Sich den Nebenaufgaben zu widmen, bringt von daher einen spielerischen Vorteil mit sich, auf den harte Hunde zugunsten einer strafferen Kampagne aber auch verzichten können. Denn die offene Welt dehnt die Story, die ohnehin ein wenig Zeit benötigt, um so wirklich in Fahrt zu kommen, und bremst den ihr eigentlich innewohnenden Schwung aus. Von daher werden sich die Gemüter an der Mischung aus offener Erkundung und linearer Kampagne sicherlich scheiden.

Betonet werden muss aber, dass den Machern eine wunderbare Reminiszenz an die Ursprünge der Reihe gelungen ist. „Infinite“ fühlt sich deutlich mehr nach „Halo“ an als noch der ungeliebte Vorgänger „Guardians“. Das fängt mit der Gestaltung der vertraut wirkenden Ringwelt an und hört bei der fantastischen Musikuntermalung noch lange nicht auf, welche die bekannten Melodien orchestral absolut hörenswert neu arrangiert. Überraschend sympathisch fanden wir auch die neue, schlicht „die Waffe“ genannte KI an der Seite des Master Chiefs. Und selbst hinter Echo 216 steckt mehr Charakter, als man anfänglich vermuten sollte.

Grafisch kommt „Halo Infinite“ gefällig, wenn auch wenig spektakulär daher. Der „Halo“-Ton wird wie gesagt gut getroffen und auch die Qualität der Texturen sowie die Weitsicht stimmen, ohne dass dabei aber jemals ein Next-Gen-Feeling aufkommen mag. Dafür läuft „Halo Infinite“ aber wunderbar flüssig – von den enttäuschend ruckelnden Zwischensequenzen einmal abgesehen.

Bliebe noch der Multiplayer-Modus: Jener bietet zum aktuellen Stand zehn Maps und eine ganze Reihe von Spielmodi an, die im Laufe der Zeit noch erweitert werden sollen. Klassische Deathmatch- oder Capture-the-Flag-Gefechte geben sich dabei mit augenzwinkernden Modi wie „Fiesta“ die Klinke in die Hand, bei dem die Spieler mit zufälligen Waffen spawnen.

Davon einmal abgesehen verfolgt der Multiplayer von „Halo Infinite“ den Ansatz, alle mit der gleichen Startbewaffnung in die Runden zu schicken, weshalb vor allem das Können über Sieg und Niederlage entscheidet. Begrüßenswert ist von daher, dass es ein ausführliches Tutorial für Einsteiger gibt, im Zuge dessen man nach eigenem Gusto mit Bots üben und sich mit Waffen und Spielmechaniken vertraut machen kann.

Der Multiplayer teilt sich mit der Kampagne das großartige Spielgefühl, und dürfte geneigte Zocker bereits mit dem jetzigen Umfang von daher viele Nächte kosten. Auf der Wunschliste insbesondere der Konsoleros steht allerdings bereits eine Option, das Crossplay-Feature abschalten zu können, um beispielsweise nicht mehr gegen Aimbots aus dem PC-Sektor antreten zu müssen.

Und auch wenn einigen Spielern die Progression des über erworbene XP-Punkte zu levelnden Battle Passes nach wie vor zu schwerfällig erscheint, muss man „Halo Infinite“ zugutehalten, dass es auf Lootboxen verzichtet und sich lediglich rein kosmetische Items versilbern lässt.

Fazit:

Ein Comeback mit richtig Wumms! „Halo Infinite“ beschwört die verloren geglaubte Atmosphäre alter Serienteile gekonnt wieder herauf und veredelt diese mit einem Gunplay auf Referenzniveau: Die Waffen sind druckvoll, das Trefferfeedback enorm befriedigend und die Gefechte vor allem dank des neuen Greifhakens enorm taktisch und dynamisch. Die groß angekündigte offene Welt kann die Erwartungen mit uninspirierten und repetitiven Nebenmissionen zwar nicht erfüllen, dafür bietet die Kampagne viel emotionalen Zucker für Fans, während Neulinge inhaltlich im Regen stehen gelassen werden. Technisch läuft es zwar schön flüssig, Next-Gen sieht aber anders aus. Dafür punktet der Sound umso mehr – die deutschen Sprecher sind super, die Musik ist mega!

„Halo Infinite“ ist für Xbox One, Xbox Series und PC erhältlich.