Nein, viele Freunde haben sich die Entwickler von Hitman nicht gemacht, als man die Veröffentlichungspolitik zum neuesten Serienableger bekanntgab. Anstatt ein fertiges Spiel auf den Markt zu bringen, entschied man sich für eine Stückelung des Gesamtwerks in einzelne Episoden, die man sich nach und nach herunterladen kann. Das kam nicht besonders gut an und führte aufseiten der Fanbase zu der kollektiven Vorverurteilung eines Spieles, das doch eigentlich wieder zurück zu seinen Wurzeln wollte. Ist die Gram also gerechtfertigt? Wir verraten's euch.

Darum geht's:

Dieser Test bezieht sich auf das sogenannte Intro-Pack, welches ihr euch ab sofort für PC, Playstation 4 und Xbox One herunterladen könnt. Natürlich ist es auch möglich, sich jetzt schon die Full Experience zu sichern, welche alle noch kommenden Episoden beinhaltet, die jeweils im Abstand von einem Monat erscheinen sollen, bis die Geschichte im September dann abgeschlossen ist. Auch eine Discvariante ist geplant, doch diese erscheint wohl erst 2017. In Sachen Story können wir leider nicht viel zum neuen Hitman sagen, da die drei Missionen des Intro-Packs noch keinen wirklichen Einblick in den inhaltlichen Kontext geben, der die Missionen miteinander verkittet.

Fakt ist aber, dass man sich von der actionlastigen Ausrichtung eines Hitman Absolution gelöst hat und den Spieler wieder mehr Freiheiten beim Eliminieren seiner Ziele lässt. In einer Rückblende führen euch zwei Trainingsmissionen zunächst in das Spielsystem der Third-Person-Killersimulation ein. Protagonist Agent 47 befindet sich am Ende seiner Ausbildung und muss im freien Training und der Abschlussprüfung beweisen, was er gelernt hat. Daraufhin springt das Spiel 20 Jahre in die Zukunft und schickt euch mit dem Auftrag „Showstopper“ auf eine Modenschau nach Paris. Und spätestens hier wird klar, wohin die Reise gehen soll.

Das ist gut:

Drei Missionen mögen auf den ersten Blick wenig erscheinen, und im Vergleich zu einem fertigen Spiel stimmt das ja auch, doch die Tatsache, dass ihr nicht einfach durch die Story rushen könnt, hat auch so ihre Vorteile. Denn die Rückbesinnung auf alte Tugenden macht dieses Hitman – und damit auch jeden einzelnen Auftrag – zu einem Spielplatz für kreative Mörder, den man immer und immer wieder besuchen kann, um Neues zu entdecken. Das Areal in Paris ist riesig, die Möglichkeit enorm. Verkleidet euch beispielsweise als Model und ladet euer Ziel zu einem privaten Treffen, lasst die Lichtanlage auf euer argloses Opfer fallen, erledigt nach und nach alle Wachen und stranguliert das Ziel in einer dunklen Ecke … wie auch immer ihr vorgeht, ihr werdet beim nächsten Versuch garantiert eine neue Variante finden.

Gefördert werden erneute Durchgänge durch die Vielzahl an optionalen Herausforderungen, durch welche ihr neue Ausrüstung und weitere Startpunkte für die Missionen freischaltet. Dazu haben die Entwickler sowohl den sogenannten „Eskalationsmodus“ versprochen – Aufträge, die in fünf Stufen immer schwieriger werden – als auch diverse „Illusive Targets“ – Ziele, die bloß einmalig und nur für 48 Stunden verfügbar sind. Zudem dürft ihr auch diesmal selber Aufträge erstellen und mit der Community teilen. Wie ihr seht, gibt es also in dieser ersten Episode schon viel zu tun für passionierte Assassinen. Und die Level sollen sogar noch größer werden!

Das ist schlecht:

Wir werden uns an dieser Stelle nicht zu einer Debatte über Sinn- und Unsinn einer Veröffentlichung in Episoden hingeben, halten aber fest, dass es wie bei jeder Serie immer schade ist, wenn man warten muss, bis es weitergeht. Andererseits können sich Nörgler ja auch gedulden, bis die Staffel komplett ist. Wenn das fertige Spiel ohnehin erst im September erschienen wäre, macht die Veröffentlichung der einzelnen Episoden im Vorfeld schließlich keinen zeitlichen Unterschied. Allerdings ist es für uns nun schwer, ein abschließendes Urteil zu fällen. Sicherlich ist in technischer Hinsicht noch Platz nach oben, doch Zeit, um fleißig zu patchen, haben die Entwickler ja nun genug. Zudem ist das Handling der Waffen nicht optimal, doch wahre Hitmänner kümmert das ohnehin nicht weiter. Warten wir also erst mal ab, was die Zukunft so bringen mag. Serien sind ja schließlich derzeit äußerst angesagt.

Ein guter Anfang! Der Auftakt des neuen Profikiller-Epos besinnt sich auf alte Tugenden und erhebt Kreativität zum zentralen Spielelement. Die Kürze wird durch den enormen Wiederspielwert kompensiert, und doch bleibt der bittere Nachgeschmack, kein fertiges Spiel vorliegen zu haben.