Das ist gut/schlecht:

„Katana Zero“ kommt mit einem vergleichsweise reduzierten Bewegungsrepertoire aus. Ihr könnt mit dem Schwert zuschlagen, Gegenstände aufnehmen und werfen, mit einer Rolle ausweichen sowie die Zeit verlangsamen. In einigen Bereichen kommen noch Besonderheiten hinzu, wie zum Beispiel Rauchbomben oder Verstecke, im Prinzip reichen diese Fähigkeiten aber vollkommen aus, um sich durch die Levels zu choreographieren. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Wer nämlich einfach immer wieder stumpf drauflos stürmt, wird sehr häufig zurückspulen müssen.

Die überschaubaren Bereiche sind aufgrund ihrer Eigenheiten und der Gegnerplatzierungen im Prinzip so etwas wie Rätsel, die sich nur mit einem klugen Plan und dem nötigen Fingergeschick zur Ausführung bewältigen lassen. Greife ich erst die Feinde über mir an, und riskiere damit von unten beschossen zu werden, oder trete ich zunächst die Tür im Flur ein, um mir das Beil zu schnappen und den Schützen mit einem Wurf direkt zu killen? Viele Wege führen zu Ziel, noch mehr allerdings in den Tod.

Erschwerend kommt hinzu, dass euch „Katana Zero“ kaum an die Hand nimmt, und ihr stattdessen vieles werdet selber herausfinden müssen. Glücklicherweise muss man nach einem Fehlversuch jedoch nicht lange auf den nächsten Anlauf warten, da es keinerlei Ladezeiten gibt, was den Frust effektiv minimiert. Leicht ist „Katana Zero“ nämlich nicht, wenn man all die Komfortfunktionen modernen AAA-Titel gewohnt ist.

Entsprechend groß dann aber auch die Befriedigung, wenn ihr euch einen erfolgreichen Durchmarsch noch einmal in Ruhe reinzieht, bevor ihr die Jagd nach eurem Ziel fortsetzt. Den Auftrag dazu erhaltet ihr per Dossier von eurem mysteriösen Psychiater, der euch auch die Droge verabreicht, um die sich alles zu drehen scheint. Aber ist das alles überhaupt echt?

Diese Frage werdet ihr euch im Laufe des mit 4 bis 5 Stunden Spielzeit leider recht knapp bemessenen Abenteuers häufiger stellen, welches sich die Freiheit nimmt, munter durch die Zeit zu hüpfen und euch dabei mit seltsamen Träumen aus der Kindheit, ominösen Antagonisten und einem übernatürlichen Charakter-Duo zusätzlich zu verwirren. Bemerkenswert ist dabei der Kniff, die Multiple-Choice-Dialoge ruppig unterbrechen zu können, bevor der Gesprächspartner überhaupt ausgeredet hat. Dies könnte allerdings üble Folgen für das Ende des Spiels haben. Aber wir wollen hier natürlich nicht zuviel verraten.

Was wir jedoch ruhigen Gewissens verkünden dürfen, ist, dass die detailverliebte Optik eine echte Wucht ist. Seien es die vielschichtigen Animationen der Figuren, die gekonnten Lichtspielereien oder auch bloß Kleinigkeiten wie das Dampfen einer Tasse Tee. Wer auf Pixel-Look steht, wird sein Herz an dieses Noir-Kunstwerk verlieren. Und dann wären da ja noch die treibenden und äußernd eingängigen Synthwave-Klänge, denen es gelingt, selbst die letzte Lichtfuge in diesem Atmosphäre-Monster zu schließen. Und so verfallt ihr alsbald in einen fast schon meditativen Flow, bis dann plötzlich, und vor allem viel zu früh, der Abspann über den Screen flimmert.

Unverschämt stylisches Pixel-Meisterwerk mit forderndem Gameplay, fantastischem Soundtrack und spannend geschriebener Story, das leider viel zu kurz gerät. Ein echter Indie-Geheimtipp für erwachsene Spieler.

„Katana Zero“ ist für Nintendo Switch und PC erhältlich.