Die Macher von Rockband haben vorgelegt, und hoffen derzeit mit dem vierten Teil das Genre der Plastikzubehör-Musikspiele wiederzuleben, nachdem der Boom seinerzeit viel zu heiß brannte und entsprechend schnell wieder erlosch. Das können die einstigen Platzhirsche aber natürlich nicht auf sich sitzen lassen, und ziehen mit Guitar Hero Live nach. Doch anstatt einfach die bewährte Formel abzuspielen, möchte Entwickler FreeStyleGames die Marke neu erfinden. Das hat Vor,- aber eben auch Nachteile, wie ihr gleich lesen werdet.

Darum geht's:

Während alteingesessene Pseudogitarristen und Drummer bei der Konkurrenz ihr Equipment einfach nur aus dem Keller holen müssen, um sofort loszurocken zu können, fangen Guitar Heroes wieder von vorne an. Die neue Plastikklampfe setzt nämlich auf ein frisches Button-Layout, was leider bedeutet, dass altes Zubehör nicht mehr kompatibel ist. Nunmehr findet ihr am oberen Ende des Gitarrenhalses zwei parallele Knopfreihen mit jeweils drei Tasten, die den Farben Schwarz und Weiß zugeordnet sind. Das macht das Spielerlebnis deutlich realistischer und ist nach ein paar Runden auch schnell verstanden. Die somit auf den ersten Blick vereinfachte Notenfolge auf dem altehrwürdigen Notenhighway fordert euch dennoch speziell auf den höheren Schwierigkeitsgraden so einiges ab. Wie gehabt dürft ihr als Duo ran, und auch Gesang wird unterstützt. Letzteres allerdings nur rudimentär, weshalb diese Option unter „ferner liefen“ fällt. Die Star Power heißt nun Hero Power und kann neben der beliebten Neigung des Controllers auch durch einen Druck auf die entsprechende Taste aktiviert werden.

Das ist gut:

Wollt ihr euch, wie es sich gehört, als echter Rockstar fühlen, startet ihr den Live-Modus. In diesem absolviert ihr eine Reihe Gigs auf zwei fiktiven Festivals. Der Clou dabei ist, dass die Macher des Spieles diese Auftritte mit viel Aufwand und echten Darstellern aus der Ego-Sicht des Gitarristen gefilmt haben, was euch ein ungeahntes Mittendringefühl beschert. Die Fans reagieren auf euer Können ebenso wie eure Bandkollegen, wobei die Übergänge mit einem leichten Verwischeffekt gekonnt kaschiert werden. Sonderlich realistisch ist ein derart plötzlicher Stimmungswechsel zwar nicht, aber am Ende ist Guitar Hero Live eben auch nur ein Spiel. Auf jeden Fall hat sich die Mühe gelohnt, und beschert euch eine neue Perspektive, die wunderbar zum Spielkonzept passt.
Verlieren könnt ihr nicht, außer euren Stolz, weshalb ihr die leider um eine Hintergrundgeschichte beraubte Karriere mit ihren gut 40 Songs recht schnell durchhaben dürftet. Da sich ab diesem Punkt das Filmmaterial lediglich wiederholt, wechselt ihr zum zweiten Modus: Guitar Hero TV.

Das ist schlecht:

Guitar Hero TV setzt als Streamingdienst eine permanente Internetverbindung voraus, und präsentiert sich im Stile zweier Musikvideo-Kanäle. Ein dritter soll folgen. Rund um die Uhr laufen in vorgegebenen Themenblöcken die Originalvideos von gut 200 Songs aus verschiedenen Musikrichtungen, in die ihr jederzeit einsteigen könnt. Je nach Können verdient ihr eine virtuelle Währung, mit der ihr euch neue Hero-Power-Fähigkeiten (zum Beispiel eine Smart Bomb, die alle Noten hinwegfegt, oder eine kurzzeitige Vereinfachung des Schwierigkeitsgrades) oder verschiedene Layouts für den Notenhighway leistet. Leider benötigt ihr die Moneten aber auch, um die Lieder eurer Wahl zu spielen. Und damit wären wir auch schon beim dicksten Kritikpunkt: Denn um einen Abend lang mit Kumpels aus dem vollen Lieder-Repertoire schöpfen zu können, müsst ihr entweder zuvor erst einmal ordentlich Münzen sammeln, oder eben mit Echtgeld (ca. 15 Cent pro Stück) bezahlen. Das wirklich Fiese dabei ist: Ihr dürft die mit echtem oder virtuellem Geld bezahlten Songs nur einmal spielen! Alternativ blecht ihr 5,99 Euro und habt dann 24 Stunden lang die freie Auswahl.
Dieses dreiste Bezahlmodell torpediert das übungsintensive Grundkonzept einer Spielgattung, die mit derlei Methoden sicherlich keinen zweiten Frühling erleben wird. Gute Ansätze hin oder her!

Aufwändig inszenierte Neuinterpretation des einstigen Erfolgkonzeptes mit neuem Controller. Die frische Ego-Sicht im Live-Modus erzeugt mit echten Filmszenen ein gelungenes Mittendringefühl, das dreiste Bezahlmodell des grundsätzlich interessanten Streamingdienstes Guitar Hero TV dürfte aber viele Fans abschrecken.