Sich in aller Ruhe und Ausführlichkeit einem Spiel zu widmen, welches „RPG“ in der Genre-Bezeichnung trägt, ist mit Blick auf die zu erwartende Spielzeit für viele Berufstätige heutzutage ein terminlicher Supergau. 150 Stunden+, um alles zu sehen, und bis zum Endboss zu kommen, schnitzt sich ein Familienvater in Vollzeit nicht einfach so aus den Rippen. Dabei muss man gar nicht unbedingt immer dem AAA-Gigantismus frönen, um sein junggebliebenes Rollenspielherz bei Laune zu halten. Auch kleine Perlen schimmern, wie das neue „Greedfall“ beweist.

Darum geht’s:

Bei „Greedfall“ handelt es sich um ein Action-RPG klassischer Machart, im Stile der frühen Bioware-Rollenspiele. Soll heißen, ihr erlebt mit einer selbstgestalteten Figur eine abenteuerliche Singleplayer-Reise in Third-Person-Perspektive voller Kämpfe, Gespräche und Entscheidungen. Welcher dieser Aspekte euer Spielerlebnis dominiert, hängt davon ab, wie ihr eure Figur mit erworbenen Erfahrungspunkten gestaltet. Soweit, so altmodisch. Was „Greedfall“ jedoch gleich auf den ersten Blick von den offenkundigen Vorbildern unterscheidet, ist das gewählte Setting.

In einer an das barocke 17. Jahrhundert angelehnten Welt, in der sich Musketiere mit Mantel und Degen genauso wohlfühlen wie bärbeißige Piraten und affektierte Adelige, bedroht eine tödliche Seuche die Zivilisation. Die naturverbundenen und magisch begabten Einheimischen einer neu entdeckten Insel namens Teer Fradee scheinen dagegen jedoch immun zu sein, was eine ganze Welle an Siedlern unterschiedlicher Kolonialfraktionen an die Ufer des Eilandes schwemmt.

Auch ihr seid in der Rolle eines wahlweise männlichen oder weiblichen Adligen gemeinsam mit eurem Cousin unterwegs nach Teer Fradee. Jener soll dort als Gouverneur der Stadt New Serene seinen Platz einnehmen. Welche Rolle ihr indes auf der mythischen Insel spielt, bleibt euch überlassen. Paktiert ihr mit den exotischen Ureinwohnern, oder macht ihr euch das neue Land untertan? Es liegt an euch, wobei über allem natürlich die Suche nach einem Heilmittel steht.