Dass die Kundschaft einen Hersteller von Was-auch-immer verklagt ist ja gang und gäbe. Dass aber eine Firma ihre Käufer vor Gericht zu belangen versucht, ist mal was Neues. Genau das hat aktuell nämlich ein Indie-Games-Entwickler vor, der seinen Ruf durch schlechte Kritiken seitens der Spielergemeinde geschädigt sieht. Und das soll nun mit satten 18 Millionen US-Dollar abgegolten werden!

Der Tatort ist in dem Falle die Internet-Vertriebsplattform für Computerspiele und Software Steam, das Opfer das Spiele-Studio Digital Homicide (zu Deutsch „Digitaler Mord“, was schon tief blicken lässt), die Täter die Nutzer. Hunderte davon hatten sich im Netz negativ über die Spiele des Studios geäußert, woraufhin der Entwickler aktiv wurde und vor Gericht eine sogenannte Subponea erwirkte. Damit ist eine rechtliche Anordnung gemeint, welche den Steam-Betreiber Valve dazu verpflichten soll, die persönlichen Daten der entsprechenden Nutzer herauszurücken, um diese dann auf oben genannte Summe verklagen zu können.

Wem jetzt vor Wut der Kamm schwillt, dem sei gesagt, dass Steam zumindest nicht das geringste Interesse daran hat, seine Kunden auszuliefern. Das Unternehmen hat stattdessen prompt sämtliche 18 Titel des Entwicklers aus dem Programm genommen. In einem Interview wurde zudem deutlich gemacht, dass man aufgrund eines solchen kundenfeindlichen Verhaltens jedwede Zusammenarbeit mit Digital Homicide eingestellt habe. Dort wiederum wirft man Valve vor, dass die Beiträge der Kunden nicht angemessen moderiert worden seien. Auf den Versuch, die beleidigenden Kommentare entfernen zu lassen, habe man nicht reagiert.

Wie die Nummer letzten Endes ausgeht, bleibt abzuwarten. Allerdings hat Valve das Recht, gegen die Auskunftsaufforderung vorzugehen und wird davon mit Sicherheit auch Gebrauch machen. Es ist also nicht davon auszugehen, dass die Daten der „Täter“ so ohne weiteres preisgegeben werden.

Tja, blöd eigentlich, dass man sich nicht selber verklagen kann. Denn die Rufschädigung, die Digital Homicide mit dieser Aktion in Eigenregie herbeigeführt hat, lässt sich wohl kaum beziffern und übertrifft den Impact irgendwelcher Kommentare auf Steam ganz gewiss bei weitem. Dennoch ein interessanter Präzedenzfall, der womöglich unter den Titel Digital Suicide bekanntwerden wird. Aber wir passen besser auf, was wir hier sagen. Manche reagieren da etwas empfindlich …

Quelle: computerbild.de