Das ist gut/das ist schlecht:

Die Prämisse klingt nicht nur nach einem Pixar-Film, der ganze Look des Spieles erinnert an Animationsstreifen wie „Toy Story“. Gemischt mit einer Prise „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“-Dramatik ist es dermaßen schwer, dem Charme von „It Takes Two“ nicht sofort zu verfallen, dass wir die 1.000 Dollar Belohnung bereits nach wenigen Minuten in den Wind geschrieben haben.

Daran sollte sich im Laufe der nächsten rund zwölf Stunden Spielzeit auch nichts ändern, flogen diese doch in Form einer zwar linearen, dafür aber auch irre kreativen und erfrischend abwechslungsreichen Abenteuerreise förmlich vorüber. Zwar kommt „It Takes Two“ generell als 3-D-Puzzle-Plattfomer daher, wechselt die Genres jedoch so munter wie die Kameraperspektiven, die dynamisch von Split- zu Vollscreen changieren, und uns mal in Third-Person-, dann in der Seiten- oder auch Top-Down-Perspektive zeigen.

Seid ihr eben noch munter über Plattformen gehüpft, kann es durchaus sein, dass ihr euch im nächsten Moment einem Kampf in bester „Street Fighter“-Manier stellen müsst. Und wer sich in den Umgebungen aufmerksam umschaut, kann bis zu 25 witzige Minispiele aufspüren, in denen ihr ausnahmsweise gegeneinander antretet, und die ihr über das Menü jederzeit erneut starten dürft.

Abgesehen von diesen Einlagen geht es im Rest des Spieles nur miteinander voran. Cody und May stoßen auf ihrem Weg immer wieder auf Hindernisse, die alleine nicht zu überwinden sind. So muss zum Beispiel ein Spieler einen Saugschlauch korrekt ausrichten, um den anderen auf eine höhere Plattform zu pusten, viele Schalter sind nur zu zweit zu bedienen und schwere Bodenplatten können nur mit einer gut getimten Doppel-Stampfattacke aus ihrer Verankerung gerissen werden. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs der Kooperation, denn zu Beginn eines jeden Abschnittes erhalten Cody und May neue Fähigkeiten, die sich sinnvoll ergänzen.

So wird May beispielsweise mit einem Hammerkopf ausgestattet, während Cody mit Nägeln um sich schießen und diese anschließend wie Yondu aus „Guardians of the Galaxy“ wieder zurückpfeifen kann. An entsprechende Wände gezimmert, dienen die Nägel schließlich als Ankerpunkte, an denen May sich mit dem Hammerkopf hängen kann, um Abgründe zu überwinden. Später verschießt Cody im Kampf gegen Wespen Honig, den May mit ihrer Waffe entzünden muss. Er lernt, seine Größe zu verändern, sie hingegen, die Zeit zu manipulieren – und so weiter und so fort.

Das gelungene Leveldesign lässt keine Gelegenheit ungenutzt, sich mit den neuen Fähigkeiten auszutoben. Jedes Mal, wenn sich eine Idee abzunutzen droht, tauscht „It Takes Two“ sie einfach gegen eine neue aus. Während die Progression in modernen Titeln oft nur noch darin besteht, durch die stete Wiederholung des immer Gleichen besser zu werden, oder immer mehr und bessere Beute zu horten, kommt ihr hier ganz klassisch und im wortwörtlichen Sinne einfach nur voran. Und mit euch natürlich auch die Beziehung von Cody und May.