Mit der Playstation 4 schickt Entwickler Sucker Punch den bisherigen inFamous-Protagonisten Cole MacGrath in Rente. Der Fahrradkurier mit den Elektro-Superkräften musste einem jüngeren, hipperen Sympathieträger weichen, der sich im Wesentlichen durch eine große Klappe auszeichnet und sich vorrangig mit Qualm zur Wehr setzt. Ist das neue 'inFamous: Second Son' also nur Schall und Rauch?

Darum geht’s

Das dritte Kapitel der Sony-exklusiven Open-World-Saga spielt sieben Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängers. Amerika lebt mittlerweile in Angst vor den Conduits, also Menschen, die über Superkräfte verfügen, und bezeichnet diese nur noch abwertend als Bioterroristen. Zum Schutz der Bevölkerung wurde das Department of Unified Protection (Abteilung für Einheitlichen Schutz, auch: kurz "D.U.P.") ins Leben gerufen, welches dank eigener übernatürlicher Fähigkeiten Feuer mit Feuer bekämpft. Als der jugendliche Sprayer Delsin Rowe zwischen die Fronten der verfeindeten Parteien gerät, absorbiert er ungewollt Conduit-Kräfte und rückt somit in den Fokus der faschistoiden Staatsbehörde. Nachdem dann auch noch die durchgeknallte D.U.P.-Anführerin Brooke mithilfe ihrer Betonkräfte ein schmerzhaftes Exempel an Delsins Angehörigen statuiert, macht sich der flügge Rebell auf den Weg nach Seattle, um die Dame zu stellen und im Idealfall ihre Kräfte zu erlangen.

Das ist gut

Im Falle von inFamous: Second Son haben wir es endlich mal mit einem Next-Gen-Titel zu tun, der diese Bezeichnung auch verdient hat. Zumindest wenn wir die Optik betrachten, die mit knackscharfen Texturen, toller Echtzeitbeleuchtung sowie schicken Wetter- und Partikeleffekten einen ersten Blick auf die schöne neue Grafik-Welt gewährt. Des Weiteren erfreuen wir uns diesmal nicht nur an einer Art der Superkräfte, sondern an insgesamt vier verschiedenen Gattungen – Rauch, Neon, Video, Beton – mit denen wir in dreizehn weitläufigen Stadtteilen für Chaos sorgen dürfen. Auch das Moral-System ist abermals mit an Bord, welches uns immer wieder vor die Entscheidung stellt, ob wir begleitet vom Applaus der Einwohner als strahlender Held durch die Stadt ziehen oder als rücksichtsloser Superrüpel Angst und Schrecken verbreiten. Die eigene Moral spiegelt sich sogar in einem zwar simplen, aber durchaus amüsanten Minispiel wieder: dem Sprayen. An festgelegten Stellen in der Stadt wird euer Pad dank Gyrosteuerung zur Sprühdose umfunktioniert. Nun ist es an euch, ob ihr ein Motiv wählt, welches einer positiven Grundeinstellung entspricht, oder eben nicht.

Das ist schlecht

Aufgrund der simplen Schwarz-Weiß-Logik ist das Moralsystem jedoch insgesamt recht flach ausgefallen. Kenner der Vorgänger sind dies aber bereits gewohnt. Ebenso Nebenaufgaben, die schnell langweilen oder gar zur nervigen Routine verkommen. Schade auch, dass sich die verschiedenen Fähigkeiten zum einen spielerisch zu sehr ähneln, und zum anderen nicht kombinierbar sind, was zum Experimentieren eingeladen und die chaotischen Kämpfe kreativer gestaltet hätte.
Der neue Held ist ganz klar Geschmackssache. Die jüngere Generation mag sich an dem trendigen Großmaul erfreuen, älteren Semestern geht der aufmüpfige Bengel mit seinen bemüht komischen Sprüchen schnell auf die Nerven. Die englische Sprachausgabe verschafft da zwar etwas Abhilfe, macht Delsin letztlich aber auch nicht sympathischer.

Fortsetzung der Sony-exklusiven Open-World-Hatz mit toller Optik und frischem Helden, die trotz neuer Fähigkeiten spielerisch auf der Stelle tritt. Dank ordentlichem Next-Gen-Flair allerdings mehr als einen Blick wert!