John-117, oder besser bekannt als der 'Master Chief', ist zurück … und macht sich rar. Im Microsoft-exklusiven Vorzeige-Shooter Halo V: Guardians spielt das inoffizielle Maskottchen der Xbox nämlich nur die zweite Geige. Und auch sonst verändert 343 Industries so einiges an der altbewährten Halo-DNA, mit der Bungie die Reihe seinerzeit tief in den Spielerherzen verankerte. Ob das nun gut oder schlecht ist, lest ihr hier.

Darum geht's:

In Halo V: Guardians ist der Master Chief in Ungnade gefallen. Und wer ist schuld? Eine Frau natürlich … oder so etwas Ähnliches. Denn nach einer warnenden Vision entschießt sich der Spartan, mit seinem Team Blau dem Ursprung einer von der totgeglaubten KI Cortana prophezeiten Bedrohung nachzugehen. Das widerspricht allerdings seinen Befehlen, was die Führungsriege der UNSC als Fahnenflucht wertet. Also wird Spartan Jameson Locke, dem das Team Osiris unterstellt ist, beauftragt, den gefallenen Helden ausfindig zu machen und zu stellen. Dementsprechend erlebt ihr das Abenteuer abwechselnd aus der Sicht der beiden Teamführer, wobei der Fokus deutlich auf dem Serienneuling Locke liegt.
Und solltet ihr mit dieser Einleitung inhaltlich absolut nichts anfangen können, dann entspricht sie damit dem narrativen Abholdienst von Halo V. Denn wer die Reihe nicht kennt, versteht nur Bahnhof.

Das ist gut:

Halo V: Guardians ist das geworden, was man als einen „Edel-Shooter“ bezeichnet. Ja, grafisch geht heutzutage mehr, was aber nichts daran ändert, dass es 343 Industries gelungen ist, ein wunderschönes Stück Ballergeschichte abzuliefern. Und viel wichtiger als die ewig zitierten Texturen ist ohnehin, wie flüssig sich ein Shooter spielt. Was das betrifft, wischt der Master Chief … pardon Locke mit vielen großen Namen den Boden auf. Durchgängige 60 Bilder pro Sekunde machen das Game so geschmeidig und leichtgängig, wie eine Schraube, die man mit WD-40 eingesprüht hat. Die Bildrate wird zwar mit einigen Tricks erkauft, aber es funktioniert und flutscht! Mehr zählt nicht!

Die Waffen haben ordentlich Wumms, die Musik ist ganz einfach nur gänsehaut-episch, und die KI der Gegner verlangt euch einiges an Taktik ab. Wie gut also, dass ihr ein paar neue Tricks in der Schubdüse habt. Mit eben jener macht ihr blitzschnelle Ausweichmanöver zur Seite, oder rammt eure Gegner einfach frontal über den Haufen. Alternativ springt ihr in die Luft, und zermalmt mit einem mächtigen Bodenstampfer das Alienpack unter euren Füßen. Zudem spielt nun auch Vertikalität in den Levels eine Rolle, weshalb ihr euch praktischerweise auf Vorsprünge ziehen könnt. Als weiteres Eingeständnis an moderne Shooter-Tugenden könnt ihr ferner endlich über Kimme und Korn zielen.
Und wer als alter Halo-Traditionalist bis jetzt noch nicht das Weite gesucht hat, dem sei noch folgendes gesagt: Ihr seid stets im Viererteam unterwegs. Die KI eurer Kollegen erfüllt dabei ihren Zweck mehr als zufriedenstellend, lässt sich mit rudimentären Befehlen sogar auf Ziele ansetzen, aber so richtig rund geht es natürlich erst mit echten Online-Freunden. Tja, und damit wären wir auch gleich bei dem aus unserer Sicht größten Kritikpunkt an Halo V: Guardians.

Das ist schlecht:

Es gibt keinen Splitscreen! Warum? Was soll das? Halo war immer einer der Titel, die man gerne eingelegt hat, wenn ein Kumpel auf der Couch saß. Es mag ja sein, dass heutzutage alles nur noch online hip ist, aber dieser Schnitt schmerzt. Alle anderen Änderungen an der bewährten Formel hat 343 Industries vorbildlich ins Halo-Universum portiert, aber das nehmen wir den Machern übel!
Ansonsten bleibt die Geschichte und insbesondere Locke als ihr Hauptprotagonist erstaunlich blass und zieht erst zum Ende hin etwas an. Auch die Animationen könnten insgesamt etwas eleganter sein. Dies fällt vor allem dann auf, wenn sich Feinde etwas weiter von euch entfernt bewegen, und die Animationsphasen zugunsten der Bildrate reduziert werden.

'Halo 5: Guardians' ist ein butterweicher Edel-Shooter, der PS4-Besitzer zurecht neidisch in Richtung Xbox One blicken lässt. Entwickler 343 Industries mengt dem altbewährten Halo-Rezept ein paar neue Zutaten bei, und macht dabei fast alles richtig. Großes Actionkino für daheim! Nur der fehlende Splitscreen schmerzt.