Wenn man als Konsolen-Besitzer in ein Fachgeschäft für Videospiele geht und den Verkäufer um ein gutes Echtzeit-Strategie-Spiel für seine Daddelkiste bittet, wird man üblicherweise mit einem mitleidigen Lächeln und dem Hinweis, sich doch bitte einen PC zuzulegen, abgespeist. Das ausgefuchste ‘Halo Wars’ hat aber bereits zu ehrwürdigen Xbox-360-Zeiten gezeigt, dass Joypad und Strategie durchaus Freunde werden können. Nun, ganze neun Jahre später, schickt sich der Nachfolger an, das gleiche Kunststück auch auf der Xbox One zu vollbringen.

Darum geht's:

‘Halo Wars 2’ schließt inhaltlich direkt an den Vorgänger an. Eine gewisse Kenntnis des umfangreichen Halo-Universums ist also von Vorteil, wenn man im Detail verstehen möchte, warum die Parteien andauernd sauer aufeinander sind, zum Genießen der Story jedoch keine Pflicht. Zum Einstieg reicht es zunächst zu wissen, dass die auf dem Weg zur Erde befindliche Crew des Schlachtschiffes „Spirit of Fire“ von einem aufgefangenen Signal vorzeitig aus dem Kälteschlaf geweckt wird und kurz darauf auf die sogenannten „Verbannten“ trifft. Diese von Rachegelüsten getriebene ehemalige Kamikaze-Einheit der Convenant möchte sich mächtige Artefakte der Blutsväter aneignen und muss von daher als Feindbild herhalten. Den Rest erklärt euch das Spiel im Laufe der 12 Missionen andauernden Kampagne besser selbst.

Im Zuge dieser gilt es aus der Vogelperspektive mit einem anfänglich kleinen Trüppchen zunächst die Umgebung zu erforschen, um die zwei Ressourcen Nachschub und Energie zu sammeln. Anhand dieser stampft man dann aufrüstbare Produktionsbasen für die Herstellung und Verbesserung von allerlei Kriegsgerät und Einheiten aus dem Boden und bringt diese dann in Position, um dem Feind im Zuge der actionbetonten Taktikgefechte ganz gewaltig in den Arsch zu treten. Blöd nur, dass dieser genau das Gleiche vorhat. Lasst euch mit euren Vorbereitungen also nicht allzu viel Zeit, denn es heißt nicht umsonst „Echtzeitstrategie“!

Das ist gut:

Ein Strategietitel ist naturgemäß wesentlich komplexer zu handhaben als ein gradliniger Shooter. Auf der einen Seite müsst mit euren Truppen immer mehr Feuer löschen, je tiefer ihr in das Feindesgebiet vorrückt, andererseits den Ausbau und die Verteidigung eurer Basis im Blick behalten und bei allem mit den Ressourcen haushalten. Dank einer gut durchdachten Steuerung und hilfreicher Tutorials scheucht ihr jedoch alsbald eure Spartans, Warthogs und Hornet-Flugdrohnen intuitiv über die Maps, splittet Truppenverbände auf Knopfdruck, um Flankenmanöver einzuleiten, oder versammelt eure Armee an einem Brennpunkt. Diese teilt sich grundsätzlich in drei mögliche Einheiten, die man im Wissen um das Schere-Stein-Papier-Prinzip gegen den Feind in Stellung bringen sollte.

Es gilt: Infanterie ist effektiv gegen Lufteinheiten, Lufteinheiten machen Fahrzeuge platt und Fahrzeuge schlagen wiederum Infanterie. Zwar gibt es diverse Ausnahmen, da jede Einheit sowie die stetig wechselnden Anführer über aufladbare Spezialattacken verfügen, doch das Prinzip ist schnell verinnerlicht, so dass auch Strategieneulinge schnell Erfolgserlebnisse feiern. Generell gestaltet sich ‘Halo Wars 2’ äußerst zugänglich und macht damit Hoffnung, dass dieses Genre eines Tages womöglich auch auf Konsole populär werden könnte. Immerhin ist das Spiel dazu auch noch schick inszeniert, protzt mit wuchtigen Zwischensequenzen, feinen Animationen, der typisch epischen Halo-Soundkulisse und bleibt dank diverser Nebenaufträge stets spannend.

Dazu gesellen sich noch unterhaltsamen Online-Modi, allen voran die flotten „Blitz“-Gefechte. In diesen tretet ihr mit einem zuvor zusammengestellten Kartendeck gegen einen menschlichen Kontrahenten oder wahlweise auch gegen die KI an. Die Karten stellen Einheiten oder Spezialattacken dar und werden in zufälliger Reihenfolge ausgespielt. Der Name ist dabei Programm, denn eine „Blitz“-Partie kann binnen Minuten entschieden sein. Nicht weniger spaßig ist die Möglichkeit, die komplette Kampagne kooperativ mit einem Kumpel anzugehen.

Das ist schlecht:

Wer sich ein wenig mit Strategiespielen auskennt, hat sicherlich schon bei den Wörtchen „zugänglich“ und „actionbetont“ mit den Augen gerollt. Nicht ganz zu Unrecht, denn ‘Halo Wars 2’ ist für erfahrene Generale schlicht zu einfach und bietet nicht mal im Ansatz die Fülle an taktischen Möglichkeiten und cleveren Winkelzügen, mit denen Genre-Größen auf dem PC aufwarten. Das äußert sich schon darin, dass man seine Basen beispielsweise bloß an festgelegten Orten erbauen und mit lediglich zwei Parteien ins Gefecht gehen kann. Den durchschnittlichen Konsolero sollte dies jedoch nicht abschrecken, denn als solcher muss man aufgrund des chronischen Echtzeitstrategie-Mangels ohnehin erst mal einen Einstieg finden. Und wenn dieser dann auch noch auf Basis der mächtigen Halo-Franchise daherkommt, umso besser! Nur Playstation-Spieler gucken logischerweise in die Röhre.

'Halo Wars 2’ ist ab sofort für Xbox One und PC erhältlich!

‘Halo Wars 2’ beweist eindrucksvoll, dass Strategie auch auf Konsole funktioniert. Die wuchtig inszenierte Kampagne bleibt inhaltlich und spielerisch stets spannend und geht mit einer durchdachten Steuerung äußerst gut von der Hand. Die Zugänglichkeit ist ideal für Taktikneulinge, erfahrene Digi-Generäle fühlen sich dafür jedoch unterfordert.