrage zuweilen herum. Die Steuerung per Touchscreen, wodurch ihr „L.A. Noire“ in bester Point-&-Click-Manier anzugehen könnt, gefiel uns dagegen richtig gut. Nur während der Fahrsequenzen müsst ihr auf die Sticks zurückgreifen.

Die bisher erschienenen DLC sind übrigens gleich mit an Bord und erweitern alle Konsolenversionen um fünf Zusatzfälle.

Das ist schlecht:

Da es sich nicht um eine Neuauflage, sondern nur um eine Remaster-Version handelt, gelten viele der damaligen Kritikpunkte an dem Spiel auch heute noch. Auf der technischen Seite stechen während der Fahrten vor allem auf der Switch plötzlich aufpoppende Gegenstände oder sogar ganze Häuser unschön ins Auge, während die Stadt aufgrund der generellen Leblosigkeit zur bloßen Kulisse verkommt, die keinerlei Interaktion zulässt.

Zudem ist „L.A. Noire“ von einem strikt linearen und auf Dauer monotonen Spielablauf geprägt. Sämtliche Mechaniken die im Zuge der Ermittlungen und Verhöre zum Tragen kommen, habt ihr bereits früh im Spiel erlernt und wiederholen sich von da an nur noch. Die Prügeleien und Schusswechsel, die sicherlich der Auflockerung dienen sollen, können bestenfalls als banal bezeichnet werden und wirken dazu auch noch aufgesetzt.

Kurios erscheint außerdem, dass ihr euch vor Spielbeginn einen über 13 Gigabyte großen Patch herunterladen dürft. Das wird insbesondere Besitzern der Switch ein Dorn im Auge sein, die sich noch keine Speicherkarte zugelegt haben. Wünschenswert wäre zudem gewesen, dass man im Zuge dessen gleich noch eine deutsche Tonspur nachliefert. Dem ist aber leider nicht so, weshalb es bei gesprochenem Englisch mit deutschen Untertiteln bleibt.

"L.A. Noir" ist neben Playstation 3, Xbox 360 und PC ab sofort auch für Playstation 4, Xbox One und Switch erhältlich!

Atmosphärischer Cop-Thriller, der dank einer optischen Frischzellenkur auch heute noch eine verdammt gute Figur macht. Die Defizite auf der technischen Seite macht die Switch mit der intuitiven Touch-Screen-Steuerung wieder wett. Der monotone Spielablauf lässt jedoch nach wie vor auf Dauer an Anspruch vermissen.