25 Millionen Exemplare wurden von GTA IV verkauft. Kein Wunder, dass Rockstar angeblich über 200 Millionen Dollar für den Nachfolger springen ließ. Längst zählt die nicht unumstrittene Reihe zu den Klassikern, wird aber auch nicht selten aufgrund ihres lockeren Umgangs mit Gewalt, Sex und Drogen kritisiert. Die Spieler stört es wenig, sie fiebern bereits seit Monaten der Erscheinung des neuen Meisterwerks von Rockstar entgegen. Nun ist es endlich so weit und jeder über 18 darf seinen kriminellen Neigungen auf PS3 und Xbox 360 freien Lauf lassen.

Darum geht’s:

Schauplatz des Geschehens ist die Stadt Los Santos, quasi eine ganz eigene Variante des realen Los Angeles samt Umland. Entsprechend ist der Spieler nicht nur inmitten einer Großstadt mit all ihren Vierteln und Arealen unterwegs, sondern begibt sich auch ins Hinterland, das mit Wüste, Wäldern, Bergen und natürlich einer eigenen Küste einen gigantischen Spielplatz bietet. Neben der Haupthandlung gibt es reichlich Freiraum und Möglichkeiten für andere Aktivitäten wie Sport, Sehenswürdigkeiten, Entdeckungen und unfreiwillige Begegnungen mit allerlei skurrilen Gestalten.

Der Spieler steuert im stetigen Wechsel drei Hauptfiguren, die man nur schwerlich als Helden bezeichnen kann. Michael ist ein ehemaliger Gangster im Zeugenschutz und mitten in einer Midlifekrise. Der Sohn: ein fauler Taugenichts. Die Tochter versucht mit vollem Körpereinsatz Karriere zu machen und die Ehefrau ist so untreu, wie man es sich nur denken kann. Franklin ist Afroamerikaner, lebt mitten im Getto und versucht sich mit kleinen Gaunereien über Wasser zu halten. Trevor ist ein Hinterwäldler, der sich mit seiner Meth-Küche und reichlich Gewalt einen Platz im Leben sucht. Durch eine Reihe von Ereignissen zusammengeschweißt, versucht dieses Trio Infernale, endlich den großen Coup zu landen.

Das ist gut:

Die Haupthandlung ist zwar nicht gerade originell, vor allem aufgrund ihrer drei eigenwilligen Charaktere aber toll in Szene gesetzt. Die Missionen reichen von leichten kleinen Jobs bis hin zu großen Raubzügen, die zunächst geplant und vorbereitet werden wollen. Abseits davon gibt es reichlich Raum für eine Unmenge an Aktivitäten, die zum Teil auch den Fähigkeiten der drei Ganoven zugutekommen. Fliegen, Rad fahren, Yoga, Tennis, Überfälle, skurrile Zufallsereignisse, Aktienhandel, Immobilienkauf – wer wirklich alles erleben will, ist abseits der 20 bis 25 Stunden Spielzeit für die Haupthandlung noch lange beschäftigt. Und die hat es in sich, zwar rabiat und ab und zu abstoßend, aber auch satirisch und nicht ohne finsteren Humor.

Beeindruckend ist, wie lebendig Los Santos und Umgebung in Szene gesetzt werden. Die Entwickler sparen nicht an Details und bieten dem Spieler reichlich Möglichkeit zur Erkundung oder um sich einfach nur bedingungslos auszutoben. Sofern die bissige Polizei es zulässt, der nur schwer zu entkommen ist. Mit dabei sind viele Fahrzeuge, im Vordergrund natürlich die Autos, die sich deutlich besser und direkter steuern lassen als im Vorgänger. Aber auch Boote, Helikopter, Flugzeuge, Dirtbikes und eher ungewöhnliche Vehikel wie Ladekran oder Abschleppwagen stehen zur Verfügung und können zum Teil auch kräftig aufgemotzt werden. Natürlich darf ein umfangreiches Waffenarsenal nicht fehlen, denn GTA V schickt dem Spieler ganze Heerscharen an Gegnern entgegen.

Die Dialoge gehören zum Besten, was das Videospielgenre zu bieten hat, sind allerdings nur komplett auf Englisch gehalten, optional mit deutschen Untertiteln. Das kann man Rockstar schwerlich vorwerfen, die leicht überzogenen Slangs und der Wortwitz könnten wohl kaum sinnvoll ins Deutsche übersetzt werden, ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Auch der Soundtrack ist vom Feinsten. Etliche Ingame-Radiosender sorgen für Berieselung von seichtem Pop über Gangster-Rap bis hin zu hartem Metal. Und die Feuergefechte nebst Deckungssystem und guter Waffenhandhabung lassen es richtig krachen und die grafischen Fetzen fliegen.

Das ist schlecht:

Obwohl GTA V ein beeindruckendes Spiel ist, hat es auch Schwächen. Die bleiben allerdings überschaubar und sind vor allem technischer Natur. Zuweilen hässliche Texturen, Kantenflimmern und eine ruckelige Bildrate beim Autofahren trüben den ansonsten überaus sehenswerten Genuss. Man merkt halt, dass die aktuelle Konsolengeneration am Ende ihrer Leistungsfähigkeit ist und man muss Respekt dafür zollen, was Rockstar trotz der großen Spielwelt da noch herausholt. Ansonsten missfällt die unnötig fummelige Steuerung der Fluggeräte sowie die Tatsache, dass die meisten Fahrzeuge einfach zu viel aushalten, was vor allem die Verfolgungsjagden zu einem Geduldspiel werden lässt.

GTA V unter moralischen Gesichtspunkten zu bewerten, wäre in etwa, als würde man einen Tarantino-Film wegen seiner Gewalt kritisieren. Es ist halt ein Spiel für Erwachsene, die gut zwischen Realität und Virtualität unterscheiden können. Die Charaktere sind im Grunde Abschaum der Gesellschaft, die Aktionen höchst fragwürdig, aber durch die spannende Geschichte, die skurrilen Typen und die enormen spielerischen Freiheiten auch ein Abenteuer, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Stadt Los Santos nebst Umland ist einfach großartig, die Action bewegt sich auf epischem Niveau und lässt selbst Hollywood-Blockbuster blass aussehen. Und letztendlich fahren wir trotzdem morgens alle brav innerhalb des Tempolimits oder mit der U-Bahn zur Arbeit. Mit dem guten Gewissen, ein tolles Spiel mit immensem Adrenalinfaktor erlebt zu haben. Kein Zweifel: GTA V ist der letzte große Klassiker der vor der Ablösung stehenden Konsolengeneration.