Das ist gut:

Derer gibt es diesmal sechs. Einer weniger als im Vorgänger, doch die schiere Größe der Areale und die unglaubliche Anzahl an Möglichkeiten für ein Attentat, entschädigen allemal dafür. Nun könnte man „Hitman 2“ freilich recht flott durchzocken, sich dank der Story-Missionen mit Hinweisen zur Zielperson führen lassen, diese dank der Instinkt-Anzeige selbst in einer Menschenmasse rot markieren und bei Bedarf sogar den leichtesten der drei Schwierigkeitsgerade wählen. Doch selbst wenn dann der Abspann läuft, kann man allenfalls von sich behaupten, das Tutorial gespielt zu haben.

Denn die „Hitman“-Spiele leben seit jeher von dem immensen Wiederspielwert eines jeden einzelnen Szenarios, da es unzählige Varianten gibt, seine Zielperson auszuschalten. Der Weg dorthin ist das Ziel und kann bei komplexeren Attentaten, im Zuge derer man womöglich gleich zwei Opfer zeitgleich eliminieren möchte, verdammt viel Zeit in Anspruch nehmen. Ein guter Assassine analysiert die Laufwege der Wachen, bringt die Gewohnheiten seines Opfers in Erfahrung, manipuliert Kameras und hinterlässt keine Spuren.

Verkleidet euch, um Zutritt zu ansonsten unpassierbaren Bereichen zu erhalten, deponiert Waffen an taktisch klugen Stellen, werft Münzen, um Wachposten abzulenken, und tut auch sonst alles dafür, um nicht erwischt zu werden. Denn auch wenn die K. I. sich in Feuergefechten dämlich verhält und Agent 47 prinzipiell über ein stattliches Arsenal verfügt, endet ein Schusswechsel nur selten zu euren Gunsten.

Wie viel spannender ist es da, sich seinen Weg an ein Filmset erschlichen zu haben, um den Filmproduzenten schließlich mit einem Ventilator vom Dach zu pusten. Oder dem Drogenbaron als vermeintlicher Kurier eine vergiftete Probe zuzuspielen, und diesen danach über ein Geländer zu werfen, während der sich übergibt. Oder die Siegesparty einer Rennfahrerin in Miami wortwörtlich zu sprengen. Und hat man schließlich alle Ziele erfolgreich erledigt und ist entkommen, schlägt einen „Hitman 2“ gleich noch weitere Varianten vor.Zudem absolviert ihr durch gekonntes Spiel optionale Herausforderungen, wodurch ihr wiederum mehr Ausrüstung und alternative Startpunkte freischaltet, was abermals andere Herangehensweisen an euren Auftrag ermöglicht. Zwar garniert „Hitman 2“ das aus dem Vorgänger bekannte Gameplay lediglich mit einigen wenigen neuen Elementen, treibt den schwarzhumorigen Variantenreichtum des kreativen Meuchelns dafür aber an die bisherige Serienspitze.

Brandneu ist der Ghost-Modus, ein Auftragskiller-Duell, in dem es darum geht, schneller als der Online-Gegner fünf Ziele auszuschalten. Da jeder in seiner eigenen Welt spielt, kann man das Spiel des anderen nicht beeinflussen, der lediglich als Geist angezeigt wird. Hat dieser sein Ziel vor euch erwischt, bleiben euch nur noch 20 Sekunden, um gleichzuziehen.

Kooperativ versucht ihr euch hingegen am Spielmodus „Sniper Assassin“. Hier nehmt ihr mit einem Scharfschützengewehr eine Hochzeit ins Visier, und müsst versuchen, eure Ziele nur mit der Waffe als Werkzeug taktisch möglichst klug auszuschalten. Denn sobald eine Leiche entdeckt wird, bricht Panik aus, was den Auftrag nicht unbedingt erleichtert.

Dazu kommen selbst erstellte oder von der Community geteilte Aufträge und die beliebten „schwer zu fassende Ziele“, zeitbegrenzte und kostenlose Zusatzaufträge, für die ihr nur einen Versuch habt. Den Auftakt macht ein ehemaliger MI5-Agent, der von niemand Geringere, als Schauspieler Sean Bean verkörpert wird.

Je genauer man also hinsieht, desto mehr steckt drin in dieser unglaublich motivierenden Killer-Wundertüte, die dazu auch noch mit verschwenderisch detaillierten und vor allem äußerst lebendigen Szenarien aufwarten kann. Alleine die unglaublichen Menschenmengen sind immer wieder eine echte Schau. Zwar spielt die Reihe traditionell nicht in der ersten Grafikliga, abseits der etwas hakeligen Animationen und schwachen Mimik der Figuren kann sich die Kulisse aber allemal sehen lassen.